Klöster und Stifte auch bei Protestanten geschätzt

Eine Frau steht im Sarggang des Klosters Lüne. Foto: Philipp Schulze/dpa/Symbolbild
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10. Juli 2020 - 5:31 Uhr

Bundesweit gibt es mehr als 80 evangelische Klöster und Stifte. In 26 von ihnen leben derzeit Gemeinschaften, die ihr Leben ähnlich wie katholische Ordensangehörige in Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam gestalten sowie im Rhythmus der Tagzeitengebete leben. Das sagte der Braunschweiger Landesbischof Christoph Meyns, Beauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für den Kontakt zu den Kommunitäten. "Seit einigen Jahrzehnten finden geistliche Gemeinschaften auch in der evangelischen Kirche zunehmend wertschätzende Aufmerksamkeit", sagte er. Sie seien in der Konferenz evangelischer Kommunitäten zusammengeschlossen.

Mit der Denkschrift "Evangelische Spiritualität" hatte die EKD 1979 den Wert klösterlicher Lebensformen neu entdeckt und erkannte ihn auch in dem Text "Verbindlich leben" von 2007 an. Damit überwand sie eine in der Reformationszeit verwurzelte Ablehnung. "Inzwischen bestehen meist enge Kontakte zwischen Gemeinschaften und Landeskirchen", sagte Meyns. Die EKD habe die Verbindung auch durch die Benennung eines Beauftragten fördern wollen.

Mit den Diakonissengemeinschaften entstanden im 19. Jahrhundert erste klosterähnliche Gemeinschaften, die soziale Missstände bekämpfen wollten. "Die meisten der heutigen Kommunitäten wurden jedoch erst in den Krisenzeiten nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg gegründet", sagte Meyns. Darüber hinaus gebe es mittlerweile zahlreiche geistliche Gemeinschaften, in denen Menschen in Sozialformen zusammenlebten, die von urchristlichen Idealen inspiriert seien. "Einige Gemeinschaften leben in Gütergemeinschaft oder betreiben Gästehäuser zur spirituellen Einkehr, andere leben sehr zurückgezogen", sagte er. 38 von ihnen seien Mitglied im "Treffen geistlicher Gemeinschaften".

Staatliche Klosterordnungen oder Stiftssatzungen regeln die Konvent oder Kapitel genannten Gemeinschaften. Die Klöster und Stifte haben nach den rechtlichen Vorgaben kirchlichen, kulturellen und sozialen Zielen zu dienen. Die Mitglieder sind keine Nonnen und legen auch kein Gelübde ab. Allein 20 Klöster und Stifte gibt es im Bereich der Klosterkammer Hannover. In 15 von ihnen leben Gemeinschaften alleinstehender Frauen, die von Äbtissinnen geleitet werden.

Quelle: DPA