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Kölner Stadtarchiv-Einsturz: Drei von vier Angeklagten freigesprochen

Kölner Stadtarchiv eingestürzt
Im Prozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist das Urteil gefallen. © dpa, Oliver Berg, obe_htf_tm mg gfh

Fehler beim U-Bahnbau in Köln

Wer war schuld am Einsturz des Kölner Stadtarchivs? Genau diese Frage musste heute vor Gericht entschieden werden - über neun Jahre nach dem Unglück. Die Staatsanwaltschaft ist der Überzeugung, dass Fehler beim Bau einer U-Bahnstrecke zum Kollaps des Gebäudes geführt haben. Die Richter sahen das auch so und verurteilten einen der vier Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung. Die anderen drei wurden freigesprochen. 

Acht Monate auf Bewährung

Das Gericht verurteilte einen Bauüberwacher der Kölner Verkehrs-Betriebe zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung. An 47 Hauptverhandlungstagen wurde der komplizierte Fall des Stadtarchiv-Einsturzes vor dem Landgericht Köln aufgerollt. Das Unglück ereignete sich im März 2009, der Prozess begann aber erst im Januar 2018. 

Das Gericht entschied über vier Mitarbeiter von Baufirmen und den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB), die wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung angeklagt waren. Ein fünfter Angeklagter ist in der Zwischenzeit so schwer erkrankt, dass er nicht mehr verhandlungsfähig ist.

Der vom Gericht beauftragte Hauptgutachter Prof. Hans-Georg Kempfert geht davon aus, dass durch ein Loch in einer unterirdischen Betonwand schlagartig große Mengen eines Wasser-Sand-Gemisches in die Baugrube eindrang, so dass dem Archiv buchstäblich der Boden entzogen wurde. Dieses Loch sei durch Schlamperei und Baufehler entstanden. 

Zwei Tote bei Einsturz des Kölner Stadtarchivs

Die Baufirmen bestreiten, einen Fehler beim U-Bahnbau begangen zu haben. Die Verteidigung plädierte deshalb dafür, die Angeklagten freizusprechen. Die Staatsanwaltschaft dagegen forderte Bewährungsstrafen wegen fahrlässiger Tötung für drei der vier Angeklagten. Für eine Bauüberwacherin der KVB forderte sie ebenfalls einen Freispruch.

Beim Einsturz des Stadtarchivs kamen zwei Anwohner ums Leben. Die Mitarbeiter konnten sich gerade noch rechtzeitig aus dem Gebäude retten. Der Sachschaden war gigantisch: nach Angaben der Stadt Köln mehr als eine Milliarde Euro. Zahllose historische Dokumente wurden zerstört oder so stark beschädigt, dass sie aufwendig restauriert werden müssen.

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