Pro-Contra-Kommentar zum Union-Machtkampf

Unions-Seifenoper: Gut für die Demokratie oder ein Push für die Politikverdrossenheit?

Armin Laschet und Markus Söder
Armin Laschet und Markus Söder
© dpa, Michael Kappeler, mkx alf pil

19. April 2021 - 14:46 Uhr

Kanzlerkandidatur: Die Union im Showdown

Nadine to Roxel und Christian Berger schauen mit Spannung auf die Union und kommen zu unterschiedlichen Schlüssen, was das Kanzlerkandidaten-Hick-Hack mit der Union macht. Die eine sagt: Ein weiterer Sargnagel in die Politik-Verdrossenheit – der andere findet: Leute, das ist Demokratie.

+++ Alles zur Unions-K-Frage hier im Liveticker +++

CDU/CSU: Das Chaos in der Union fördert Politik-Verdrossenheit

von Nadine to Roxel

Der Machtkampf zwischen Armin Laschet und Markus Söder geht in Woche 2 und Runde X. Ergebnis offen, zurückziehen will bisher keiner. Laschet gegen Söder, CSU gegen CDU, auch innerhalb der CDU keine Einigkeit. Das Problem ist nicht das Kräftemessen an sich, es ist die Dauer dieses Konflikts. Den hätte man vergangene Woche lösen müssen. Stattdessen offenbart sich, dass es in der Union überhaupt keinen Plan gibt für den Fall, dass es zwei Bewerber um die Kanzlerkandidatur gibt. Die CDU hat sich auf Altbewährtes verlassen. Sie hat sich im Vorstand und Präsidium hinter ihren Parteichef gestellt und ist davon ausgegangen, dass die kleine Schwester CSU das so akzeptieren würde.

Da hat die CDU schlicht den Machthunger des Markus Söder unterschätzt. Und seine Skrupellosigkeit.

Der Bürger darf mit einer gewissen Fassungslosigkeit zugucken, wie sich die Union in diesem Streit selbst zerlegt.

Und das in Zeiten, in denen die allermeisten Menschen wirklich andere Sorgen haben. Wir leben mitten in einer Pandemie. Die Menschen kämpfen mit Existenzängsten, sie sorgen sich tagtäglich um ihre Gesundheit und die ihrer Liebsten. Sie warten darauf, dass es endlich mit dem Impfen vorangeht, und versuchen, Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut zu bekommen. Die Bürger erwarten Lösungen für diese Herausforderungen und keine Ego-Polit-Show. Und genau deshalb fördert das K-Chaos in der Union die Politik-Verdrossenheit. Das Bild vom egomanischen Politiker, der sich mehr um den eigenen Machterhalt sorgt, als um reelle Probleme.

Das könnte CDU und CSU noch böse auf die Füße fallen.

Derart wichtige Fragen wie eine Kanzlerkandidatur müssen nicht mit der Geräuschlosigkeit stattfinden wie jetzt plötzlich bei den Grünen. Aber bitte auch nicht mit einem solchen Getöse und einem solchen Chaos wie bei der Union. Erst recht nicht, mitten in einer Pandemie.

Diese politische Seifenoper der Union ist gut für die Demokratie

von Christian Berger

Ultimaten werden gestellt – und verstreichen. Wie bei einer Schnitzeljagd spüren Journalisten in tiefster Nacht den Kandidaten nach. Zieht Laschet zurück? Oder Söder? Die Deutschen werden in diesen Tagen Zeugen einer politischen Seifenoper um die Kanzlerkandidatenfrage der Union, die (fast) beispiellos in der Geschichte des Landes ist.

Trotz Pandemie beschäftigen sich CDU und CSU sehr viel mit sich selbst. Doch das ist gut so! Denn der Streit wird um DIE Person geführt, die (wahrscheinlich) nach 16 Jahren Angela Merkel Deutschland als Kanzler in die Zukunft führen muss. Wir lernen dabei viel über die Kandidaten Laschet und Söder.

  • Dass sie Machtpolitiker sind, die keinen Konflikt scheuen und sich auch durch Umfragen nicht einschüchtern lassen.
  • Dass sie hartnäckig sind, dass sie taktieren und Bündnisse schnüren können. Alles dringend notwendige Eigenschaften für einen Kanzler.

Wir lernen zudem auch viel über den Charakter der Kontrahenten. Die Kandidaten werden nicht nur von der Presse durchleuchtet. Auch Parteifreunde streuen Interna, die ansonsten nicht die Öffentlichkeit erreicht hätten. Das ist gut für den Meinungsbildungsprozess der Wahlberechtigten. Wenn im September gewählt wird, kann keiner sagen, er habe nicht gewusst, wen er im Kanzleramt sehen will. Die Art und Weise, wie die Union ihren Kanzlerkandidaten sucht, ist brutal. Sie zeigt die ganze Härte des politischen Geschäfts. Ohne Maske! Aber damit auch eine Realität in der politischen Auseinandersetzung, die dem Volk durch Hinterzimmer-Politik und Sonntagsreden vorenthalten wird

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