Kommunalwahl in der Türkei: Erdogans Machtkampf um Wählerstimmen

31. März 2014 - 14:56 Uhr

Tote bei Auseinandersetzungen

Blutiger Wahlauftakt in der Türkei: Bei Auseinandersetzungen während der Kommunalwahlen sind mindestens acht Menschen getötet worden. In zwei Ortschaften der südlichen Provinzen Hatay und Sanliurfa habe es Schießereien zwischen Angehörigen einzelner Kandidaten gegeben, berichteten türkische Fernsehsender. Die Polizei verstärkte ihre Sicherheitsmaßnahmen.

Türkei Kommunalwahl Erdogan
In der Türkei entscheidet die Kommunalwahl über den künftigen Kurs im Land.
© REUTERS, MURAD SEZER

Nach einem monatelangen heftigen Machtkampf zwischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und seinen Gegnern entscheiden in der Türkei erstmals seit fast drei Jahren wieder die Wähler. Seit dem Morgen sind mehr als 52 Millionen Stimmberechtigte aufgerufen, ihre Kommunalvertreter in den 81 Provinzen des Landes zu wählen. Erdogan hat die Stimmabgabe zur Richtungswahl erklärt.

Mit drastischen Maßnahmen gegen echte oder vermeintliche Gegner aus dem eigenen religiös-konservativen Lager war der Ministerpräsident zuletzt auch international in die Kritik geraten. Er hatte den Zugang zum Kurznachrichtendienst Twitter und zur Videoplattform YouTube sperren lassen, um unliebsame Veröffentlichungen zu unterdrücken.

Femen-Protest in Wahllokal

Um 17.00 Uhr schlossen die Wahllokale. Erste Ergebnisse soll es am Abend geben. Ein Gesamtbild der politischen Stimmung im Land wird für Montag erwartet.

Die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) versucht, Erdogans Regierungspartei AKP die Bürgermeisterämter in Istanbul und Ankara, den größten Städten der Türkei, abzunehmen. Bei der Parlamentswahl im Juni 2011 hatte die AKP fast 50 Prozent der Stimmen erhalten. Bei den Kommunalwahlen 2009 waren es knapp 39 Prozent.

Zwei Aktivistinnen der Gruppe Femen protestierten indes in einem Wahllokal in Erdogans Heimatstadt Istanbul gegen den Regierungschef. Die beiden jungen Frauen sprangen auf einen Tisch und zeigten ihre nackten Oberkörper, auf denen "Verbietet Erdogan" zu lesen war, wie Bilder zeigten. Beide wurden festgenommen.