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Köln: Pfleger vergewaltigt 81-Jährige - zu sechseinhalb Jahre Haft verurteilt

Tochter: "Die Bilder kommen immer wieder hoch"

Pfleger wegen Vergewaltigung von 81-jähriger Patientin verurteilt: Sechseinhalb Jahre Haft

Der Vergewaltiger (rechts) mit seiner Verteidigerin und einem Justizbeamten.
Der Vergewaltiger (rechts) mit seiner Verteidigerin und einem Justizbeamten.

Opfer ist bettlägerig und hilflos

Wegen der wiederholten Vergewaltigung einer 81-Jährigen ist ein Pfleger vom Kölner Landgericht zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sprach den 63-Jährigen wegen dreifacher Vergewaltigung in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen schuldig. Die Tochter der Frau hatte die Verbrechen entdeckt. Sie hätte sich ein härteres Urteil gewünscht, ist aber erleichtert, dass der Prozess vorbei ist. "Die Bilder kommen immer wieder hoch", sagt sie.

Tochter der Frau entdeckte Verbrechen: "Man sieht es und meint, das kann nicht sein"

Tochter Kassandra Neuenroth
Tochter Kassandra Neuenroth nach der Urteilverkündung.

Das Urteil stützte sich weitgehend auf Videoaufnahmen. Tochter Kassandra Neuenroth hatte im Schlafzimmer ihrer Mutter eine Kamera mit Bewegungsmelder angebracht, die die Taten aufgezeichnet hatte. "Die Bilder zeigen in scharfen Bildern das Tatgeschehen", sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Während des Prozesses waren verstörende Einzelheiten der Vergehen bekannt geworden.

Die Kamera war installiert worden, damit die Tochter aus der Nachbarwohnung einen Blick auf ihre Mutter werfen konnte, wenn diese unbeaufsichtigt war. Der Schock ist ihr auch fast ein halbes Jahr nach der grausamen Entdeckung noch anzumerken. "Das kann man nicht mit Worten ausdrücken", sagt sie um Beherrschung bemüht. "Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht. Es zerreißt einen innerlich", so die 62-Jährige. "Man sieht es und meint, das kann nicht sein."

Gericht bleibt deutlich unter Forderung der Staatsanwaltschaft

Der Pfleger, der im Haushalt seines Opfers lebte, beging die Taten an drei Tagen im vergangenen September. Die alte Dame ist seit zehn Jahren halbseitig gelähmt und nach einem Blutgerinnsel im Dezember 2019 erheblich beeinträchtigt.

Sie kann nicht sprechen und nicht mehr laufen. Der Pfleger hatte die Taten eingeräumt. Mit dem Strafmaß blieb das Gericht deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf elf Jahre Haft plädiert hatte.

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"Ich weiß nicht, ob man überhaupt Gerechtigkeit für so ein Verbrechen bekommen kann"

Das Kölner Landgericht blieb mit seinem Urteil deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft
Das Kölner Landgericht blieb mit seinem Urteil deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft

Das Urteil müsse sie erst noch verdauen, sagt Kassandra Neuenroth. Sie frage sich immer noch, wie ein Mensch so etwas machen könne. "Solange unsere Gesetzgebung so ist, hat auch ein Richter, den ich für sehr gut und objektiv halte, keine andere Möglichkeit."

Ihre Anwältin Monika Müller-Laschet kann als Nebenklägerin gegen das Strafmaß keine Beschwerde einreichen. "Juristisch ist das sicher korrekt, aber ich bin enttäuscht", so die Juristin. Sie hoffe, dass die Staatsanwaltschaft in Revision geht und das Urteil nach oben korrigiert wird. Ihre Mandantin sagt: "Ich weiß nicht, ob man überhaupt Gerechtigkeit für so ein Verbrechen bekommen kann."