Wann kommt die App? Und was passiert mit meinen Daten?

Was Sie jetzt über die Corona-App wissen müssen

27. April 2020 - 16:47 Uhr

Bundesregierung einigt sich nach langen Diskussionen

Eine Corona-Warn-App, die Infektionsketten erkennen und so die Ausbreitung der Pandemie verhindern soll, ist schon seit Wochen in Planung. Nach langer Diskussion hat die Bundesregierung sich nun darauf geeinigt, dass die Nutzerdaten dezentral gespeichert werden sollen. Im Video zeigen wir Ihnen, wie diese App im Alltag funktionieren könnte. Aber was bedeutet es überhaupt, wenn unsere Daten dezentral gespeichert werden? Und wann kommt die App denn nun endlich?

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Zentrale vs. dezentrale Nutzerdaten-Speicherung - Was heißt das?

Experten rechnen damit, dass einer App mit dezentraler Nutzerdaten-Speicherung mehr Vertrauen geschenkt wird.
Experten rechnen damit, dass einer App mit dezentraler Nutzerdaten-Speicherung mehr Vertrauen geschenkt wird.
© iStockphoto

Grundsätzlich würden Corona-Apps mit dezentraler Datenspeicherung und solche mit zentraler Datenspeicherung ähnlich funktionieren. Die Grundidee: Über die Bluetooth-Funktion registriert das Smartphone, welche anderen Smartphones für mindestens mehrere Minuten näher als zwei Meter kommen. Infiziert man sich mit dem Coronavirus, kann man das über die App melden und so die anderen Kontakte warnen.

Der Unterschied liegt darin, wo die Nutzerdaten gespeichert werden. Bei der dezentralen Variante sendet der Nutzer im Falle einer Infektion nur seine eigene Kennung an den Server. Von dort aus können die anderen User die Kennung herunterladen. Ob man wirklich mit der infizierten Person in Kontakt gekommen ist, wird ausschließlich lokal auf dem Handy geprüft.

Beim zentralen Ansatz würde diese Prüfung ebenfalls auf dem zentralen Server geschehen. Hierbei würde die App eines Infizierten zusätzlich die Kennungen der Kontakte an den Server schicken. Die Bundesregierung hatte sich ursprünglich für dieses Konzept entschieden, nach heftiger Kritik von Datenschutz-Experten nun aber den Kurs geändert.

Warum ist die dezentrale Lösung besser für uns?

Das zentrale Modell für die Corona-App wurde von vielen Datenschutz-Experten heftig kritisiert: Sensible Daten würden so auf einem zentralen Server gespeichert. Keine guten Voraussetzungen für breites Vertrauen in die App - das wäre aber nötig, damit die App möglichst oft benutzt wird und so auch wirklich ihre Warn-Funktion erfüllt. Ihre Nutzung soll schließlich freiwillig bleiben.

Außerdem soll es in der dezentralen Variante der App auch die Möglichkeit geben, freiwillig weitere Daten zur epidemiologischen Forschung an das Robert-Koch-Institut weiterzugeben. Das erklärten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Kanzleramtschef Helge Braun gegenüber der "Welt am Sonntag".

Eine zentrale Version der App hätten die meisten Smartphone-Nutzer wohl von vornherein überhaupt gar nicht nutzen können. Die Technik-Giganten Apple und Google hatten eine zentrale Datenspeicherung bereits für ihre Betriebssysteme ausgeschlossen. 

Wann können wir die Corona-Warn-App nutzen?

Bis eine Corona-Tracing-App kommt, dauert es wohl noch ein paar Wochen.
Bis eine Corona-Tracing-App kommt, dauert es wohl noch ein paar Wochen.
© Kzenon, istock

Das Konzept steht - die Corona-Tracing-App muss nun aber noch entwickelt werden. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) werden wir noch mehrere Wochen auf die Warn-App warten müssen. Im Gespräch mit den "Tagesthemen" sagte er, der Weg müsse "so schnell als möglich, aber auch so sicher als möglich" gehen.

Digitalexperte Achim Berg schätzte die Situation bereits vor einigen Tagen im Gespräch mit RTL ähnlich ein. Man habe zwar schon viel Zeit mit dem Streit über die Ausrichtung der App verloren - es sei aber sinnvoll, dennoch nichts zu überstürzen: "Wenn die Epidemiologen nicht auf die App geschaut haben, die Datenschützer nicht drauf geschaut haben, dann wird die App nicht akzeptiert werden und das ist nicht gut für die App."

Kann die App wirklich helfen, die Corona-Pandemie einzudämmen?

Damit die Corona-App wirklich ihren Zweck erfüllt, nämlich Infektionsketten erkennt und somit dazu beitragen kann, die Ausbreitung von Covid-19 zu bekämpfen, müssen möglichst viele Bürger in Deutschland sie nutzen. Forscher schätzen, dass 60 Prozent der Deutschen die App installieren müssen, damit sie wirklich helfen kann - eine ganze Menge!

RTL-Digitalexpertin Frauke Holzmeier bleibt skeptisch: "Längst nicht jeder hat ein Smartphone und längst nicht jeder will es vielleicht auch machen."

Ebenfalls wichtig: Wenn die App zur Verfügung steht, muss der Nutzer dauerhaft die Bluetooth-Funktion an seinem Gerät angeschaltet lassen, sonst funktioniert der Datenaustausch nicht.

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