Kobane komplett vom Islamischen Staat befreit

Dichter Rauch steigt aus der syrischen Stadt Kobane.
Der IS hatte zeitweise mehr als die Hälfte der seit Monaten umkämpften nordsyrischen Stadt Kobane eingenommen.
dpa, Tolga Bozoglu

Zurückeroberung gelang mit Hilfe arabischer Verbündeter

Auf diese Nachricht haben die Kurden mehr als 120 Tage gewartet. Mitte September marschierte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf die nordsyrische Stadt Kobane zu. In Windeseile überrannten die Extremisten Dutzende Dörfer im Umland und trieben Zehntausende Menschen in die Flucht. Immer enger zogen sie die Schlinge um die Stadt an der türkischen Grenze und eroberten teilweise mehr als die Hälfte ihres Gebiets.

Doch die Kurden stellten sich dem IS mutig entgegen. Jetzt können sie jubeln: Die Verteidiger von Kobane haben die Extremisten aus der Stadt verjagt. Kurden-Sprecher Idriss Nassan reagierte euphorisch: "Dies ist ein Sieg für alle Kurden", erklärte er. Als Gewinner aus dem Kampf um Kobane gehen vor allem die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG hervor, die sich den IS-Extremisten über Monate entgegen stemmten.

Ihnen ist jetzt das gelungen, woran andere in Syrien bisher scheiterten: den IS-Dschihadisten, die in ihrem Herrschaftsgebiet ein Kalifat errichten wollen, eine massive Niederlage zuzufügen. Das ist durchaus eine pikante Angelegenheit. Die YPG ist über die syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD) mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden und soll von dieser in Kobane auch militärische Hilfe bekommen haben.

Die Türkei und die USA wiederum sehen in der PKK eine Terrororganisation, die Regierung in Ankara hat sie verboten. Bei aller Freude über den Erfolg dürften beide Länder den kurdischen Sieg mit gemischten Gefühlen betrachten. Dennoch darf sich auch Washington als Gewinner fühlen. Die Luftangriffe der USA und ihrer arabischen Verbündeten machten den Sieg gegen die Extremisten in Kobane erst möglich.

Immer wieder griffen Jets dieser Allianz IS-Stellungen aus der Luft an. Mehr als 1.300 Menschen starben laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Kampf um Kobane. Dass fast 1.000 von ihnen auf Seiten des IS fielen, war auch ein Ergebnis der Luftangriffe. Und noch einen Sieger gibt es in diesem Konflikt: die Kurden aus dem benachbarten Irak. Sie schickten Peschmerga-Kämpfer nach Kobane. Im Gepäck hatten sie schwere Waffen, ohne die die Verteidiger der Stadt kaum eine Chance gegen die gepanzerten Fahrzeuge des IS gehabt hätten.