Klitschko leidet wie ein (geprügelter) Hund

01. Dezember 2015 - 13:48 Uhr

Wladimir Klitschko hat seine überraschende Niederlage gegen Tyson Fury noch längst nicht verdaut. "Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich verloren habe. Mann, ich leide", twitterte der Ex-Schwergewichts-Champion nach seiner historischen Entthronisierung.

Wladimir Klitschko sehnt den Tag der Revanche herbei.
Vom Fight gegen Tyson Fury sichtlich gezeichnet: Wladimir Klitschko.
© imago/Moritz Müller, imago sportfotodienst

Der 39-Jährige hatte in Düsseldorf die WM-Titel der Verbände WBO, WBA und IBF an den Briten Fury verloren. Es war seine erste Niederlage im Boxring seit elfeinhalb Jahren und im 68. Profikampf die vierte Niederlage überhaupt.

Auch Vitali Klitschko (44) macht der Niedergang seines jüngeren Bruders immer noch mächtig zu schaffen. "Das war nicht mein Bruder da im Ring. Ich habe ihn nicht erkannt", sagte der ehemalige WBC-Schwergewichts-Champ der 'Bild': "Wladimir hat nichts gezeigt. Das hat mich geschockt."

Sein Bruder habe Kondition, Power, Geschwindigkeit und Distanzgefühl vermissen lassen und keine Idee gehabt, den Kampf zu drehen.

"Auch ich stehe vor einem Rätsel", so Vitali. Zumal der Rivale trotz seiner 2,06 Meter Größe kein übermächtiger, sondern eher ein mittelmäßiger Boxer ist.

"Vor fünf Jahren hätte Wladimir mit Fury den Ringboden aufgewischt"

Spekuliert wird, ob Klitschko einen neuen Trainer verpflichten sollte. Der sechs Jahre jüngere Johnathon Banks ist mehr Berater denn Coach. Eine Alternative scheint sich nicht anzubieten. "Wen gibt es denn?", fragte Vitali ratlos.

Jean Marcel Nartz, einst Technischer Leiter in den Ställen Sauerland und Universum, rät zum amerikanischen Trainer Teddy Atlas. "Der ist im Klitschko-Lager nicht bei allen beliebt. Aber er kann Wladimir noch was beibringen."

Warum Klitschko seine Stärken nicht abrufen konnte, ist unklar. Es schien, als hätte der äußerst selbstbewusste Fury mehr mentale Stärke in den Ring mitgebracht als der in der Vergangenheit psychisch immer dominierende Klitschko. Der Ukrainer hatte zudem enorme Schwierigkeiten mit einem acht Zentimeter größeren Rivalen, der ihn auf Distanz hielt.

Einmal mehr hat sich gezeigt: Klitschko beherrscht den Infight nicht. "Vor fünf Jahren hätte Wladimir mit Fury den Ringboden aufgewischt. Das war einer WM unwürdig. Von zwei schlechten Boxern hat der nicht ganz so Schlechte gewonnen", meinte Nartz.

Klitschko hatte noch in der Nacht nach seiner Pleite einen Rückkampf angekündigt und sehnt den Tag der Abrechnung herbei. "Dieser kleine Krieg ist verloren, aber nicht der Krieger. Der Krieger Wladimir ist immer noch in seiner Haut", so 'Dr. Steelhammer', nachdem er in Düsseldorf einstimmig nach Punkten den Kürzeren gezogen hatte.

Es sei sehr ungewöhnlich, in der Haut eines Nicht-Gewinners zu stecken. Aber: "Ich weiß, dass Fury zu schlagen ist. Wichtig ist, dass die Fortsetzung folgt."