Korea-Krise: USA verstärken Militärpräsenz – keine Hinweise auf Angriffspläne

20. Mai 2013 - 11:31 Uhr

Nordkorea will Atomreaktor Yongbyon wieder hochfahren

Die USA setzen im Konflikt mit Nordkorea immer mehr auf militärische Abschreckung und verstärken im Zuge dessen ihre Präsenz in der Region. Neben hochmodernen Kampf-Jets mit Tarnkappentechnik schickt Washington Medienberichten zufolge auch einen mit Raketen bestückten Zerstörer ins Konfliktgebiet. Zudem solle ein schwimmendes Überwachungsradar näher an die nordkoreanische Küste herangebracht werden.

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Südkoreas Präsidentin Park verliert langsam die Geduld mit dem nördlichen Nachbarn.
© dpa, Yonhap

Trotz der aggressiven Töne aus Pjöngjang sieht Washington aber keine unmittelbare Gefahr eines Angriffs. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass Nordkoreas Führung die Truppen mobilisiere oder aufmarschieren lasse, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney.

Unterdessen fürchten US-Regierungsbeamte laut einem Bericht der 'Washington Post', dass Nordkorea Fortschritte beim Bau von Atombomben macht. Wie die Zeitung unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen berichtet, könnte Pjöngjang bei seinem jüngsten Nuklearversuch im Februar eine Atombombe mit hoch-angereichertem Uran gezündet haben. Dies würde bedeuten, dass das Regime zur Urananreicherung fähig ist.

Hinzu kommt, dass Nordkorea angekündigt hat, seinen umstrittenen Atomkomplex Yongbyon wieder hochzufahren. Es würden Maßnahmen für eine Wiederinbetriebnahme des Reaktors und anderer Einrichtungen getroffen, berichteten die Staatsmedien unter Berufung auf die Generalabteilung für Atomenergie. Die Atomstreitmacht solle "in Qualität und Quantität" verstärkt werden, zugleich solle die akute Stromknappheit behoben werden.

In dem Reaktor in Yongbyon hatte Nordkorea waffentaugliches Plutonium hergestellt. Die Anlage war 2007 im Rahmen eines internationalen Abkommens abgeschaltet worden.

Atomwaffen für Nordkorea nicht verhandelbar

Unterdessen warnte Südkorea den kommunistischen Norden in deutlicher Form vor möglichen Angriffen. Präsidentin Park Geun Hye wies die Streitkräfte an, auf militärische Provokationen des Nachbarlandes "ohne Rücksicht auf jede politische Abwägung" prompt und strikt zu reagieren.

Nordkorea hatte am Samstag den "Kriegszustand" im Verhältnis zum Süden verkündet. Zudem erklärte das Regime, die Atomwaffen seien nicht verhandelbar. Die USA gehen davon aus, dass das Regime in Pjöngjang beim Bau von Atombomben Fortschritte macht.

Die Oberste Volksversammlung in Pjöngjang - das Parlament in Nordkorea - verabschiedete auf ihrer Frühjahrssitzung ein Gesetz "zur Festigung der Position des Landes als Atomwaffenstaat zur Selbstverteidigung", wie die Staatsmedien berichteten. Damit reagiere Nordkorea auf die "feindselige Politik der USA". Mit dem Schritt bestätigte die Versammlung einen entsprechenden Beschluss des Zentralkomitees der herrschenden Arbeiterpartei.

Zugleich wurde der nordkoreanische Ministerpräsident Choe Yong Rim seines Postens enthoben. Sein Nachfolger ist nach Berichten der Staatsmedien Pak Pong Ju, der das Amt bereits von 2003 bis 2007 innehatte. Mit der Ernennung Paks, dem 2002 eine wichtige Rolle bei Reformversuchen zugeschrieben wurde, könnte Kim Jong Un nach Ansicht von Beobachtern signalisieren, sich stärker der Wirtschaft zuwenden zu wollen.