Köln: Eltern von totgeraster Miriam (19) empört: Verurteilter Todesfahrer will in Revision gehen

06. Juli 2016 - 12:11 Uhr

"Den Gang in die Revision finden wir unangebracht"

Das Kölner Landgericht fällte vor wenigen Tagen ihr Urteil gegen einen 27 Jahre alten Raser: Für zwei Jahre und neun Monate muss Arman J. ins Gefängnis, weil er bei einem illegalen Autorennen einen Radfahrer totgefahren hatte. Mit dieser Strafe will sich der BWL-Student aber nicht zufriedengeben: Er plant, mit seinem Anwalt in Revision zu gehen. Die Eltern der 19-jährigen Miriam, die im vergangenen Sommer von zwei anderen Rasern getötet wurde, zeigen sich darüber empört. "Den Gang in die Revision nach dem Urteil zum Tode von Gianluca D. finden wir unangebracht", so die Eltern im 'Kölner Stadtanzeiger'.

Köln: Eltern von totgeraster Miriam (19) empört: Verurteilter Todesfahrer will in Revision gehen
Blumen im Deutzer Auenweg für die 19-jährige Miriam, die von Rasern totgefahren wurde.
© dpa, Henning Kaiser

Es sind zwei verschiedene Raser-Fälle, aber was die Eltern der Todesopfer durchleiden, dürfte ähnlich sein: Im vergangenen Sommer starb Miriam, weil sich zwei junge Männer ein wildes Autorennen quer durch die Kölner Innenstadt lieferten. Einer von ihnen verlor am Auenweg in Deutz die Kontrolle über seinen Wagen und erfasste das junge Mädchen auf seinem Fahrrad. Es starb, doch für den Unfallfahrer Erkan F. (23) ging das Leben nach dem Prozess nahezu unverändert weiter: Statt einer Haftstrafe bekam er zwei Jahre auf Bewährung, 150 Sozialstunden und seinen Führerschein entzogen.

Doch für die Eltern von Miriam änderte sich das Leben von einen Tag auf den anderen. Statt wie früher mit Freude ist es jetzt vor allem mit Schmerz über den plötzlichen Verlust ihres Kindes erfüllt. Über das Vorhaben von Arman J.s Anwalt, in Revision zu gehen, sind sie daher entsetzt. "Was die Herren Strafverteidiger zum Bedauern der tatsächlich vom Tod des Opfers Betroffenen immer komplett aus dem Blick verlieren ist Folgendes: Ein Mensch ist getötet worden. In unserem Fall ist es unsere 19-jährige Tochter. Alle ihre Pläne, ihr begonnenes Studium, die Beziehung zu uns, zu ihrem Freund, alles hat der Unfall-Raser vom Auenweg ins Gebüsch geschossen."

"Durch ihren Tod hat sich auch unser Leben äußerst schmerzhaft verändert."

Köln: Eltern von totgeraster Miriam (19) empört: Verurteilter Todesfahrer will in Revision gehen
Arman J. vor seiner Verurteilung im Landgericht Köln.
© dpa, Oliver Berg

Doch die tragischen Verluste der Angehörigen von Raseropfern würden Verteidiger und Richter nicht sehen. "Durch ihren Tod hat sich auch unser Leben äußerst schmerzhaft verändert. Nichts ist mehr, wie es war. Zu all dem sagt ein Richter sinngemäß, wir müssten verstehen, dass es im Strafprozess nicht um uns geht, sondern um die Angeklagten. Das verstehe ich, aber es muss doch um die Schuld der Angeklagten gehen, diese entsprechend zu klären und nicht in erster Linie um ihre Sozialprognose, die sie ungeprüft vortragen dürfen", sagten Miriams Eltern.

Das Kölner Landgericht urteilte im Falle des 27 Jahre alten BWL-Studenten Arman J. vergleichsweise hart: Der junge Mann erhielt keine Bewährungs-, sondern eine Freiheitsstrafe von fast drei Jahren. Doch sein Anwalt will die Gefängnisstrafe nicht als Buße für einen toten Radfahrer akzeptieren. Der Verteidiger findet, dass das Urteil zu stark von einer "generalpräventativen Begründung" des Richters geprägt sei. Demnach glaubt er, dass sein Mandat bloß zum 'Signal' an andere Raser zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Der Anwalt will für seinen jungen Mandanten im Revisionsverfahren eine Bewährungsstrafe herausschlagen.

Das Arman J. sich nicht mit seiner Strafe begnügen will, nachdem er einen Menschen totfuhr, können Miriams Eltern nicht verstehen. Der junge Mann hatte sich einen BMW gemietet und war mit einem Tempo von 106 km/h durch die belebte Kölner Innenstadt geheizt. Mehrere Augenzeugen sagten vor Gericht aus, dass Arman J. mit seinem zügigen Fahrstil das Leben von Fußgängern und Radfahrer in große Gefahr gebracht hätte. Trotzdem schaltete Arman J. nicht einen Gang runter.

In der Aachener Straße, die in einem beliebten Bar- und Kneipenviertel liegt, erlitt er wegen der zu hohen Geschwindigkeit einen Kontrollverlust: Erst raste Arman J . in einen Mini, dann schleuderte sein Wagen über die Straße und erfasste den 26 Jahre alten Gianluca, der mit seinem Rad an einer Ampel wartete.