RTL hat eine Streife begleitet

Kontrolle der Corona-Sperrstunde: Wie überfordert sind die Ordnungsämter?

21. Oktober 2020 - 14:46 Uhr

Um 23 Uhr ist Schluss auf der Straße

Wie geht es weiter im Corona-Herbst? Draußen wird es kälter, die Zahl der Neuinfektionen schnellt in die Höhe, in Berchtesgaden gibt es bereits Ausgangsbeschränkungen wie im Frühjahr. Während Bund und Länder sich um den richtigen Kurs mühen, um die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, droht eine Überlastung von Ordnungs- und Gesundheitsämtern. In Berlin etwa gibt es im Grunde niemanden, der die Sperrstunde zwischen 23 und sechs Uhr kontrollieren kann – das Ordnungsamt hat zu wenige Mitarbeiter. Die Kontrollteams seien am absoluten Limit, klagen die Ordnungsämter bundesweit. Wir haben die Wiesbadener Stadtpolizei bei einer Corona-Streife begleitet – den Einsatz zeigen wir im Video.

Ordnungshüter: "Das ist echt kein Spaß mehr"

"Das ist echt kein Spaß mehr", sagt Robin Herold, der in Wiesbaden ein Restaurant nach dem anderen kontrolliert. Mit einem Zollstock misst er den Abstand zwischen den Tischen, lässt sich zeigen, ob sich niemand mit Namen wie "Benjamin Blümchen" oder "Regina Regenbogen" in die Gästelisten einträgt.

Wie auch andernorts kommt Herold mit der Kontrolle kaum hinterher. "Die Mitarbeiter können natürlich nicht überall sein", sagt ein Sprecher der Stadt Düsseldorf. In München teilt die zuständige Behörde auf RTL-Anfrage mit, es werde "so oft und so lange" kontrolliert, bis alles ruhig sei. Und in Köln kontrolliert das Ordnungsamt werktags zumindest bis 1 Uhr nachts, am Wochenende eigenen Angaben zufolge bis 2 Uhr, unterstützt von der örtlichen Polizei. 

Beleidigt, bepöbelt, angespuckt

"Nach wie vor gibt es immer noch eine hohe Akzeptanz für die Corona-Regeln, aber wir spüren auch, dass die Stimmung beginnt, aggressiver zu werden - zum Beispiel wenn wir als Polizei die Maßnahmen durchsetzen wollen", sagt der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek. "Da kommt es dann zu Widerstand. Das fängt an mit Beleidigungen, dann wird gepöbelt, gespuckt, angehustet."

Nach Angaben von Polizeigewerkschaften eskalieren Auseinandersetzungen über die Einhaltung der Corona-Regeln immer häufiger. In Dortmund fahndet die Polizei derzeit nach drei Männern, die einen Stadtbahn-Security-Mitarbeiter krankenhausreif geschlagen hatten, nachdem er sie aufforderte, ihre Masken aufzusetzen.