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Kommentar zu Lockdown-Verlängerung - Nikolaus Blome: "Der einzige Hammer, den Merkel hat"

Ein Kommentar

Lockdown für immer? Das unterspült das Vertrauen in den Staat

von Nikolaus Blome

Der immer längere Lockdown unterspült das Vertrauen in einen Staat, der sich nicht anders zu helfen weiß.

Klarer Fall: In Sachen Pandemie-Bekämpfung ist der Lockdown umso besser je länger er gilt. Er ist die Nummer Sicher, das schwere Kaliber, das benutzt, wer glaubt, alles steht auf dem Spiel. Und dass es auf die Schnelle keine andere Rettung gibt.

Auf die Schnelle? So war das im Frühjahr 2020 und es war richtig so. Und weil (fast) alle selbst erkannten, dass es richtig war, hat es funktioniert und allen einen ziemlich normalen Sommer beschert. Bundesregierung, Bundesländer und die EU haben Deutschland gut durch die erste Corona-Welle gebracht.

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Vorsorge für die zweite Welle? Versäumt!

Nikolaus Blome
RTL-Politik-Chef Nikolaus Blome
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Aber sie haben es versäumt, für eine zweite Welle Vorsorge zu treffen. Spätestens nach dieser Runde der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten kann man das in erschütternder Klarheit sehen. Wäre es im Sommer besser beim Wappnen der Altenheime oder Schulen gelaufen, hätte man vermutlich trotzdem nicht auf einen zweiten Lockdown im Spätherbst verzichten können. Aber man hätte jetzt, bei sinkenden Fallzahlen, deutlich mehr Optionen. Und deutlich weniger Kosten. So was kommt von so was.

Der neuerlich längere Lockdown, der sich noch dazu an einem zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenen Ziel von 35 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern orientiert, ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft gefährlicher denn je. Der Lockdown legt erbarmungslos offen, was in diesem Land nicht läuft, wie es laufen müsste. Das unterspült das Vertrauen in den Staat, ganz gleich, wer ihn gerade regiert in Bund oder Land.

Das fängt mit dem Impfen an. Wären die über 80Jährigen in Deutschland schon alle geimpft – was durchaus möglich wäre – dann hätte die Pandemie zum größeren Teil wenigstens ihren tödlichen Schrecken verloren. In dieser Altersgruppe sind die mit Abstand meisten Todesfälle zu verzeichnen. Gerade um sie zu schützen, bleibt das Land im Lockdown – weil die Impfungen zu ihrem Schutz zu spät und zu langsam kommen. Noch einmal: So was kommt von so was.

Lockdown müsste Schüler nicht schädigen - wäre digital vorgesorgt

Der Lockdown könnte aber auch anders gehandhabt werden, wenn die Gesundheitsämter endlich besser ausgerüstet und vernetzt wären, um Infektionsketten nachzuvollziehen und zu unterbrechen.

Der Lockdown müsste auch nicht alle Schüler auf ihrem Bildungsweg schädigen, wenn die Schulen im Land auch nur halbwegs digital so erschlossen wären, wie es sich für die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt gehören würde. Er müsste auch nicht so viele Integrationsgeschichten um Meilen zurückwerfen, weil die Kinder der Flüchtlinge oder die Kinder aus nicht-deutsch sprechenden Haushalten gerade ihre frisch erlernte deutsche Sprache verlieren.

Kann sein, dass der lange Lockdown genau jener grobe Keil ist, der auf einen groben Klotz namens Corona gehört. Wahrscheinlicher ist indes: Er ist nach wie vor der einzige Hammer, den Angela Merkel hat. Und darum sehen für sie alle Probleme im Land aus wie immergleiche Nägel.