Knapp 700 Flüge gestrichen: Verdi vom Ausmaß des Lufthansa-Streiks überrascht

22. April 2013 - 7:36 Uhr

Chaos an den Terminals bleibt weitgehend aus

Ungewohntes Bild: Die Lufthansa hat wegen des heutigen Warnstreiks knapp 700 Flüge gestrichen. Doch nicht die Passagiere sind überrascht, sondern die Gewerkschaft Verdi. Dabei rief Verdi selbst ihre Mitglieder dazu auf, ihre Arbeit niederzulegen. Über die Vielzahl der von Lufthansa gestrichenen Flüge zeigte sich Gewerkschafterin und Verhandlungsführerin Christine Behle erstaunt: "Ich bin selbst überrascht über das Ausmaß."

Warnstreik, Frankfurt, Lufthansa
Warnstreik der Lufthansa: Lediglich am größten deutschen Flughafen in Frankfurt, der auch Schwerpunkt der Aktionen ist, bildeten sich lange Schlangen und Kofferberge.
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Während die Gewerkschaft vom eigenen Arbeitsaufstand verblüfft ist, zeigen sich die meisten Passagiere bislang unbeeindruckt. Obwohl Hunderte Flüge in Deutschland und Europa dem Warnstreik zum Opfer fielen, bleibt das große Chaos bisher aus. Lediglich am größten deutschen Flughafen in Frankfurt, der auch Schwerpunkt der Aktionen ist, bildeten sich lange Schlangen und Kofferberge. Generell betroffen seien neben Frankfurt, auch Verbindungen ab Hamburg, Berlin, München, Hannover, Bremen, Düsseldorf und Köln, sagte ein Konzernsprecher. Interkontinental-Flüge sollten dagegen weitgehend stattfinden. "Da der Streik vorher angekündigt war, konnten sich die Fluggäste zum Glück darauf einstellen. Lange Schlangen an den Schaltern bilden sich derzeit noch nicht", sagte Verdi-Sprecher Gerold Schaub.

Hintergrund sind die Tarifverhandlungen für rund 33.000 Lufthanseaten vor allem aus den Technik- und Serviceeinheiten. Verdi will vor der für Freitag geplanten zweiten Verhandlungsrunde den Druck erhöhen. Verdi fordert für die Lufthansa-Beschäftigte 5,2 Prozent mehr Gehalt und sichere Arbeitsplätze. Lufthansa hat hingegen von den Arbeitnehmern Nullrunden und längere Arbeitszeiten als Sparbeiträge gefordert. Ein Lufthansa-Sprecher bezeichnete den Warnstreik als "völlig überflüssig und unverhältnismäßig".

Auch an Ostern drohen Warnstreiks

Der Aufruf zum Ausstand sei von den Beschäftigten "breit angenommen" worden. Mehrere tausend Warnstreikende der Lufthansa kamen zu einer Kundgebung in Hamburg zusammen. Eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi sprach von rund 4.000 Teilnehmern. Auf der Kundgebung vor der Lufthansa-Basis sollte Verdi-Chef Frank Bsirske sprechen.

Schaub zeigte sich zuversichtlich, dass die Aktion "Wirkung zeigen wird". Janine Peltier von Verdi Hamburg sieht angesichts der unterschiedlichen Vorstellungen der Gewerkschaft und des Lufthansa-Konzerns jedoch derzeit kaum Chancen für eine schnelle Einigung. "Wir empfinden die Forderung vom Arbeitgeber auch als Provokation gegenüber der Gewerkschaft. Wenn wir jetzt nicht Stärke zeigen, dann wird das ganz, ganz schwierig, sich überhaupt zu einigen." Auch Behle erwartet bei der zweiten Verhandlungsrunde keine Einigung. Vielmehr richte sich die Gewerkschaft auf eine lange und harte Auseinandersetzung ein.

Das könnte auch den vielen Urlaubern zum Verhängnis werden: Die Osterferien haben in Bremen, Niedersachen und Rheinland-Pfalz bereits begonnen und starten am Montag in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Aufgrund der fehlenden Sicht auf einen Verhandlungserfolg sind Warnstreiks auch an den Feiertagen nicht ausgeschlossen. Zudem kündigte Bsirske weitere Protestaktionen der Lufthansa-Beschäftigten an, sollte sich der Konzern im Tarifstreit nicht auf die Arbeitnehmer zubewegen: "Wer uns nicht ernst nimmt, kriegt uns danach ernsthaft zu spüren."