Hartz-IV-Empfänger regen sich auf

Während Corona-Pandemie: FFP2-Masken werden unverpackt verschickt - und ohne CE-Zeichen

FFP2-Masken unverpackt vom Jobcenter erhalten.
FFP2-Masken unverpackt vom Jobcenter erhalten.
© RTL, Privat

08. März 2021 - 10:26 Uhr

Kostenlose FFP2-Masken aus der Restekiste?

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Jobcenter verschicken FFP2-Masken an Bezieher von Arbeitslosengeld II. Doch einigen Empfängern, die sich vom monatlichen Hartz-IV-Satz keine FFP2-Masken leisten können, ist die Freude vergangen. Sie beschweren sich bei RTL: Das Amt schickt uns die FFP2-Masken unverpackt – und ohne CE-Kennzeichnung. Die Aufregung kann man sicher nachvollziehen. Wir haben beim Hygiene-Experten Dr. Zinn und beim TÜV Rheinland nachgefragt, ob sich die Empfänger der Masken zu Recht Sorgen machen.

3 unverpackte Masken mit Begleitschreiben vom Jobcenter

Angelika leidet unter einer schweren COPD, also einer sehr ernst zu nehmenden Lungenerkrankung. Das zuständige Jobcenter hat ihr vor einigen Tagen FFP2-Masken per Post zugesandt. Im Umschlag: drei neue FFP2-Masken, allerdings nicht einzeln in Folie verpackt. In ihrer Zuschauermail an RTL schreibt sie: "Ich weiß weder, wer diese unverpackten und somit nicht mehr "sterilen" Masken angefasst hat oder was sonst mit diesen passiert ist."

Sollten FFP2-Masken tatsächlich aus hygienischen Gründen einzeln in Folie verpackt verschickt werden? Immerhin: In der 6er-Packung, die man in der Apotheke nach Abgabe des Berechtigungsscheins erhält, befinden sich die FFP2-Masken einzeln in Folie verpackt.

Wir fragen unseren Experten Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia. "Generell werden FFP2-Masken verpackt geliefert. Das geht von einzeln verpackt bis zu 5er-Verpackung oder 10er-Verpackung." Was beim Versandt unbedingt beachtet werden sollte: "Wenn ich aus einer 10er-Verpackung drei rausnehme und die verschicke, dass es mit desinfizierten Händen, staubfrei und trocken passiert. Das muss gewährleistet sein." Ein Infektionsrisiko bestehe in dem konkreten Fall aber eher nicht, so der Hygiene-Experte. Es sollte aber einen guten Eindruck machen, deshalb empfiehlt Dr. Zinn, die Masken verpackt zu verschicken.

3 unverpackte FFP2-Masken ohne CE-Kennzeichnung vom Jobcenter

Auch Andrea hat Post vom Jobcenter Oberhausen bekommen. In dem Umschlag befanden sich neben dem Anschreiben jeweils drei FFP2-Masken sowie drei OP-Masken. Die Masken sind nicht nur für sie gedacht, sondern auch für ihre 17-jährige Tochter. Auch Andrea regt sich darüber auf, dass die Masken unverpackt in einen Briefumschlag verschickt wurden.

Die alleinerziehende Mutter irritiert aber noch eine andere Tatsache: Die FFP2-Masken haben keine CE-Nummer. Sind die zugesandten Masken mit der KN95-Aufschrift ein Fake und das Jobcenter verschickt entsprechend Fälschungen an Bedürftige. RTL hat den TÜV um eine Einschätzung gebeten.

"KN95-Masken sind partikelfiltrierende Halbmasken, die aus China kommen und nach dem chinesischen Standard geprüft wurde. Dieser Standard ist ebenfalls auf der Maske vermerkt: GB2626-20006. Grundsätzlich sind diese Masken mit FFP2-Masken vergleichbar", erläutert Franziska Nieke vom TÜV Nord. Das Qualitätsniveau sei ähnlich wie bei FFP2-Masken.

Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: KN95-Masken erhalten grundsätzlich keine CE-Kennzeichnung. Im Rahmen der Beschaffung von partikelfiltrierenden Halbmasken im Jahr 2020 wurden zahlreiche KN95-Masken auch für den europäischen Markt zugelassen. "Dafür mussten sie wie auch FFP2-Masken ein Prüfverfahren der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) durchlaufen. Das Verfahren wurde bis Ende September 2020 durchgeführt", so die Sprecherin vom TÜV Nord. KN95-Masken, die bis dahin das Verfahren erfolgreich abgeschlossen hatten, durften auch über dieses Datum hinaus vertrieben werden und seien zum Beispiel auch weiterhin in Apotheken erhältlich.

Unsicherheit der Hartz-IV-Empfänger bleibt

Bei der Beschaffung von Masken ist im letzten Jahr einiges durcheinander geraten, bereits lange vor dem zweiten Lockdown war von Masken-Chaos die Rede. Kein Wunder, dass man als normaler Bürger nicht mehr durchblickt. Was bleibt: Die Wut und das Unverständnis einiger Hartz-IV-Empfänger. Dass Sie das Gefühl haben, als Resterampe herhalten zu müssen, dafür sollte man Verständnis haben. Und vielleicht stellen sich auch die Jobcenter etwas geschickter an. Immerhin haben einige Jobcenter bereits angekündigt, ab sofort einzeln verpackte Masken zu verschicken.