Kopf ab, neuer Körper dran: Walerij (30) will sich zur Kopftransplantation zur Verfügung stellen

Der 30-jährige Walereij aus Russland sieht in der Transplantation eine Chance für sich und andere kranke Menschen.
Der 30-jährige Walereij aus Russland sieht in der Transplantation eine Chance für sich und andere kranke Menschen.
© picture alliance / dpa, Vladimir Smirnov

17. Juni 2015 - 19:36 Uhr

Methode à la Frankenstein?

Vor einiger Zeit wurde sie noch dem Science-Fiction-Genre zugeordnet, jetzt könnte sie schon bald in unserer Welt durchgeführt werden: eine Kopftransplantation. So absurd die Vorstellung auch klingt; der italienische Chirurg Sergio Canavero möchte in zwei Jahren das erste Mal einen Kopf transplantieren. Obwohl ein derartiges Unterfangen zahlreiche Risiken birgt und es in Expertenkreisen heftige Kritik hagelt, ist bereits ein erster Freiwilliger für die Umsetzung von Canaveros Vorhaben gefunden. Der 30-jährige Walerij aus Russland will für die Transplantation im wahrsten Sinne des Wortes seinen Kopf hinhalten.

Doch was bewegt einen Menschen zu einer solch riskanten Entscheidung? Der junge Russe leidet seit seiner Geburt an einer spinalen Muskelatropie, einer Form von Muskelschwund. Er kann nicht alleine gehen, stehen oder aufrecht sitzen. Walerij weiß, dass er die letzten Jahre seines Lebens nahezu lebensunfähig im Rollstuhl verbringen müsste.

In der Kopftransplantation sieht er deshalb eine Chance für sich und andere schwerkranke Menschen: "Diese Technologie ist gleichbedeutend mit dem ersten Mann im Weltraum. Das ist die Zukunft. Es wird künftig tausenden Menschen helfen, die in einem noch bedauerlicheren Zustand sind als ich", sagte er der Video-Agentur 'Ruptly'.

Auch der Urheber des riskanten Vorhabens, Sergio Canavero, zeigt sich zuversichtlich: Der Chirurg legte Medienberichten zufolge bereits 2013 einen ersten Plan für eine menschliche Kopftransplantation vor. Er vertritt die Meinung, dass es mit modernen Techniken durchaus möglich ist, den Hauptnervenstrang zwischen Körper und Gehirn so zusammenzufügen, dass ein fremdes Hirn einen Spenderkörper steuern kann. "Wir hoffen, dass diese Technologie erfolgreich sein wird", erklärt Walerij.

Experten äußern sich kritisch

Sergio Canavero
Für sein riskantes Vorhaben fehlt Sergio Canavero noch das Geld und eine passende Klinik. 2017 will er den umstrittenen Eingriff durchführen.
© picture alliance / IPA srl, IPA srl

Eine derartige Kopftransplantation wird in Chirurgenkreisen heiß diskutiert. Ganz davon abgesehen, dass der Eingriff zahlreiche medizinische Risiken birgt, ist er auch ethisch sehr fragwürdig und umstritten.

Trotz der zahlreichen Bedenken versichert Canavero, dass es ihm gelingen wird, alle Nervenstränge erfolgreich zu verknüpfen. Er verspricht, die Operation spätestens 2017 durchführen zu können. 'Ruptly' zufolge wird der Chirurg den kompletten Kopf des Russen abtrennen und auf den Körper eines hirntoten Menschen setzen. Nach mehreren Monaten künstlichen Komas und Physiotherapie soll Walerij seine Körperfunktionen wieder völlig normal nutzen können.