Klitschko: "Ich hatte Angst vor Jennnings"

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Wladimir Klitschko geht mit einer gehörigen Portion Respekt in den Titelfight.
Bongarts/Getty Images, Bongarts

Unter dem Motto „KlitschKO – Big Apple, Big Fight“ überträgt RTL in der Nacht von Samstag auf Sonntag (4.20 Uhr live, Wiederholung ab 10.30 Uhr) bereits den 18. WM-Fight von Wladimir Klitschko. Insgesamt ist der Titelkampf des Ukrainers im Madison Square Garden gegen Bryant Jennings sein 27. – das ist ein neuer Weltrekord im Schwergewicht (Joe Louis und Larry Holmes hatten jeweils 26 WM-Kämpfe).

Im folgenden RTL-Interview spricht der 39-Jährige u.a. über seinen Gegner Bryant Jennings, einen Anfängerfehler beim letzten Kampf gegen Kubrat Pulev und über seine Absage an den in den USA populären Mexican Style.

Wladimir Klitschko über …

… seinen Leistungszenit:

„Ich versuche, auf die Spitze meiner Performance zu kommen, es weiß nur keiner, wo diese Spitze ist. Auch für mich ist es ungewiss, wo die Spitze meines Könnens ist. Jedes Mal seit den letzten sechs, sieben Jahren denke ich: ‚Okay - ich habe die Spitze erreicht, jetzt geht es nicht weiter‘. Und dann erlebe ich jedes Jahr doch als eine Bestätigung für mich, dass ich doch weiter kommen kann, schneller und besser werden kann. Das ist ein Prozess, der süchtig machen kann, denn ich möchte diese Spitze erreichen.“

… sein Alter:

„Ich glaube, im Alter wird man besser. Ich bin davon überzeugt, dass man sich mit 39 Jahren besser fühlen kann als mit 28. Ich fühle mich besser als mit 28, bin schneller, kann länger durchhalten, antizipieren. Und das kommt nur mit Lebenserfahrung. Ich weiß nicht, wie lang das dauern wird, wie lange ich im Sport bleiben werde, wie weit ich noch kommen werde. Aber das kann ich nicht planen. Im Sport geht man von einem Event, von einem Kampf zum anderen. Ich hoffe, dass die Gesundheit und die Motivation bleiben. Wenn eines von beiden nicht mehr da ist, macht es keinen Sinn mehr, weiterzumachen.“

… Bryant Jennings:

„Er ist talentiert, er ist ein Athlet, der auch schon andere Sportarten betrieben hat. Man sieht an einem Körper, dass er sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat. Er hat auch boxerische Qualitäten ganz gut umgesetzt im Ring. Er hat bislang keinen Kampf verloren, ist sehr motiviert und will der Welt zeigen, dass er es schaffen und Weltmeister werden kann. Ich habe schon oft die Aussagen von Trainern und Sportlern erlebt, wie sie einen Klitschko besiegen möchten. Ich habe nach der ersten Pressekonferenz auch Angst bekommen, dass Bryant das schafft. Diese Angst bringt mich ins Trainingslager, um dem Gegner zu zeigen, Du kannst es nicht schaffen, Du bist in einer anderen Liga.“

Klitschko: Muss hier nichts beweisen

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Bryant Jennnings körperliche Konstitution macht Eindruck.
dpa, Justin Lane

… Jennings größere Reichweite:

„Das gleicht sich aus. Er hat längere Arme als ich, was eigentlich unglaublich ist, weil er kürzer ist als ich mit meinen 1,98 m. Ich möchte ihm nicht die Chance geben, seine größere Armlänge zu nutzen, was aber überraschenderweise auch nicht in seinem Kampfstil liegt. Er sucht immer den Nahkampf und geht nicht in die Distanz.“

… den letzten Kampf gegen Kubrat Pulev:

„Pulevs Aussagen vor und nach dem Kampf waren definitiv unter der Gürtellinie. Ich war emotional während des Kampfes, denn ich wollte zeigen, wo es langgeht und wer der Boss ist im Ring. Das war - glaube ich - deutlich genug für das Sauerland-Team und seinen Schützling Kubrat Pulev. Leider habe ich auch bei jedem Punch Emotionen reingelegt, das hat man irgendwie auch sehen können - was eigentlich ein Anfängerfehler ist. Auch ein Profi wie ich macht Anfängerfehler, aber das war wieder eine Schule für mich, wie ich mich zurückhalten muss. Emotionen sind bei einem Boxkampf nichts Gutes. Seinen Kampfplan muss man kaltblütig erledigen, wenn man emotional wird, produziert man die ersten Fehler. Das war also ein Anfängerfehler von mir und ich hoffe, das passiert mir nie wieder.“

… die weiche Klitschko-Seite:

„In jedem Menschen stecken verschiedene Charakterzüge. Auf der einen Seite kann man Killerinstinkte im Boxring haben, mit dem man seinen Kampfplan zur Erfüllung bringt. Auf der anderen Seite kann man auch seine weichere Seite zeigen, die ein Vater besitzen kann. Ich bin da keine Ausnahme und habe beide Seiten und zu bestimmten Seiten muss man entweder die eine oder die andere Seite abrufen.“

… seine offene Rechnung mit dem Madison Square Garden:

„Welche Eigenschaft braucht man, um die Amerikaner zu begeistern? Es gibt unterschiedliche Boxstile. Ich glaube, in Amerika ist der so genannte Mexican Style populär, wo man nach vorne marschiert und das Ziel sieht und keine Barrieren, und nicht wirklich auf die Schläge achtet, die man dann verpasst kriegt. Das ist nicht in meinem Interesse. Ich kenne mein Spiel. Einen Druck, nach meinem letzten Kampf im Garden vor sieben Jahren gegen Sultan Ibragimov jetzt einen guten Kampf liefern muss, verspüre ich nicht. Ich muss mir nichts beweisen. Es ist immer wichtig für mich, einen Kampf eindrucksvoll zu gewinnen, also durch K.o. oder durch einen frühzeitigen Sieg durch T-K.o.. Das erwartet das Publikum in den Vereinigten Staaten wahrscheinlich mehr als in Europa. Ich werde am 25. April alles geben, was ich in meinem Arsenal habe, für einen eindeutigen Sieg.“