Nicht ausreichend geprüft

Kostenexplosion bei "Gorch Fock": Von der Leyen gesteht Fehler ein

Gorch Fock
Gorch Fock
© dpa, Carsten Rehder, dt bra pzi cul reh fdt ve reh so

01. März 2019 - 17:40 Uhr

Seit 20 Jahren steigen die Kosten

Ja, wir haben Fehler gemacht - so kann man die Botschaft des Verteidigungsministeriums zusammenfassen. Es geht um den einstigen Stolz der Bundesmarine, die "Gorch Fock". Das ist der weiße Dreimaster, auf dem Matrosen und künftige Offiziere segeln lernen sollen. Doch nun lehrt das Schiff die Politik das Fürchten.

Letzter Rundum-Chef vor 40 Jahren

ARCHIV - 21.01.2019, Bremen, Bremerhaven: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) steht bei ihrem Besuch des Segelschulschiffes der Deutschen Marine "Gorch Fock" mit weiteren Personen im Dock. In der Affäre um die explodierenden Kost
Ursula von der Leyen besucht Gorch Fock
© dpa, Mohssen Assanimoghaddam, ass fdt jol

Seit Jahren wird an dem maroden Kahn herumgedoktert, seit 20 Jahren steigen die Kosten. Erst sollte die Reparatur 9,6 Millionen Euro kosten. Dann 75. Und nun ist man bei 135 Millionen angelangt! Die sind zwar noch nicht ausgegeben worden, so viel müsste aber Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen aus ihrem Ressort aufbringen, wenn die "Gorch Fock" wieder in See stechen soll. Jetzt räumt ihr Ministerium ein, dass "erhebliche Fehler" gemacht wurden. Es ist die Antwort auf einen gnadenlosen Bericht des Bundesrechnungshofes.

Gefahr für Besatzungen?

Besagtem Bericht des Bundesrechnungshofes vom 3. Januar wolle man "im Wesentlichen folgen", heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums an den Rechnungshof, dessen Aufgabe es ist, die Kosten im Bundeshaushalt im Auge zu behalten. Die Prüfer kritisierten, dass die Elsflether Werft mit der Reparatur beginnen durfte, ohne dass man vorher wusste, ob sich das überhaupt noch lohne. Wirtschaftlichkeit und Zustand des Schiffes seien nicht ausreichend kontrolliert worden. Das letzte Mal sei das 1979 passiert - vor 40 Jahren.

Das Schiff lief dennoch immer wieder aus. Das sei gefährlich für die Besatzungen gewesen, sagen die Kontrolleure vom Rechnungshof. Das ist aber eine der Punkte, den das Ministerium zurückweist. Zudem habe Ministerin von der Leyen laut den Prüfern zwei Mal Kostensteigerungen durchgewunken, obwohl die Informationen dazu falsch oder nicht hinreichend aussagekräftig gewesen seien.

Die Kostenexplosion ist übrigens nicht das einzige Problem. Die zuständige Werft, die das Schiff reparieren soll, ist auch noch pleite und hat Insolvenz angemeldet. Das liegt auch daran, dass das alte Management Millionensummen in die eigene Tasche umgelenkt haben soll. Die neue Leitung hofft aber, das Unternehmen retten zu können.