Kostenlose Tests an der Hochschule kommen überraschend

Ein Zettel mit einem Smiley mit Maske und der Aufschrift "Bleibt gesund" hängt an einer Tür der TU Ilmenau. Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
Ein Zettel mit einem Smiley mit Maske und der Aufschrift "Bleibt gesund" hängt an einer Tür der TU Ilmenau. Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
© deutsche presse agentur

14. Oktober 2021 - 17:51 Uhr

Jena (dpa/th) - Dass sie für ihre Studierenden ab sofort zwei kostenlose Corona-Schnelltests pro Woche zur Verfügung stellen müssen, hat Hochschulen in Thüringen überrascht. Um genügend Tests zu beschaffen und eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen, werde man bestimmt zwei Wochen brauchen, sagte etwa eine Sprecherin der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Für Studierende bedeuten die kostenlosen Tests eine Erleichterung - allerdings nur im Hochschulbereich. Von der Opposition kam Kritik.

Das Wissenschaftsministerium hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass Hochschulen ab sofort zwei kostenfreie Tests pro Woche für ihre Studierenden bereithalten müssen. Die Hochschulleitungen waren darüber ebenfalls erst am Mittwoch informiert worden. Nach Angaben von Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) war auch das Ministerium von der geänderten Rechtslage überrascht worden. Das Bundesarbeitsministerium habe nun bestätigt, dass staatliche Arbeitsschutzvorschriften wie die Corona-Arbeitsschutzverordnung des Bundes auch auf Versicherte anzuwenden seien, wenn sie keine Beschäftigten sind. Das treffe somit auch auf Studierende zu.

Man habe es für notwendig gehalten, die Hochschulen schnell zu informieren. Dass das vor Ort hier und da zu Irritationen geführt habe, sei bedauerlich, aber nicht vermeidbar gewesen. "Natürlich ist klar, dass es etwas Vorbereitungszeit braucht, um die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen."

Die Zertifikate von den Hochschulen könnten von Ungeimpften nicht als Testnachweis genutzt werden, um zum Beispiel in Cafés zu gelangen, die Besucher nach der 3G-Regel einlassen, machte ein Sprecher zudem klar. Sie seien nur dazu da, um Zugang zu Vorlesungen, Prüfungen und ähnlichen Veranstaltungen zu bekommen. Grund dafür seien die Regelungen in der aktuellen Thüringer Corona-Verordnung. Diese sehe vor, dass die Gültigkeit dieser Testzertifikate auf den Hochschulbereich beschränkt bleibe.

"Mit welchem Grund schützt ein Test 500 Studenten in einem Hörsaal, aber nicht zehn junge Leute in einer Kneipe?", kritisierte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Mario Voigt. Natürlich müssten die Tests auch abseits der Hochschule gelten, wenn sie nicht älter als 24 Stunden seien, forderte er.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Andreas Bühl, kritisierte zudem die Kurzfristigkeit der Testangebotspflicht. Seit Monaten sei klar, wann das Semester beginnt und dass es ein Start unter Pandemiebedingungen sein werde, sagte er. "Trotzdem ist es der Landesregierung auch hier nicht gelungen, rechtzeitig für Planungssicherheit zu sorgen."

An der Universität Jena bedeutet die Neuregelung nun Mehraufwand. Bislang habe man eine andere Rechtsauffassung gehabt und sei davon ausgegangen, dass nur Beschäftigte der Uni zweimal pro Woche kostenlose Tests von ihrem Arbeitgeber erhalten, hieß es. Nach ursprünglichen Planungen hätten sich Studierende bei Testzentren in der Stadt testen lassen müssen. Nun müsse Personal rekrutiert und Räume gesucht werden.

Auch eine Sprecherin der Universität Erfurt sagte: "Ein bisschen mehr Vorlauf hätte uns das Ganze erleichtert." Zwar habe die Uni bereits ein Testzentrum etabliert, in dem Studierende für einen Euro unter Aufsicht Selbsttests machen können. Da man aber nicht wisse, wie viele Studierende nun das kostenlose Angebot wahrnehmen, müsse man schnell große Mengen Tests zusammenkratzen. Die Nachbestellungen dauerten einige Tage.

Der hochschulpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Christian Schaft, begrüßte hingegen die Entscheidung des Ministeriums. "Ich sehe damit auch keine Schwächung des Anreizes zur Impfung", sagte er der dpa. Die Studierendenvertretungen hätten immer wieder signalisiert, dass mehr Präsenz in Verbindung mit Infektionsschutzmaßnahmen wie etwa Testangeboten gewünscht sei. Gerade für Studierende, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, sei das eine Vereinfachung im Studienalltag.

Die Sprecherin der Konferenz Thüringer Studierendenschaften, Hannah Schneider, sagte: "Das ist natürlich ein Zugewinn an Sicherheit." Damit könne man Lücken bei den 3G-Stichprobenkontrollen schließen. Wichtig sei jedoch, dass durch den finanziellen Mehraufwand für die Hochschulen nicht anderweitig Finanzierungslücken entstehen.

An den Thüringer Hochschulen beginnt in diesen Tagen die Vorlesungszeit. Das Wintersemester soll erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder in Präsenz stattfinden. Für den Zutritt zu Lehrveranstaltungen gelten die 3G-Regeln - rein darf, wer geimpft, genesen oder getestet ist und den entsprechenden Nachweis dabei hat.

© dpa-infocom, dpa:211014-99-589435/5

Quelle: DPA