Kölner OB-Kandidatin Reker nach Messerattacke in Krankenhaus

15. April 2016 - 16:27 Uhr

Angreifer festgenommen

Die Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker ist auf einem Wochenmarkt in Köln Opfer einer Messerattacke geworden. Wie die Polizei RTL auf Anfrage bestätigte, griff ein Mann die 58-Jährige am Infostand der CDU an. Nach der Einlieferung ins Krankenhaus gab ihr Wahlkampfteam via Twitter bekannt, dass sie außer Lebensgefahr sei. Nach Angaben der Stadt wurde Reker durch einen Stich in den Hals schwer, aber nicht lebensbedrohlich verletzt und kurz darauf operiert.

Kölner OB-Kandidatin Reker nach Messerattacke in Krankenhaus
Henriette Reker ist Opfer einer Messerattacke geworden.
© dpa, Oliver Berg

Der mit einem Messer bewaffnete Mann wurde festgenommen. Er hatte neben Reker noch vier weitere Personen attackiert. Auch sie werden im Krankenhaus behandelt. Zwei Personen seien schwer und drei leicht verletzt worden, als es zu einem Handgemenge gekommen sei.

Die Ermittler fanden Hinweise auf ausländerfeindliche Motive des 44-jährigen Angreifers. "Zum jetzigen Zeitpunkt deuten die Zeugenaussagen (...) darauf hin, dass in der Tat fremdenfeindliche Motive des Täters ausschlaggebend waren", sagte der ermittelnde Oberstaatsanwalt. Der festgenommene Täter habe sich entsprechend geäußert, betonten die Ermittler. Als Sozialdezernentin ist Reker für die Unterbringung von Flüchtlingen in der Domstadt zuständig. Die parteilose Politikerin habe ernsthafte Verletzungen im Halsbereich erlitten. "Aktuell ist sie stabil, aber nicht über den Berg", betonte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers.

Schon NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte zuvor von "ersten Anzeichen für eine politisch motivierte Tat" gesprochen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten am Tatort. Auch ein Rettungshubschrauber war den Angaben zufolge im Einsatz. Der Wochenmarkt liegt im Kölner Stadtteil Braunsfeld. Rekers Mitarbeiter Frederik Schorn sagte, auch ein Mitarbeiter des Wahlkampfteams der OB-Kandidatin sei verletzt worden.

Die Wahl am Sonntag in Köln findet trotz des Angriffs statt, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Die parteilose Sozialdezernentin Reker wird von CDU, Grünen und FDP unterstützt.

Mutmaßlicher Täter soll gesagt haben: "Ich musste es tun"

Der Kölner CDU-Vorsitzende Bernd Petelkau, der Augenzeuge des Angriffs war, berichtete der 'Rheinischen Post': "Nach der Attacke ist der Täter ganz ruhig stehengeblieben und hat gesagt: 'Ich musste es tun. Ich schütze Euch alle.'"

Der Täter habe die deutsche Staatsangehörigkeit und sei seit längerer Zeit arbeitslos. Nachbarn und Personen aus einem Umfeld hätten ihn als unauffälligen Zeitgenossen beschrieben, sagte Norbert Wagner, Leiter der Direktion Kriminalität bei der Polizei Köln. "Er lebte alleine in seiner Wohnung." Die Behörden schlossen nicht aus, dass der Mann unter psychischen Störungen leidet. Bislang sei er polizeilich aber nie aufgefallen. Es gebe auch keine Erkenntnisse, dass der Angreifer in einer Partei oder Organisation aktiv sei, sagten die Ermittler.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière verurteilte die Tat aufs Schärfste: "Ich bin zutiefst schockiert über diese abscheuliche und feige Tat. Mein Mitgefühl ist bei Frau Reker und allen weiteren Verletzten. Ich wünsche allen eine schnelle Genesung. Ich danke dem Beamten vor Ort für sein beherztes Eingreifen und die Überwältigung des Täters."