Sanierung, als Mieter nicht da waren

Vermieterin riss Dach und Wände ein – jetzt muss sie alles wieder aufbauen

Als sie nach Hause kamen, wurde ihre Bude abgerissen.
© Kalle Gerigk

08. Mai 2020 - 17:18 Uhr

Handwerker drangen in verschlossene Wohnung ein

Eine Vermieterin, die mit einer Sanierung nicht warten wollte, hat jetzt die Quittung gekriegt. Anfang Januar hatten sich Handwerker Zutritt zu einer verschlossenen Dachgeschosswohnung in Köln-Ehrenfeld verschafft, die der Frau gehört. Sie begannen mit umfassenden Sanierungsmaßnahmen – obwohl die Wohnung noch bewohnt war. Nun muss die Vermieterin ihre übereilte Sanierung rückgängig machen. Das entschied das Kölner Amtsgericht und gab damit dem Antrag der Kläger statt.

Mieter fanden sich in Trümmerfeld wieder

Als das Mieterpaar nach Hause kam, traute es seinen Augen kaum: Dach und Wände waren abgerissen, die Wohnung glich einem Trümmerfeld. "Die Fenster waren weg, das Dach abmontiert, die Innenwände eingerissen, unsere Möbel lagen unter Schutt", sagte die 42 Jahre alte Mieterin am Rande des Zivilprozesses.

Kölner Vermieterin hält Verfahren für "reine Schikane"

In der mündlichen Verhandlung vor einer Woche hatten die Kläger von einer "kalten Räumung" gesprochen. Die Vermieterin dagegen – eine Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht –behauptete, es habe sich um eine "abgesprochene Sanierung" gehandelt. Das Gerichtsverfahren gegen sie sei "reine Schikane".

Wohnung muss wiederhergestellt werden

Das Gericht tendierte bereits in der Verhandlung zur Rechtsauffassung der Kläger. "Wenn eine Wohnung abgeschlossen ist, tut der Wohnungseigentümer kund, dass er nicht möchte, dass jemand reingeht", hatte der Vorsitzende Richter gesagt.

Nun entschied der Zivilrichter, dass die Vermieterin die Bewohnbarkeit der Wohnung für das Mieterpaar wiederherzustellen habe. "Insbesondere durch die Wiederherstellung der Decke, der Außenwände einschließlich der Fenster sowie der Innenwände", hieß es im Beschluss in dem einstweiligen Verfügungsverfahren. Außerdem dürfe die Vermieterin die Wohnung nicht weitervermieten. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.