Stammzellen können im Kampf gegen Blutkrebs Leben retten

So läuft eine Knochenmarkspende ab

14. August 2019 - 20:18 Uhr

Knochenmarkspende: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Jeden Tag erkranken etwa 30 Menschen in Deutschland an Blutkrebs - und jeder zehnte Blutkrebspatient sucht vergeblich einen passenden Stammzellspender, so die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS. Deshalb ist es so wichtig, dass sich so viele Menschen wie möglich als Knochenmarkspender registrieren lassen - denn fast jeder Mensch hat irgendwo einen genetischen Zwilling, der ihm mit einer Stammzellspende im Ernstfall das Leben retten kann.

Auch bei GZSZ kann Yannis seiner Tochter Laura, die an Aplastischer Anämie erkrankt ist, mit einer Knochenmarkspende möglicherweise das Leben retten. Aber als er vom Ablauf der Spende erfährt, zögert er. Doch wie genau funktioniert eine Knochenmarkspende und wie (un)gefährlich ist der Eingriff?

Diese Möglichkeiten der Stammzellentnahme gibt es

Stammzelle
Es gibt zwei Möglichkeiten, seine Stammzellen zu spenden.
© iStockphoto

In vielen Fällen werden die Stammzellen des Spenders, die für die Behandlung von Blutkrebs gebraucht werden, gar nicht über das Knochenmark entnommen, sondern können aus dem Blut des Spenders gewonnen werden.

Bei der peripheren Stammzellspende werden die Stammzellen aus der Blutbahn des Spenders entnommen. Das geschieht in etwa 80 Prozent der Fälle. Dazu wird dem Spender über fünf Tage hinweg ein hormonähnlicher Wachstumsstoff gespritzt, der die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut - also den Blutzellen in den Blutgefäßen - erhöht. Dies kann beim Hausarzt geschehen, aber auch vom Spender selbst vorgenommen werden. Die Stammzellen werden anschließend mit einem speziellen Verfahren direkt aus dem Blut gewonnen. Eine Operation ist nicht notwendig.

Bei der Knochenmarkspende werden mit einer Punktionsnadel etwa fünf Prozent des Knochenmarks aus dem Beckenkamm des Spenders entnommen. Das geschieht unter Vollnarkose. Die dabei entstehenden Wunden sind klein und müssen meist gar nicht, ansonsten nur mit wenigen Stichen genäht werden. In der Regel ist ein Krankenhausaufenthalt von drei Tagen erforderlich. Das Knochenmark des Spenders regeneriert sich in der Regel innerhalb von zwei bis vier Wochen vollständig.

Auf welche Art die Stammzellentnahme erfolgt, hängt von dem gesundheitlichen Zustand des Patienten ab.

Wie gefährlich ist die Knochenmarkspende?

Bei der Knochenmarkspende beschränkt sich das Risiko im Wesentlichen auf die Vollnarkose. Nach dem Eingriff können lokal Wundschmerzen auftreten, die denen einer Prellung gleichen. Nur in seltenen Fällen kommt es zu länger anhaltenden Schmerzen. Nach dem Krankenhausaufenthalt werden die Spender meist als Vorsichtsmaßnahme noch für einige Tage krankgeschrieben.

Auch wenn die Begriffe ähnlich klingen: Knochenmark hat absolut nichts mit Rückenmark zu tun. Bei einer Knochenmarkentnahme bleibt das Rückenmark völlig unberührt - deshalb besteht auch keine Gefahr einer Querschnittslähmung.

Wer darf überhaupt Stammzellspender werden?

Stammzellspender kann grundsätzlich jeder Mensch zwischen 17 und 55 Jahren werden, der bei guter Gesundheit ist. Wer sich mit 17 Jahren registriert, wird ab dem 18. Geburtstag automatisch in der Datei aktiviert.

Es gibt jedoch einige Ausnahmen: So dürfen etwa Menschen, die weniger als 50 kg wiegen oder aber stark übergewichtig sind (BMI über 40), keine Stammzellspender werden. Nicht als Spender geeignet sind außerdem Personen mit bestimmten schweren Erkrankungen, wie etwa neurologische oder psychische Erkrankungen, Krebs oder Suchtkrankheiten.

Wie kann man sich registrieren lassen?

ILLUSTRATION - Ein Spender gewinnt am 06.03.2014 in Ohlstadt (Oberbayern) mit einem Wattestäbchen Mundschleimhautzellen für die Aufnahme in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Durch die Datei kann der passende Spender für einen an Blutkrebs
Für die Registrierung als Stammzellspender muss man Abstriche von der Mundschleimhaut machen.
© picture alliance / dpa, Angelika Warmuth

Um sich als Stammzellspender zu registrieren, ist keine Blutabnahme nötig. Stattdessen kann man quasi auf dem Postweg DKMS-Spender werden: Wenn Sie sich online registrieren, wird ein Registrierungsset mit zwei Wattestäbchen zu Ihnen nach Hause geschickt. Mit diesen nehmen Sie zwei Abstriche von der Mundschleimhaut. Die Wattestäbchen werden dann zusammen mit der ausgefüllten Einverständniserklärung zur DKMS zurückgeschickt, die die Proben im Labor analysiert.

Wer sich bei der DKMS als Stammzellspender registriert oder bereits registriert ist, sollte das nicht gleichzeitig auch bei einer anderen Spenderdatei tun. Steht man dort auch in der Datei, führt das zu Verwirrungen und unnötigen Kosten - denn alle Daten werden ohnehin beim Zentralen Knochenmarkspenderregister in Ulm gesammelt.

Kostet die Registrierung etwas?

Der potentielle Stammzellspender muss für die Registrierung bei der DKMS keinerlei Kosten übernehmen. Das Verfahren, das für die Registrierung eines neuen Spenders nötig ist, kostet aber natürlich - die dort für jede Registrierung entstehenden Kosten von 35 Euro trägt die DKMS.

Als gemeinnützige Organisation ist die Deutsche Knochenmarkspenderdatei auf Geldspenden angewiesen (DKMS-Spendenkonto: IBAN: DE64641500200000255556 BIC: SOLADES1TUB).

Laut DKMS kommt es bei höchstens fünf von hundert möglichen Stammzellspendern innerhalb der nächsten zehn Jahre tatsächlich zu einer Spende. Innerhalb des ersten Jahres nach der Typisierung liegt die Wahrscheinlichkeit für junge Spender bei etwa einem Prozent.

So läuft die Suche nach einem passenden Spender ab

Bei der Spendersuche spielt die Blutgruppe keine Rolle - Spender und Empfänger können unterschiedliche Blutgruppen besitzen. Untersucht wird hingegen die sogenannte HLA (Humane Leukozyten Antigene). Die Merkmale der HLA werden der Spenderdatei hinzugefügt. Ab dann steht man als Spender für Patienten weltweit zur Verfügung. Sobald man als Stammzellspender in Frage kommt, meldet sich die DKMS wieder.

Im zweiten Schritt werden die Gewebemerkmale in einer sogenannten Bestätigungstypisierung dann erneut geprüft. Außerdem wird das Blut des Spenders auf Infektionserreger getestet. Anhand dieser Ergebnisse wird entschieden, ob der mögliche Spender wirklich hundertprozentig passt.