Kostenlose Masken zur Abholung in Apotheken

Epidemiologe zu FFP2-Masken für Risikogruppen: "Das ist widersprüchlich"

Blick auf eine Apotheke in Frankfurt am Main (Motivbild)
Blick auf eine Apotheke in Frankfurt am Main (Motivbild)
© dpa, Frank Rumpenhorst, fru wst

16. Dezember 2020 - 9:06 Uhr

Risikogruppen müssen für Abholung das Haus verlassen

Seit Dienstagmorgen haben über 60-Jährige und Menschen mit chronischen Erkrankungen Anspruch auf 3 kostenlose FFP-2-Masken, die sie in Apotheken gegen Vorlage von Personalausweis und Nachweisen erhalten. Gleichzeitig tritt am Mittwoch der sogenannte harte Lockdown in Kraft. Dadurch soll erreicht werden, dass möglichst wenig Kontakte zwischen Menschen entstehen und sie am besten zu Hause bleiben.Wie passt das zusammen? Angeordnete Kontaktbeschränkungen einerseits, andererseits ausgerechnet Risikogruppen in die Einkaufsgegenden schicken? "Das ist widersprüchlich", sagt Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs im Gespräch mit RTL und ntv.

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Kostenlose FFP-2-Masken: Risiko des Ansturms auf die Apotheken

Prof. Timo Ulrichs
Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs
© RTL

"Die Verteilung wäre tatsächlich besser gewesen, wenn die FFP-2-Masken nach Hause geschickt worden wären." Das sei so kurzfristig wahrscheinlich nicht zu organisieren gewesen, so Ulrichs weiter. Er wirft außerdem die Frage auf, was mit den Menschen ist, die im ländlichen Raum wohnen. Sie müssten unter Umständen zusätzlich öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nehmen. Und "in der Tat, ja, wenn sich da Schlangen vor den Apotheken bilden, dann ist das natürlich das, was man nicht haben möchte, auch wenn da Abstände eingehalten werden."

Grundsätzlich böten Alltagsmasken einen guten passiven Schutz. Sie sollen verhindern, dass Tröpfchen und Aerosole weitergegeben werde. FFP-2-Masken schützten auch aktiv, sprich, das Virus kann von außen nicht in die Maske eindringen, weil es rausgefiltert wird. Ein zusätzlicher Schutz, der Risikogruppen nun kostenlos zur Verfügung gestellt werden soll.

Im Video: Prof. Ulrichs im Frühstart-Interview

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Lieber eine Vollmacht ausstellen

Um das Risiko für vulnerable Gruppen (Ältere und Vorerkrankte) zu minimieren, sich ausgerechnet beim Gang in die Apotheke anzustecken, sollten Vollmachten ausgestellt werden. So kann zum Beispiel ein Familienmitglied beim nächsten Einkauf die Masken für den Angehörigen mitbringen. So kann der Risikopatient zu Hause bleiben und sich sicher isolieren. Denn, so Prof. Ulrichs, "je weniger Kontakte, desto besser ist es".

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