Nach beiläufiger Aussage in Fernsehbeitrag

Kölner Arzt wird von Maskengegnern mit dem Tod bedroht

09. November 2020 - 13:02 Uhr

Dr. Kurscheid äußerte sich positiv zum Thema Maske tragen

Eigentlich sei es ein ganz sachlicher Beitrag gewesen, zu dem Thema: Wie stärkt man seine Lunge, erzählt der Allgemeinmediziner Dr. Thomas Kurscheid. Der Kölner Arzt hatte sich vom ZDF interviewen lassen. Nachdem der Beitrag in der Sendung "ZDF Drehscheibe" lief, geriet Kurscheid plötzlich ins Visier von Maskengegnern und Verschwörungstheoretikern. Sein E-Mail-Postfach war plötzlich voll mit Hassmails. Im RTL-Interview erzählt der Arzt nun, was er gerade erlebt.

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Tragen von Corona-Masken stärkt die Lungenmuskulatur

​In dem ZDF-Beitrag erklärte der Arzt, wie man mit speziellen Atemübungen oder Sport die Lunge stärken könne. "Und in dem Zusammenhang ganz zum Schluss, die letzten zwölf Sekunden habe ich so eine Maske in der Hand und sage: Übrigens die hat auch nicht nur schlechte Eigenschaften", berichtet Kurscheid. Die Maske schützte nicht nur in Verbindung mit anderen Maßnahmen vor dem Coronavirus, sondern trage auch dazu bei, "dass unsere Lungenmuskulatur gestärkt wird, weil der Atemwiderstand einfach steigt", erklärt der 56-Jährige.

Das sei keine neue Erkenntnis, im Gegenteil: Asthmatiker oder Profisportler würden Masken schon länger dafür benutzen, ihre Lungenmuskulatur zu trainieren. Den Corona-Gegnern reichten die Aussagen des Arztes dafür, ihn mit einem regelrechten Shitstorm zu überziehen.

„Ich hoffe, Sie ersticken an ihrer Maske“

Jemand habe den letzten Teil des Beitrags herausgeschnitten, in dem sich Kurscheid positiv zu Corona-Masken äußert, und in einem einschlägigen Forum gepostet. Von dort verbreitete sich der Clip dann rasend schnell. Innerhalb weniger Tage bekam der Kölner Arzt über 1.000 Mails von Kritikern, die alles andere als sachlich waren. Sie seien "wirklich nicht angenehm zu lesen", berichtet der Mediziner im RTL-Interview.

"Ich hoffe, Sie ersticken an ihrer Maske", steht darin oder: "an der nächsten Laterne oder gleich am Fensterkreuz aufhängen". Auch seine Familie oder seine Praxis würden beleidigt und bedroht, so der Arzt. Er hat über seinen Anwalt inzwischen Anzeige gegen die Schreiber der Hassmails erstattet. Trotzdem bleibt ein unwohles Gefühl. Wenn er nach Feierabend im Dunkeln die Praxis verlasse, um nach Hause zu fahren, schaue er sich jetzt schon um, weil er befürchte, dass draußen jemand lauern könnte.

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„Wir können das so nicht durchgehen lassen“

Er weiß, dass er nicht nicht der einzige Experte ist, der bedroht wird, weil er sich öffentlich zum Thema Corona geäußert hat. "Wir können das so nicht durchgehen lassen", meint Kurscheid und fordert, dass auch Straftaten im Internet konsequent verfolgt werden müssten. "Keiner von uns hat was gegen eine Diskussion", sagt der Arzt. Aber er habe den Eindruck, dass diejenigen, die ihm schreiben, gar keine Diskussion wollten.

"Es geht den meisten, die mich kritisieren, auch gar nicht um Corona, sondern die haben mich mit Systemkritik überfallen", erklärt er. Die Absender der Hassmails würden sich für besser informiert halten, als die Menschen, die sich jeden Tag mit Infektionskrankheiten beschäftigen. Niemand könne von sich behaupten, er sei auf dem richtigen Pfad. Man müsse sich andere Meinungen wenigstens mal anhören, fordert Kurscheid.

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