Kölner Geiselnehmer plante einen Brandanschlag – Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

17. Oktober 2018 - 10:32 Uhr

Mohammad Aborajab eher kein IS-Terrorist

Offenbar nur durch Glück ist Köln einer größeren Katastrophe bei der Geiselnahme am Hauptbahnhof entgangen. Zwar scheint der 55 Jahre alte Syrer Mohammad Aborajab eher ein verwirrter Einzeltäter als ein IS-Terrorist zu sein, gleichwohl wollte er gehörigen Schaden anrichten. Sein Hauptziel: Feuer bei McDonald's zu legen - ein Szenario mit weitreichenden Folgen in einem vollen Imbiss in einem der publikumsstärksten Bahnhöfe der Republik. Die Ermittler prüfen einen terroristischen Hintergrund. Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen.

Ermittler: Großes Glück, dass nicht mehr Menschen zu Schaden kamen

In diesem Kölner Imbiss wollte der Täter ein Feuer entzünden.
In dieser Kölner McDonald's-Filiale wollte der Täter ein Feuer entzünden.
© dpa, Oliver Berg, obe kde

Die Ermittler sind sich sicher, dass Aborajab der Täter ist. Der schwer verletzte Mann ist inzwischen nach einer mehrstündigen Operation außer Lebensgefahr. Allerdings liegt er weiter im Koma und konnte noch nicht verhört werden. Er war bei der Festnahme von mehreren Polizeikugeln getroffen worden und musste reanimiert werden.

Der Mann hatte am Montagmittag große Mengen Benzin auf den Boden eines Schnellrestaurants im Bahnhof gekippt. Eine Überwachungskamera hielt dies fest. Kurz darauf zeigt das Video eine dramatische Explosion: Man sieht nur noch einen einzigen grellen Feuerschein. Das Video mache deutlich, dass die Kunden in der Filiale überwiegend großes Glück gehabt hätten, sagte Becker. Ein 14 Jahre altes Mädchen erlitt schwere Verbrennungen. Es sei großes Glück, dass nicht viel mehr Menschen verletzt worden seien, so Kölns Kripochef Klaus-Stephan Becker.

Polizei bitte um Hinweise

Polizei sucht nach Kölner Geiselnahme nach Hinweisen.
Die Polizei sucht nach der Kölner Geiselnahme nach Hinweisen.
© dpa, -, aba kde

Nach dieser Tat ließ der Mann einen Koffer und eine Aktentasche mit Gaskartuschen und Brandbeschleuniger in der Filiale zurück und floh in eine Apotheke. Dort nahm er eine Angestellte als Geisel - für die Polizei ein "Zufallsopfer". Als er sie mit Benzin übergoss, griff die Polizei ein und verhaftete den Mann. Hätte der Täter seine Gaskartuschen zur Explosion gebracht, wäre der Schaden beachtlich gewesen, sagte Becker. Die Kartuschen waren mit Stahlkugeln präpariert, was die Wirkung verstärkt hätte

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In diesen Häusern für Asybewerber im Kälner Stadteil Neuehrenfeld lebte der Syrer Mohammad Aborajab
In diesen Häusern für Asylbewerber im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld lebte der 55 Jahre alte Syrer Mohammad Aborajab.
© dpa, Oliver Berg, obe

Bereits am Montag wurde die Wohnung des Syrers in einer Flüchtlingsunterkunft im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld durchsucht. Dort fand die Polizei weiteres Benzin. An der Wand fanden sich arabische Schriftzeichen, die sich zwar auf den Islam, nicht aber auf das Terrornetz Islamischer Staat beziehen. Die Frau des 55-Jährigen lebt noch in Syrien, sein Sohn und sein Bruder sind in Deutschland. Seit 2013 ist der Mann selbst 13-mal straffällig geworden, unter anderem wegen eines Rauschgiftdelikts, Betrugs, Ladendiebstahls und Hausfriedensbruchs. Er sei "psychisch nicht in der Lage" gewesen, zu arbeiten.