Kurioser PR-Stunt mit ernstem Hintergrund

"Der König des Nordens": Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un posiert als Schimmelreiter für die Kameras

04. Dezember 2019 - 19:19 Uhr

PR-Stunt mit Symbolkraft: Kim Jong-un samt Frau auf einem goldbehangenen Ross

Ein stoischer Held, der auf einem goldbehangenen Schimmel entschlossen durch eine klirrend kalte Winterlandschaft reitet, neben ihm seine holde Maid – nein, das ist keine Szene aus dem Fantasy-Epos "Game of Thrones", sondern ein ausgeklügelter politischer PR-Stunt. Nordkoreas Diktator Kim Jong-un hat sich nämlich vor einem wichtigen Parteitreffen mal so richtig in Schale geworfen – und sich gemeinsam mit seiner Partnerin Ri Sol-ju hoch zu Ross auf einem heiligen Berg ablichten lassen. Mit jeder Menge Pomp und Symbolkraft. Die kuriosen Bilder sehen Sie im Video.

"König des Nordens": Propaganda-Fotoshooting am Rande einer Eröffnungsfeier

HANDOUT - 04.12.2019, Nordkorea, Samjiyon: Das von der nordkoreanischen Regierung herausgegebe Foto zeigt Menschen, die die Fertigstellung der Stadt Samjiyon feiern, im Hintergrund ein Feuerwerk. Unabhängigen Journalisten wurde kein Zugang gewährt, u
Mit einem großen Feuerwerk ist Nordkoreas neue Prestige-Stadt Samjiyon eingeweiht worden.
© dpa, Uncredited, pil

Hintergrund der Aktion: In der Nähe des Paektusan, des höchsten Bergs des Landes, ist vor Kurzem die Plan-Stadt Samjiyon fertig gebaut worden – laut Staatsmedien das "beste Menschenparadies der Welt" und der "Inbegriff der modernen Zivilisation". Errichtet angeblich durch Kinder- und Zwangsarbeit. Zur Eröffnung des Prestige-Projekts schaute Machthaber Kim persönlich vorbei.

Und der nutzte den Aufenthalt direkt auch für ein Fotoshooting auf den schneebedeckten Berghängen. Klar, dass die Staatsmedien den Ausflug als Riesen-Event feiern: Zusammen mit kommandierenden Offizieren sei Kim "auf einem edlen Ross über das weite Gebiet des Paektu-Bergzugs geritten", wo er sich "revolutionäre Schlachtfelder" angesehen habe.

Der Berg Paektusan gilt in Nordkorea als Symbol der Herrscherfamilie: Hier soll einst Staatsgründer Kim Il-Sung die Revolution gegen die japanische Kolonialmacht gestartet haben – zumindest laut Parteipropaganda. Auch Kims Vater Kim Jong-il, der 2011 gestorben war, soll hier angeblich geboren worden sein.

Reise zum heiligen Berg Paektusan: Politische Kurswende in Nordkorea geplant?

Ja, die Bilder mögen unfreiwillig komisch wirken, aber sie haben einen ernsten Hintergrund. Es ist jetzt schon das zweite Mal innerhalb von zwei Monaten, dass Kim hoch zu Ross auf den heiligen Berg an der Grenze zu China reitet – und den Trip als Medienereignis inszeniert. Das ist kein Zufall. Experten beobachten daher die Lage in dem abgeschotteten Land genau.

Denn Kim reist oft vor wichtigen Grundsatz-Entscheidungen zum Paektusan, um sich als starker Führer zu inszenieren. Solche Reitausflüge deuten meist auf eine politische Kurswende hin. Und tatsächlich: Am Mittwoch erst hat Kim Jong-un für Ende Dezember eine Sitzung des Zentralkomitees seiner Kommunistischen Partei angekündigt. Thema soll die "veränderte Situation im In- und Ausland" sein.

Ungewöhnlich: Normalerweise finden solche Tagungen nur einmal jährlich statt. Es ist jetzt die zweite Sitzung des Zentralkomitees in diesem Jahr. Es wird daher spekuliert, dass Nordkorea einen Kurswechsel in seiner Atompolitik planen könnte. Seit Monaten stocken die Verhandlungen mit den USA über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm.

Lage zwischen Pjöngjang und Washington spitzt sich zu: Nordkorea droht mit "Weihnachtsgeschenk"

dpatopbilder - HANDOUT - 04.12.2019, Nordkorea, Paektusan: Dieses undatierte von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA am 04.12.2019 zur Verfügung gestellte Foto zeigt Kim Jong Un (M), Machthaber von Nordkorea, und seine Frau Ri So
"König des Nordens": Kim Jong-un mit seiner Frau Ri Sol-ju auf dem heiligen Berg Paektusan.
© dpa, -, pat

Nordkorea hat die US-Regierung mehrfach aufgefordert, vor Jahresende neue Vorschläge zu machen, wie es weitergehen könne – getan hat sich bislang wenig. Die Lage zwischen Nordkorea und den USA spitzt sich zu. Am Dienstag drohte Pjöngjang sogar unverhohlen: Das Außenministerium erklärte, es sei Amerika überlassen, "zu wählen, welches Weihnachtsgeschenk sie erhalten".

Natürlich ist auch an Kim nicht vorbeigegangen, dass US-Präsident Donald Trump angesichts des drohenden Amtsenthebungs-Verfahrens dringend wieder einen Erfolg braucht. Dreieinhalb Wochen noch – dann, an Silvester, läuft das nordkoreanische Ultimatum aus. Es ist allerdings gut möglich, dass ein neues amerikanisches Zugeständnis dann längst zu spät kommt.