22. Mai 2019 - 14:39 Uhr

Müllmann überfuhr Jungen beim Rechtsabbiegen

Hätte der Mann den tragischen Unfall verhindern können? Vor fast genau einem Jahr, am 28. Mai 2018, überfuhr ein Müllmann der Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe beim Rechtsabbiegen einen siebenjährigen Jungen. Der war auf seinem Fahrrad unterwegs und auf dem Weg zur Schule. Wegen fahrlässiger Tötung stand der Mann am Mittwoch in Köln vor Gericht. Das Verfahren wurde jetzt allerdings eingestellt – es habe sich um ein tragisches Unfallgeschehen gehandelt, so das Gericht.

Angeklagter ist in psychologischer Behandlung

Der Angeklagte erschien ganz in Schwarz und mit gesenktem Kopf vor dem Kölner Amtsgericht. Seit dem Unfall kann er nicht mehr zur Arbeit gehen, ist krankgeschrieben und in psychologischer Behandlung. Er selbst konnte nicht sprechen, ließ seinen Anwalt die richtigen Worte für sich finden. "Am Weg standen Autos. Der Fahrer konnte trotz eines Weitwinkel-Spiegels nicht das Kind sehen", so der Verteidiger.

Die Staatsanwälte hatten das in der Anklageschrift anders gesehen: Der Unfall sei durch Unachtsamkeit entstanden, das Opfer sei vor dem Abbiegen für wenige Augenblicke im Seitenspiegel des Müllwagens erkennbar gewesen.

Verfahren gegen Zahlung von 2000€ eingestellt

Bereits kurz nach Beginn des Prozesses zogen sich die Richter und Anwälte zu einem Rechtsgespräch zurück. Dann verkündeten sie: Das Verfahren wird eingestellt, es habe sich um ein tragisches Unglück gehandelt. Der Müllwagenfahrer muss 2000 Euro Geldstrafe an ein Kinderhospiz zahlen. Der Angeklagte ist selbst Vater zweier Kinder, ihn belastet das Geschehene deutlich. Die Eltern des überfahrenen Jungen waren nicht anwesend.