Newcomer-Band "Provinz" spielte in Köln

Coronakonzert wird zum Erlebnis – trotz der Distanz

Die Band "Provinz" spielte beim Coronakonzert im Kölner "Schrotty".
Die Band "Provinz" spielte beim Coronakonzert im Kölner "Schrotty".
© Sadia Ouro-Gbele

14. September 2020 - 14:53 Uhr

Von Sadia Ouro-Gbele

"Das Konzert ist ausverkauft." Früher bedeutete so eine Nachricht, früh genug an der Halle sein zu müssen, dann verschwitzt in einer Menge zu stehen und zu versuchen, gleichzeitig zu tanzen und die Band zu beobachten. Doch dieses Konzert setzte ganze andere Standards, denn es war mein erstes Corona-Konzert. Wie der Auftritt der Newcomer-Band "Provinz" abläuft und ob sich so ein Erlebnis lohnt, das wollte ich an diesem Abend herausfinden.

Folk-Pop aus Ravensburg: Das ist die Band "Provinz"

Ziemlich genau einen Monat vor Konzertbeginn bestellten wir die Karten für das Event im "Schrotty" in Köln. Nach einem ganzen Sommer ohne Festivals und ohne Live-Musik war es komisch, Tickets in den Warenkorb zu legen und auf "Kaufen" zu klicken. Die Location ist für ca. 550 Menschen ausgelegt.

"Provinz", das ist eine vierköpfige Band aus der Nähe von Ravensburg. Im Juli dieses Jahres erschien ihr erstes Album "Wir bauten uns Amerika" und zog prompt die Aufmerksamkeit auf sich.

Trotz Corona haben die Jungs unter anderem das Musikvideo zu "Diego Maradona" veröffentlicht, das im sympathischen Selfie-Style größtenteils daheim aufgenommen worden war. Auf ihrer offiziellen Homepage bezeichnen sie sich als "Folk-Pop-Band".

Doch wie genau läuft jetzt so ein Konzert nach Corona-Standards ab?

Achtung, Abstand: Änderungen zum Ablauf des Konzerts in Köln

E-Mail des Veranstalters des "Provinz"-Konzertes
Screenshot der E-Mail, die der Veranstalter des "Provinz"-Konzertes uns schickte.
© Screenshot

Einige Tage vor Konzertbeginn kam die ernüchternde E-Mail: "Durch eine veränderte Auflage vom Gesundheitsamt, zur Einhaltung des Abstandes, mussten einige Sitzplätze angepasst werden."

Im Klartext: Unsere Plätze wurden auf die vorletzte Reihe verlegt. Irgendwie traurig, aber wenigstens konnte das Konzert noch stattfinden. Durch einige Klicks konnten wie unsere Tickets personalisieren und schon waren wir bereit für das Konzert.

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Coronastandards auf "Provinz"-Konzert

18:00 Uhr Einlass – die Besucher des Konzerts sind auffällig pünktlich und so stellen sich auch alle brav in die Reihe, Maske auf, Ticket und Personalausweis bereit. Das Publikum sind junge Menschen, ungefähr Mitte 20 mit Jutebeuteln, DocMartens und Kordjacken. Der Veranstaltungsort "Schrotty" ist ein großes Gelände, auf dem man viel entdecken kann: einen Wohnwagen am Rand, ein verbeultes Polizeiauto, ein Sonnensegel und viele Lichterketten. Auf dem kompletten Weg darf man nur in eine Richtung gehen. Also durch die Kontrolle, rechts an allen Plätzen vorbei, vorne an der Bühne vorbei und zur eigenen Reihe finden. Alle scheint nach Plan zu verlaufen, aber wie soll hier später Stimmung aufkommen, wenn doch alle so viel Abstand zueinander haben?

Konzertbeginn: Doch nicht alles ist so wie immer

Wir finden unsere Plätze und nehmen endlich die Masken ab, so wie die meisten der Besucher. Sie sitzen auf Paletten, ehemaligen Autositzen und Holzbänken. Plötzlich kommt ein Mann von der Security. "Habt ihr schon den Zettel unterschrieben?"

Wir schauen den großen, muskulösen Mann an und schütteln den Kopf. Davon hatte uns keiner etwas erzählt. Anscheinend muss jede Sitzreihe auf einem Zettel unterschreiben, dass sie sich kennt und somit die Maske abnehmen darf. Wir organisieren uns die Liste und nehmen die Masken ab.

Ein Mädchen in der Reihe beginnt sich eine Zigarette zu drehen, doch bevor sie sich diese anzünden kann, ist der Mann von der Security wieder da. "Geraucht wird nur hinten im Raucherbereich." Drei Reihen vor mir qualmt ebenfalls eine Zigarette. Dass das Rauchen bei diesem Open-Air-Konzert nur in bestimmten Bereichen gestattet ist, hätte man klarer kommunizieren sollen.

Anfangs sind die Besucher noch schüchtern

Die ersten Töne füllen die Luft und plötzlich ist es, als wäre das nicht mein erstes Konzert seit langem. Beim ersten Song sind die meisten Besucher schüchtern, doch spätestens beim zweiten Lied reißt es alle von ihren Plätzen und alle beginnen zu tanzen. Doch da ist wieder der Security-Mann: Reihe um Reihe geht er ab und hinter ihm setzen sich die Menschen. "Ihr müsst euch hinsetzen", sagt er und wir setzen uns. Auch diese Information hätte ich gerne vorab gelesen.

Coronakonzert - top oder Flop?

Und trotz den späten Ansagen, trotz der Maskenpflicht und obwohl wir sitzen mussten, war es ein ganz wunderbares Erlebnis. Anstatt sich in der Menge ganz einsam zu verlieren, konnte ich mich zwischendrin kurz mit meinen Freunden unterhalten und so wurde dieses Konzert doch zu einem Erfolg. "Provinz" konnte die Menge trotz der Distanz mitreißen. Falls ich erneut Tickets für eine Band sehe, die mir zusagt, dann werde ich mir mit Sicherheit wieder ein Ticket kaufen.