Corona verändert Blick in den Himmel

Kondensstreifen oder Chemtrails: Ohne Flugzeuge ist der Himmel einfach nur blau

Kondensstreifen geben Anlass zu Verschwörungstheorien. Wie aber entstehen die "Chemtrails" wirklich?
© dpa, Federico Gambarini, fg tba wst

06. April 2020 - 14:00 Uhr

Beendet Corona die Chemtrail-Verschwörung?

Um die Kondensstreifen von Flugzeugen ranken sich viele Theorien. Von  Verschwörungstheoretikern werden sie auch Chemtrails genannt. Das Wort setzt sich zusammen aus dem ersten Teil von Chemikalien und dem zweiten Teil von "Condensation trails", dem englischen Wort für Kondensstreifen. Was aber ist dran an den Erzählungen? Wird die Verschwörung jetzt entlarvt, weil derzeit kaum Flugbewegungen am Himmel auszumachen sind und daher kaum Kondensstreifen? Wie entstehen sie wirklich und welchen Einfluss haben Kondensstreifen auf unser Wetter und den Klimawandel?

Wie entstehen Kondensstreifen?

Kondensstreifen sind Eiskristalle, die normalerweise in der Troposphäre entstehen, wenn die Abgase der Flugzeuge auf die eiskalte Luft in etwa 10.000 Meter Höhe treffen. Die Abgase enthalten Wasserdampf, der zu kleinen Eiskristallen wird.

Die Streifen bilden sich aber nicht bei jedem Wetter, sondern nur dann, wenn die Luft gut gesättigt ist. Dann kondensiert der in der Luft reichlich enthaltene Wasserdampf an den Abgasteilchen - wir sehen einen Streifen hinter dem Flugzeug.

Moderne Flieger erzeugen eher Kondensstreifen als ältere

FOTOMONTAGE, Flugzeuge mit Kondensstreifen am Himmel *** PHOTOMONTAGE, airplanes with condensation trails in the sky
Verschwörungtheoretiker glauben, wir würden von den Flugzeugen besprüht, um uns gefügig zu machen.
© imago images/Christian Ohde, Christian Ohde via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Für Kondensstreifen muss die Luft deutlich weniger gesättigt sein als für das Auftreten von Wolken. Das erklärt, warum sich auch an wolkenlosem Himmel Kondensstreifen hinter Flugzeugen bilden. Außerdem stoßen moderne Flugzeuge kühlere Abgase ab als alte Maschinen. Der Wassergehalt der Abgase ist dann höher und es bilden sich eher Kondensstreifen.

Das erklärt, warum es früher nicht so viele Kondensstreifen am Himmel gab. Zum einen gab es schlichtweg wesentlich weniger Flugzeuge am Himmel, zum anderen neigen moderne Flugzeuge eher zur Bildung der Streifen als alte. Und: Durch die Vielzahl an Fliegern am Himmel sind diese gezwungen, in immer höhere Sphären auszuweichen. Und je höher ein Flugzeug fliegt, umso länger sind die "Chemtrails" sichtbar.

Und was machen die Kondensstreifen mit dem Wetter und dem Kima?

Nun aber zu einem anderen Thema: Denn die Kondensstreifen haben tatsächlich Auswirkung auf unser Wetter und auch auf das Klima. Denn sie sind nichts anderes als vom Menschen gemachte Wolken. Die Kondensstreifen befeuern den Treibhauseffekt, einfach weil Wolken die Wärme am Austritt ins Weltall behindern. Ein Beleg also für den anthropogenen, den menschengemachten Klimawandel.

Eine gegenläufige Theorie besagt, dass die Wolken aber auch die Sonnenstrahlen daran hindern,  auf die Erde zu treffen. Dann würde es kühler werden. Es heißt, in den Tagen nach dem 11. September 2001, also dem Terrorangriff auf New York, als der Flugverkehr auch tagelang ruhte, seien die Nächte kälter und die Tage wärmer gewesen als sonst. Aber die Mehrheit der Wissenschaftler glaubt, dass die Wolken zum Treibhauseffekt beitragen.

Durch die Coronakrise und dem damit verbundenen Ausfall von Tausenden Flugverbindungen gibt es nun kaum Kondensstreifen am Himmel. Die Basis für eine Verschwörungstheorie gerät also ins Wanken, aber Corona hat das Potenzial für ganz neue Verschwörungen....