Die wichtigsten Fragen und Antworten

USA vs. Iran: Gibt es jetzt Krieg?

13. Mai 2019 - 14:00 Uhr

USA verlegen Kriegsschiffe und Bomber in Persischen Golf

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran werden immer größer. Der Konflikt geht über den Streit um das Atomabkommen hinaus. Die USA verlegen Kriegsschiffe und Bomber. Die wichtigsten Fragen und Antworten von Philip Scupin aus dem RTL-Hauptstadtstudio.

Wie sehr eskaliert die Lage gerade?

US-Präsident Trump lässt die Muskeln spielen. Er hat den Flugzeugträger "Abraham Lincoln" in die Nähe der iranischen Küste verlegen lassen, zudem das Kriegsschiff "Arlington" und ein Raketenabwehrsystem.

Eine Staffel Langstreckenbomber hat Trump in Katar aufgestellt – nicht weit von Iran entfernt. Der Iran wiederum soll seine Armee in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt haben und droht mit Angriffen auf Ziele der USA in der Region, falls sie losschlagen.

Ziehen die USA und Iran in den Krieg?

Das ist absolut nicht ausgeschlossen. Die iranische Regierung steht wegen der schlechten Wirtschaftslage unter Druck, sie muss Stärke demonstrieren. Auf US-Seite haben derzeit Scharfmacher wie Sicherheits-Berater John Bolton viel Macht. Hier will man mit allen Mitteln verhindern, dass der Iran eine Atombombe baut. Die deutsche Bundesregierung hält die Kriegsgefahr für so groß wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wegen der US-Kriegsschiffe ist zudem eine unbeabsichtigte Eskalation wahrscheinlicher geworden – einfach weil man sich leichter in die Quere kommen kann.

Präsident Trump hatte mal gesagt, die USA sollten sich nicht mehr überall einmischen - nun will er einen Krieg nicht ausschließen: "Ich möchte nicht 'Nein' sagen. Aber hoffentlich wird das nicht geschehen." Gefährlich wird es vor allem dann, wenn der Iran wieder anfängt, Uran für eine mögliche Atombombe anzureichern. Dann wäre ein Angriff durch die USA und/oder Israel wohl kaum mehr zu verhindern. Seit 2015 verpflichtet sich der Iran im Atomabkommen, kein Uran mehr anzureichern.

Warum eskaliert es gerade jetzt?

HANDOUT - 09.05.2019, Ägypten, ---: Dieses von der US Navy zur Verfügung gestelltes Bild zeigt Begleitschiffe des Flugzeugträger USS Abraham Lincoln im Sueskanal vor der Küste von Ägypten. Das Pentagon verlegte den Flugzeugträger «USS Abraham Lincoln
Begleitschiffe des Flugzeugträgers "USS Abraham Lincoln" im Suezkanal
© dpa, Mass Communication Specialist 3r, JG wal nwi

Die US-Regierung sagt: Es gebe Hinweise, dass der Iran Angriffe auf US-Truppen im Nahen Osten führen könnte. Man wolle die eigene Sicherheit erhöhen und abschrecken. Was für Aktionen das sein sollen, sagt die Regierung nicht.

Hintergrund des ganzen Konflikts: Vor einem Jahr war Trump aus dem Atomabkommen ausgestiegen. Es verpflichtet Iran, keine Atomwaffen zu entwickeln, im Gegenzug beenden USA und Europäer die wirtschaftliche Blockade. Iran droht jetzt selbst damit, den Vertrag zu kündigen – denn das Land leidet unter harten US-Sanktionen.

Würde sich ein Krieg noch ausweiten?

Falls die USA und Iran direkt aneinandergeraten, dürfte der Krieg auch auf Israel übergreifen. Dort ist die Sorge vor einem Angriff groß. Iran hat oft genug die Auslöschung des jüdischen Staates gefordert. Auch der US-Verbündete Saudi-Arabien würde kaum neutral bleiben.

Schon jetzt führen die Saudis mit ihrem Erzfeind Iran Stellvertreterkonflikte unter anderem im Jemen, in Syrien und im Libanon. Ein Krieg könnte auch auf Irans Nachbarland Irak überschwappen – hier sind viele US-Soldaten stationiert.

Wie könnte der Konflikt gelöst werden?

ARCHIV - 07.10.2017, Iran, Tehran: KOMBO - Die Kombo zeigt Donald Trump, Präsident der USA (l, 12.07.2018, Brüssel) und Hassan Ruhani, Präsident des Iran (07.10.2017, Teheran). (zu dpa "Irans Präsident schlägt Trumps Gesprächsangebot aus" am 12.05.20
Donald Trump und Hassan Ruhani
© dpa, -, VS lis kno jai pil

Praktisch nur durch Verhandlungen. Doch ob es dazu kommen wird? US-Präsident Trump fordert vom Iran: Anrufen! "Wir können einen Deal machen. Wir wollen nur nicht, dass sie Atomwaffen haben", so Trump.

Irans Präsident Ruhani will aber nicht Trumps Nummer wählen: "Kapitulation ist mit unserer Mentalität und Religion nicht vereinbar." Verhandlungen seien nur dann drin, wenn Trump wieder ins Atomabkommen zurückkehre und die Sanktionen aufhebe. Das aber kann man wohl ausschließen.