Post bei Facebook ein Hilfeschrei?

Klippe in Australien: Deutsche Tanja L. stürzt mit Tochter (2) in den Tod

© Tanja L./Facebook

22. Mai 2019 - 16:15 Uhr

Erweiterter Selbstmord oder Unfall?

Was ging in den letzten Sekunden in ihrem Kopf vor? Was hat Tanja L. gedacht, bevor sie mit ihrer zweijährigen Tochter Tilly von einer Klippe in den Tod stürzte? Die Polizei geht davon aus, dass sich die Mutter das Leben genommen hat und ihr Kind mit in die Tiefe riss. Ein Post auf Facebook liest sich wie ein Hilfeschrei der 33-jährigen Mutter.

"Es ist okay, sich nicht okay zu fühlen"

Tanja L. hatte im Dezember noch bei Facebook einen Aufruf gepostet.
Dieser Facebook-Post von Tanja L. liest sich rückblickend wie ein Hilfeschrei.
© Tanja L./Facebook

Kurz vor Weihnachten hatte Tanja L. noch bei Facebook gepostet - ihr wahrscheinlich letztes Lebenszeichen auf den sozialen Kanälen . "Es ist okay, sich nicht okay zu fühlen. Wir alle brauchen manchmal Hilfe", schrieb sie damals zu einem Foto, auf dem zahlreiche Hilfe-Hotlines aufgelistet sind. Dazu die Bitte, das Bild zu teilen, denn dies könne "möglicherweise jemandes Leben retten".

Worte, die sich rückblickend wie ein böses Omen lesen. Denn für Tanja selbst und ihre kleine Tochter kam jede Hilfe zu spät. Ihre Leichen wurden in der Nacht auf Mittwoch am Fuße einer beliebten Aussichtsplattform am Mount Keira (nahe Wollogong, Australien) gefunden. Der Berg misst an seiner höchsten Stelle 464 Meter.

Die Aussichtsplattform auf dem Mount Keira in der Nähe von Wollongong (Australien) ist ein beliebtes Touristenziel,
Mount Keira in der Nähe von Wollongong, Australien.
© Google Maps

Tanja L. hatte sich kurz zuvor von ihrem Partner getrennt

Die Ermittlungen in dem Fall laufen. Die Bergung der Leichen gestaltete sich in dem "tückischen und gefährlichen" Gelände schwierig. Polizisten hatten sich der Absturzstelle vom Boden aus genhähert, sagte der Polizeichef von Wollongong, Chris Craner. Die australische Polizei geht von einem sogenannten Mord-Selbstmord aus. Dies enstpricht im deutschen Rechtssystem einem erweiterten Suizid.

Kurz vor dem Todessturz sollen sich die gebürtige Deutsche und ihr Partner getrennt haben. Sie lebte seither mit ihrer Tochter in einer Wohnung in Coniston, einem Vorort von Wollongong. Ihre Nachbarin, Athena Kinnis, ist erschüttert. Sie kann nicht fassen, dass die "freundliche Dame", diese "sehr nette Person" ihre eigene Tochter mit in den Tod genommen haben soll. Es habe keine Anzeichen für Probleme gegeben, nichts habe auf das Drama hingedeutet. Tanja L. habe "glücklich" auf sie gewirkt.

Hilfe bei Selbstmordgedanken

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Hier finden Sie eine Übersicht über Hilfsangebote.

Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.