Kommt der Gladbecker Geiselnehmer Degowski frei?

14. August 2013 - 19:37 Uhr

Mindesthaftzeit von 24 Jahren verbüßt

Freitag vor 25 Jahren begann eine Geiselnahme, die die ganze Bundesrepublik in Atem hielt. Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski überfielen eine Bank in Gladbeck, nahmen dann Geiseln und flohen mit ihnen drei Tage durch Deutschland und Holland. Auf ihrer Flucht erschossen sie zwei Geiseln, außerdem kam ein Polizist ums Leben. Nun hat Degowski einen Antrag auf Freilassung gestellt, welcher heute verhandelt wird.

Dieter Degowski, Geiselnehmer, bald frei?
Kommt Dieter Degowski, einer der Geiselnehmer von Gladbeck, nach 24 Jahren Haft frei?

Seine Mindesthaftzeit von 24 Jahren hat der Mörder und Geiselnehmer Dieter Degowski abgesessen, deshalb befasst sich das Landgericht Arnsberg heute mit dem Antrag auf Freilassung zur Bewährung. Bei der Anhörung wird neben dem 57-Jährigen auch der Psychiater Norbert Leygraf, der als Gutachter beauftragt wurde, zu Wort kommen.

Laut verschiedenen Medienberichten wird Leygraf derzeit von einer Freilassung abraten und stattdessen vorschlagen einen mehrjährigen Entlassungsprozess einzuleiten. Er hält Degowski aktuell wohl nicht für gefährlich, aber für lebensuntüchtig. Da er leicht beeinflussbar sei, gehe von dem 57-Jährigen aber weiterhin Gefahr aus. Als Gefangener soll er eher unauffällig sein.

Ob die drei Richterinnen noch heute einen Beschluss fassen, ist unklar. Üblicherweise dauere es einige Tage, bis nach Anhörungsterminen Entscheidungen bekanntgegeben werden, sagte eine Gerichtssprecherin. Allerdings könne sich die Kammer auch anders verhalten.

Empörung bei Angehörigen der Opfer

Die Italienerin Tatiana de Giorgi, deren 15-jähriger Bruder Emanuele 1988 von Degowski erschossen wurde, kritisiert eine mögliche Freilassung und sagt dem 'Spiegel': "Ich bin mit einer Entlassung von Degowski auf keinen Fall einverstanden. Er hat meinen Bruder vor meinen Augen umgebracht, das ist doch wohl keine Kleinigkeit." Auch die 43-jährige Ines Falk, deren Freundin Silke Bischoff beim Zugriff der Polizei laut dem Untersuchungsbericht von Hans-Jürgen Rösner getötet wurde, sagt, sie habe immer noch Angst, "dass eines Tages einer der Gangster vor meiner Tür steht".

Während Rösner als Kopf des Verbrechens gilt, wird Degowski als Mitläufer bezeichnet. Sie waren nach tagelanger Verfolgungsjagd am 18. August 1988 in einem heftigen Schusswechsel, die Polizei gab 62 Schüsse ab, festgenommen worden. Um die Geiselnehmer entstand ein großer Medienrummel, da sie Journalisten Interviews gaben, während sie den Geiseln die Waffe an den Kopf hielten. Der damalige Fraktionsvorsitzende der SPD im Düsseldorfer Landtag, Friedhelm Farthmann, sieht den damaligen Polizeieinsatz kritisch. Es handle sich um "ein ganz schlimmes Staatsversagen von A bis Z", sagte Farthmann der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung'. "Wir sind mit der liberalen Innenpolitik im Fall Gladbeck voll vor die Wand gefahren."