Kölner Dom "unter polizeilicher Beobachtung": Ist Kontrolle vor dem Beten bald normal?

Von Flügen und Großveranstaltungen gewohnt

Flugreisende sind es gewohnt, ebenso wie die Besucher eines Fußballspiels oder eines Konzertes in einem Stadion: Sicherheitskontrollen. Seitdem die Terrorgefahr gewachsen ist, wird auch bei Großereignissen und Flugreisen rigoros kontrolliert. Aber sonntags morgens beim Gang zum Gottesdienst? Geht das nicht etwas zu weit? Anscheinend nicht, denn im Kölner Dom gelten künftig strengere Sicherheitsbestimmungen. Ab 1. März dürfen Besucher keine großen Koffer, Reisetaschen und Wanderrucksäcke mehr mit in die Kathedrale nehmen. Handgepäck bleibt erlaubt.

Keine durchschnittliche Kirche für Normalgläubige

Dazu muss fairerweise gesagt werden, dass der Kölner Dom keine durchschnittliche Kirche ist, die der Normalgläubige für das Sonntagsgebet oder das gute Gewissen besucht. Der Kölner Dom ist eine Sehenswürdigkeit, zentral gelegen, direkt neben dem Kölner Hauptbahnhof. Der Dom gehört zum Unesco-Weltkulturerbe und ist schon mehrfach zum beliebtesten Bauwerk der Deutschen gewählt worden. Der Dom ist ein Symbol für den Christlichen Glauben, das jeden Tag von durchschnittlich 20.000 Menschen besucht wird.

Und so steht die Kathedrale besonders im Fokus der Kölner Sicherheitskräfte. Neben den Domschweizern - den Ordnungshütern der Kirche - werden zusätzliche Sicherheitskräfte eingestellt. Außerdem würden im April weitere Videokameras installiert, so dass dann das ganze Domumfeld "unter polizeilicher Beobachtung steht", sagte Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies. Nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten hatte es an Heiligabend erstmals eine Taschenkontrolle am Kölner Dom gegeben. Solche Einlasskontrollen seien auch künftig jederzeit möglich, sagte Dompropst Gerd Bachner.

Dom ist ein "internationales Besucherziel"

Polizeipräsident Mathies betonte, der Dom sei ein "internationales Besucherziel" und "bedeutendes Identifikationsobjekt". Es bestehe keine konkrete, aber eine hohe abstrakte Terrorgefahr durch Extremismus. Für die Polizei sei es von entscheidender Bedeutung, sich mit dieser Bedrohungslage auseinanderzusetzen. Hundertprozentige Sicherheit könne es aber nicht geben. Auch nicht durch Beten und Gottvertrauen.