Black Lives Matter setzt Unternehmen unter Druck

Kosmetikhersteller L'Oréal verzichtet auf Bezeichnung "Aufheller"

L'Oreal will Begriffe wie "Aufheller" oder "Bleichen" in Zukunft vermeiden.
© DPA, Schoening

29. Juni 2020 - 11:28 Uhr

Weltweite Rassismusdebatte mit weitreichenden Folgen

Der französische Kosmetikgigant L'Oréal verzichtet künftig auf Begriffe wie "Aufheller" oder "Bleichen". Worte wie diese sollten von Hautpflegeprodukten entfernt werden, bestätigte das Unternehmen am Sonntag in Paris. Hintergrund ist die weltweite Rassismusdebatte, die nach dem gewaltsamen Tod von Georg Floyd entbrannt ist.

Black-Lives-Matter-Bewegung wendet sich an Kosmetikhersteller

L'Oreal selbst hat noch keinen Grund für die Entscheidung genannt. Offen blieb auch, von welchem Zeitpunkt an die neue Regelung gilt und ob möglicherweise Produkte zurückgezogen werden sollen.

Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat sich allerdings im Rahmen der Rassismus-Debatte auch an die Kosmetikhersteller gewandt und vor allem die Benennung und Bewerbung von Bleichmitteln kritisiert und gegen einzelne Produkte Petitionen gestartet. So wurde zum Beispiel auf Change.org eine Petition gegen die Gesichtscreme "Fair & Lovely" gestartet, an der sich bereits Tausende beteiligt haben. Die Werbung für Hautaufheller würde suggerieren, dass Männer und Frauen in ihrem Alltag nur dann zufrieden und erfolgreich seien, wenn sie das Produkt für eine hellere Haut benutzen.

Unilever bennent Gesichtscreme „Fair & Lovely“ um

Der Konsumgüterkonzern Unilever hat auf die Diskussionen bereits reagiert und mitgeteilt, dass er seiner Gesichtscreme "Fair & Lovely" angesichts der Rassismusdebatte einen anderen Namen geben möchte. Die Hautpflegeprodukte sollten künftig ein vielfältigeres Schönheitsideal mit sämtlichen Hautfarben ansprechen.

Begriffe wie "weiß", "weiß machend" und "hell" suggerierten ein einheitliches Schönheitsideal, das das Unternehmen nicht für richtig halte. Deswegen sollten diese Worte in Werbung, Kommunikation und der Benennung von Unilever-Cremes nicht mehr verwendet werden. Der Name der vor allem in Asien vertriebenen "Fair & Lovely"-Creme solle in wenigen Monaten verändert werden.

Bereits 2019 habe Unilever auf den "Fair & Lovely"-Verpackungen in Indien auf Vorher-Nachher-Abbildungen und Hautfarben-Abstufungen verzichtet. Stattdessen werde die Creme mit der Auswirkung auf die Reinheit der Haut und den Glanz des Gesichts beworben. Die Creme sei von ihrer Zusammensetzung her nie eine Bleichcreme gewesen, erklärte das Unternehmen. Allerdings will Unilever nicht, wie von Kritikern gefordert, die Produktion von "Fair & Lovely" komplett einstellen.

Auch "Uncle Ben's" auf dem Prüfstand

Nicht nur die Kosmetikkonzerne geraten unter Druck, auch Lebensmittelhersteller müssen ihre Produktnamen überdenken. Prominentes Beispiel: "Uncle Ben's"-Reis. Der Konzern Mars kündigte an, seine Reismarke Uncle Ben's "weiterzuentwickeln". Das Markenzeichen des Produkts zeigt den Kopf eines älteren schwarzen Mannes mit weißen Haaren. Mars erklärte, Haltung beim Bemühen zeigen zu wollen, rassistische Vorurteile und Ungerechtigkeiten zu beenden.

In Österreich musste die Vorarlberger Mohrenbrauerei sogar ihre Facebook- und Instagram-Seite schließen, weil die Diskussionen vor allem über das Logo des Unternehmens neu aufgeflammt waren. Der stilisierte "Mohrenkopf" wird bereits länger kritisiert. Das Unternehmen sah sich genötigt, öffentlich Stellung zu nehmen: "Die Mohrenbrauerei steht für Toleranz und lehnt Rassismus ganz entschieden ab." Kritiker warnen allerdings davor, das Thema auszusitzen und zeigen anschaulich über Twitter, dass bei der Aufarbeitung noch viel Luft nach oben ist.

Rassismus-Debatte geht weiter

Und bei Firmen hört der Einfluss der Rassismus-Debatte nicht auf. Auch der US-Bundesstaat Mississippi ändert seine schon lange umstrittene Flagge. Die zeigt noch immer in Teilen die Konföderierten-Flagge und erinnerte damit an die einstigen Sklavenhalter.