14. Juni 2019 - 15:09 Uhr

Konversionstherapien sollen Homosexuelle heilen

Sogenannte Konversionstherapien sollen Schwulen und Lesben ihre Homosexualität austreiben. Geschätzt 1.000 solcher Therapien werden in Deutschland jedes Jahr durchgeführt, mit schlimmen Folgen für die Betroffenen. Auch Bastian Melcher hat sie erlebt. Im Video erzählt er von seinen Erfahrungen. Gesundheitsminister Jens Spahn möchte diese Therapie nun aus vielen Gründen verbieten.

Die Therapien können verboten werden

Homosexualität ist keine Krankheit und eine Konversionstherapie schadet - da sind sich die Experten einig.
Homosexualität ist keine Krankheit und eine Konversionstherapie schadet - da sind sich die Experten einig.
© dpa, Marcus Brandt

Ihnen wird eingeimpft, sie seien krank – sie könnten aber geheilt werden, wenn sie ihr Verhalten änderten. "Es gab einen Fall, das war das Ziel, dass dann die lesbische Frau am Ende dieser Therapie es schafft, mit ihrem besten Freund zu schlafen", so Jörg Lithwinschuh-Barthel am Dienstag im Gesundheitsministerium. Er gehört der Expertenkommission an, die Gesundheitsminister Jens Spahn einberufen hat, um zu prüfen, ob man diese Therapien verbieten kann.

Und man kann! So das Ergebnis der Experten, die heute ihre Ergebnisse vorgestellt haben.

Medizinische Gründe für das Verbot:

Die Wissenschaft ist sich einig: Homosexualität ist keine psychische Störung, deswegen muss sie auch nicht therapeutisch behandelt werden. "Aber auf der anderen Seite gibt es deutliche Hinweise darauf, dass es schädliche Wirkungen der Therapien gibt", sagt Sexualforscher Per Briken. Die Therapien lösen bei Betroffenen oft Angst und Depressionen aus. Manchmal kann das zu Selbstmordgedanken und sogar Selbstmordversuchen führen. Außerdem fördere das Angebot von Konversionstherapien die Diskriminierung von Homosexuellen.

Rechtliche Gründe für das Verbot:

Ein Verbot von Konversionstherapien ist verfassungsrechtlich möglich - zu dem Schluss kommt der Rechtsexperte der Kommission, Professor Martin Burgi. Einerseits würde ein Verbot die Betroffenen vor den psychischen und körperlichen Folgen der Therapie schützen und die sexuelle Selbstbestimmung unterstützen.

Dass es so eine Therapie gebe, diskriminiere Schwule und Lesben, denn dadurch bekämen sie vor Augen geführt, sie seien nicht normal. "Der Staat ist legitimiert, ja aufgefordert, dagegen vorzugehen!", so Burgi. Das Verbot würde sich gegen die richten, die Konversionstherapien anbieten, durchführen, vermitteln oder dafür werben.

Wann kommt das Verbot?

11.06.2019, Berlin: Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, spricht bei einer Pressekonferenz zu dem Verbot von Konversionstherapien. Spahn hat in einer Pk über Erkenntnisse aus dem Austausch in einer dazu eingesetzten Fachkommission informiert.
Jens Spahn zum geplanten Verbot von Konversionstherapien
© dpa, Britta Pedersen, ped lop

Noch vor der Sommerpause, also ab Ende Juni, will Gesundheitsministerin Spahn mit der Justizministerin sprechen. Sein Ziel: In diesem Jahr will er einen Gesetzesentwurf vorlegen. "Homosexualität ist keine Krankheit und somit auch nicht behandlungsbedürftig. Was wir erleben mit sogenannten Konversionstherapien ist, dass sie nicht nur nichts nutzen, sondern oft auch schaden", so Spahn.