Prag schafft Silvesterfeuerwerk ab

Kommt auch in Deutschland bald ein Böllerverbot?

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9. August 2019 - 17:05 Uhr

In Prag fliegt keine Rakete mehr

Privates Böllern war in der tschechischen Hauptstadt eh schon verboten, jetzt wird auch noch das traditionelle öffentliche Feuerwerk gestrichen - so hat es der Stadtrat an diesem Mittwoch beschlossen. Der Grund: Es sei zu laut für Mensch und Tier und außerdem zu teuer. Auch in Deutschland sind immer mehr Menschen dafür, Raketen und Böller zumindest in den Innenstädten zu verbieten. Die Deutsche Umwelthilfe hat jetzt sogar einen offiziellen Antrag gestellt. Bleibt es in diesem Jahr bei uns also still und dunkel an Silvester?

Schon jetzt haben viele Städte Verbotszonen

In München darf zwischen Marienplatz und Stachus nicht geböllert werden, in der Düsseldorfer Altstadt ist sogar das Mitführen von Böllern und Raketen tabu. Bereits jetzt haben viele deutsche Städte Zonen, in denen Feuerwerk verboten ist. Anders als in Prag wird allerdings weniger der Lärm als Grund angegeben, sondern die Sicherheitsbedenken. Zu oft haben Raketen in den vergangenen Jahren Brände verursacht oder Böller Menschen verletzt.

In der unmittelbaren Nähe von bestimmten Gebäuden darf laut Bundessprengstoffgesetz ohnehin nicht geböllert werden: Das betrifft Kirchen, Krankenhäuser, Kinder- und Altersheime sowie besonders brandempfindliche Gebäude.

In diesen Innenstädten soll bald ganz Schluss sein

Böllerverbot in 31 deutschen Innenstädten gefordert
Folgende Innenstädte sollen böllerfrei werden (höchste Feinstaubbelastung zuerst genannt): Stuttgart, Berlin, Gelsenkirchen, Hagen, Köln, Halle, Nürnberg, Essen, Esslingen, Heilbronn, Ludwigsburg, München, Frankfurt (Main), Dortmund, Düsseldorf, Oberhausen, Hamburg, Limburg, Bielefeld, Mainz, Reutlingen, Offenbach, Kiel, Würzburg, Hannover, Oldenburg, Wuppertal, Aachen, Darmstadt, Regensburg und Passau
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Der Deutschen Umwelthilfe gehen die jetzigen Verbotszonen noch nicht weit genug: Sie hat Ende Juli bei 31 Städten einen formellen Antrag gestellt, die private Böllerei in der Innenstadt zu beschränken oder sogar ganz zu verbieten (siehe Karte). Der Organisation geht es dabei um die riesigen Mengen an Feinstaub, die an Silvester in die Luft gelangen. Die 31 Städte wurden ausgewählt, weil die Feinstaubbelastung hier ohnehin schon sehr hoch ist. Allerdings plant die Umwelthilfe, noch viel mehr Innenstädte von Silvesterraketen und Böllern zu befreien. So soll beim Deutschen Städtetag am 21. August weitere Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Gänzlich verbieten will die Verbraucherschutzorganisation Feuerwerk übrigens nicht - ihr Vorschlag: Statt der privaten Knallerei ein öffentliches Feuerwerk veranstalten, dann aber außerhalb der belasteten Innenstädte.

Und so viel Feinstaub produzieren Böller

Feinstaubbelastung Silvester
So viel Feinstaub ging an Silvester 2012/2013 in die Luft (Konzentrationsverläufe an deutschlandweiten Messstationen) Quelle: Umweltbundesamt
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Als Feinstaub werden winzigste Staubpartikel bezeichnet. Feinstaub kann einen natürlichen Ursprung haben, zum Beispiel Waldbrände oder Bodenerosion. In Deutschland wird der Großteil des Feinstaubs in der Luft aber von Menschen erzeugt. Er entsteht im Straßenverkehr, durch Kraftwerke, aber auch durch Tierhaltung. Und eben durch Böller und Raketen.

Die Abbildung oben zeigt, wie viel Feinstaub jedes Jahr an Silvester in die Luft gelangt. Laut Bundesumweltamt sind es bundesweit etwa 4.500 Tonnen - das entspricht knapp 16 Prozent der Menge, die durch den Straßenverkehr eines ganzen Jahres entsteht.

Darum ist Feinstaub gesundheitsschädlich

Gesundheitsgefahr Böller
Böller sind nicht nur wegen des produzierten Feinstaubs gesundheitsschädlich. Steht man zu dicht dran, kann der Knall der Explosion zu Hörschäden führen
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Feinstaubpartikel sind so winzig klein, dass sie problemlos über die Atemluft in unsere Lunge gelangen. Die allerkleinsten schaffen es von dort sogar in die Blutbahn und verteilen sich im ganzen Körper.

Einige der möglichen Folgen:

  • Schleimhautreizungen
  • Entzündungen in den Bronchien
  • erhöhte Neigung zu Thrombose, also gefährlichen Blutgerinnseln

Für Menschen, die ohnehin schon unter Atemwegserkrankungen wie Asthma leiden, ist Feinstaub noch schädlicher.

Ab welcher Feinstaubkonzentration diese Gesundheitsschäden auftreten, ist unter Experten umstritten. Laut Umweltbundesamt scheint es aber keine Menge zu geben, die überhaupt nicht schädlich ist.

Was heißt das jetzt also?

Ein generelles Aus für Feuerwerke, wie Prag es jetzt beschlossen hat, wird es in Deutschland in absehbarer Zeit wohl nicht geben. Schon allein, weil dafür erst das Bundessprengstoffgesetz geändert werden müsste.

Dass die Reduzierung von Feinstaub in der Luft wichtig ist, ist aber auch den deutschen Städten und Kommunen klar. Hinzu kommt der Ärger über die Unmengen Müll, die von der jährlichen Silvesterböllerei auf den Straßen zurückbleiben.

Die Initiative der Deutschen Umwelthilfe hat die Diskussion auf jeden Fall wieder angestoßen - eine Verbot von privaten Feuerwerken in zumindest einigen Innenstädten wäre also durchaus möglich.

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