Berechnungen der Max-Planck-Gesellschaft

Corona-Simulation: Kommt in zehn Tagen die Wende?

11. April 2020 - 12:03 Uhr

Haben wir die Corona-Wende geschafft?

Forscher der Göttinger Max-Planck Gesellschaft beobachten die Corona-Pandemie genau und errechnen Modelle, um den weiteren Verlauf besser bestimmen zu können. Jetzt sehen sie ermutigende Entwicklungen. Konkret sieht die Modellrechnung vor, dass Lockerungsmaßnahmen schon in zehn Tagen möglich werden würden, wenn sich die Menschen weiterhin an das Kontaktverbot halten. Doch ist das Modell realistisch?

Wie lange wir jetzt noch mindestens durchhalten müssen und warum - das erklärt Dr. Zinn im Video. 

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Kontaktverbot zeigt Wirkung

Die Forscher des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation haben die Entwicklungen der Corona-Pandemie seit dem erlassenen Kontaktverbot vom 22. März genau im Blick. Dazu zählt, dass sich Menschen nur noch mit zwei Metern Abstand und für die nötigsten Besorgungen draußen aufhalten sollen, sowie maximal zu zweit unterwegs zu sein, wenn es sich nicht um Personen aus demselben Haushalt handelt. Andernfalls drohen empfindliche Strafen. 

Ermutigend, aber keine Entwarnung

Die Ergebnisse der Forscher seien ermutigend, stellten aber noch keine Entwarnung dar. "Wir sehen eine klare Wirkung der Kontaktsperre vom 22. März, und natürlich den Beitrag von jeder einzelnen Person", sagt Viola Priesemann, die am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation eine Forschungsgruppe leitet, laut einer Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft. "Unsere Gesellschaft kann wirklich stolz darauf sein, dass sie diese Wende geschafft hat."

Vor allen Dingen das Kontaktverbot sorge dafür, dass die Zahl der Neuinfektionen stetig sinkt. Priesemann macht deutlich, dass die Folgen ohne das strenge Kontaktverbot gravierend hätten sein können. "Wenn jetzt die Beschränkungen aufgehoben werden, sind wir wieder ganz am Anfang", sagt Viola Priesemann. "Wir sehen ganz klar: Die Fallzahlen in zwei Wochen hängen von unserem Verhalten jetzt ab."

Gerade jetzt ist es aber wichtig, weiterhin möglichst viel Zeit zuhause zu verbringen und den direkten Kontakt zu anderen einzuschränken.

Neuansteckungen sind auf lange Sicht wichtig

Laut Medizinjournalist Dr. Christoph Specht ist das Modell der Göttinger Forscher vielversprechend, aber auch mit Unsicherheiten behaftet. "Das Modell, beschreibt das, was man hofft und erwarten kann", so der Präventionsmediziner. "Ob die Lockerungen wirklich schon in zwei Wochen eintreten könnten, kann man jetzt noch nicht sagen."

Wenn wir die Infektionen im Anstieg runterdrücken, dann ist das erstmal gut, denn dann wird auch die Zahl der schwereren Verläufe, derzeit sind es 14 Prozent, verringert. Gar keine Neuinfektionen zu haben, wäre auch nicht wünschenswert. Das klingt im ersten Moment paradox, ist aber auf lange Sicht sehr wichtig.

"Wenn wir gar keine Infektionen mehr hätten, wäre uns auch nicht geholfen. Wir brauchen eine Immunität. Und das Virus, so ansteckend wie es nun mal ist, wird erst kein Problem mehr sein, wenn viele immun sind. Und dafür müssen sich ja viele angesteckt haben", so Dr. Specht. Die Alternative wäre ein Impfstoff, doch der sei erst frühestens in einem Jahr marktreif.

"Und jetzt müssen wir das Kunststück hinkriegen, dass sich immer so viele in der Bevölkerung anstecken, dass der Anteil der krankenhauspflichtigen Patienten nicht die Kapazität des Gesundheitssystem übersteigt", erklärt Dr. Specht.

Lockerungen könnten Ende des Monats realistisch sein, wie diese aussehen müssten, um die Zahl der Neuinfektionen weiterhin kontrollieren zu können, ist aber noch nicht abzusehen.

Videoplaylist: Alles, was Sie über das Coronavirus wissen müssen

NEUE FOLGE: RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus: Wie besiegen wir Corona?"

Im zweiten Teil der RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" stellen wir die Frage: Wie besiegen wir Corona? Dafür gleichen die Autoren die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.