Murmeltiere jagen und essen verboten

Chinesische Behörden warnen vor Beulenpest - zwei mögliche Fälle

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08. Juli 2020 - 9:53 Uhr

Beulenpest kostete im Mittelalter Millionen Menschen das Leben

Corona-Pandemie, Angst vor der Schweinegrippe – und jetzt auch noch die Pest? Behörden in der Inneren Mongolei, einer autonomen Region, die zu China gehört, warnen dort vor einer möglichen Ansteckungsgefahr mit der Beulenpest. Laut der staatlichen Nachrichtenseite "China Daily" gibt es in der Stadt Bayannur einen bestätigten Fall und einen Verdachtsfall der Krankheit, die im Mittelalter Millionen Menschen das Leben kostete.

Womöglich zwei Beulenpest-Fälle in der Region

Der infizierte Mann habe sich laut der Nachrichtenseite in Regionen aufgehalten, in denen schon früher Fälle der Beulenpest gemeldet wurden. Bei dem anderen Fall handelt es sich laut der chinesischen "Global Times" um ein 15-jähriges Mädchen, das in Kontakt mit einem von einem Hund getöteten Murmeltier gekommen sein soll.

Behörden geben Warnung an die Bevölkerung heraus

Die Behörden haben eine Warnung der Stufe drei herausgegeben – die zweitniedrigste Warnstufe auf einer Skala von 1 bis 4. Die Warnung soll bis Ende des Jahres bestehen bleiben. Der Bevölkerung in der Region ist es nun verboten, Tiere, die die Krankheit übertragen können, zu jagen oder zu essen. Die Menschen sind außerdem angehalten, sich auf Vorsichtsmaßnahmen einzustellen und sich selbst zu schützen. Verdachtsfälle sollen grundsätzlich gemeldet werden.

2019 starb ein Ehepaar an der Beulenpest - sie hatten ein Murmeltier gegessen

Bereits 2019 waren zwei Todesfälle nach einer Beulenpest-Infektion in der Mongolei bekanntgeworden – ein russisches Ehepaar hatte im Urlaub ein rohes Murmeltier gegessen und sich mit der Krankheit infiziert. Infektionen mit der Pest kommen in China immer wieder vor – jedoch sehr selten. Von 2009 bis 2018 meldeten die Behörden insgesamt 26 Fälle, davon 11 mit Todesfolge.

Gefahr einer großflächigen Ausbreitung sehr gering

Eine großflächige Epidemie sei aber sehr unwahrscheinlich, sagte Dr. Shanti Kappagoda, Experte für Infektionskrankheiten an der Stanford University, der BBC. "Wir wissen, wie sich diese Krankheit überträgt – außerdem können wir sie effektiv mit Antibiotika bekämpfen."

Beulenpest ist gut behandelbar

Die Beulenpest ist eine Form der Pest, die als "Schwarzer Tod" bekannt wurde und im Mittelalter schätzungsweise 20 bis 50 Millionen Menschen vor allem in Europa tötete. Verursacher der Pest ist das Bakterium Yersinia pestis. Der Erreger wird meist durch infizierte Flöhe von Ratten übertragen.

Eine Infektion führt zunächst zu Symptomen wie bei einer schweren Grippe, dann schwellen Lymphknoten zu dicken Beulen an. Bei früher Diagnose sind die Heilungschancen durch Antibiotika sehr hoch. Als noch gefährlichere Form gilt allerdings die Lungenpest – sie kann unbehandelt sehr schnell zum Tod führen.