Klinik in Utrecht: Frauen durch Sperma der falschen Männer schwanger?

29. Dezember 2016 - 17:26 Uhr

"So einen Anruf will man vom Krankenhaus nicht bekommen"

Künstliche Befruchtung für ungewollt kinderlose Paare die große Hoffnung. Ein Alptraum ist die Vorstellung, dass der Fruchtbarkeitsklinik dabei Fehler bei der Zuordnung des Spermas unterlaufen könnten. Plötzlich sind Frauen nicht mehr vom eigenen Mann schwanger - das könnte im niederländischen Utrecht passiert sein, gab das Universitätskrankenhaus bekannt.

26 Frauen sind möglicherweise mit dem Sperma der falschen Männer befruchtet worden, gab das Universitätskrankenhaus bekannt. Das Labor habe einen "Verfahrensfehler" gemacht. Die Untersuchungen, ob eine der Frauen tatsächlich von einem verkehrten Mann schwanger wurde, laufen. Das Risiko sei klein. Eine Sprecherin des Interessensverbandes von Menschen mit Fruchtbarkeitsproblemen, Freya, reagierte geschockt: "So einen Anruf will man vom Krankenhaus nicht bekommen."

Vier Frauen sind noch schwanger, neun Kinder seien inzwischen bereits geboren, gab das Krankenhaus bekannt. Von dem Verfahrensfehler sind den Angaben zufolge auch eingefrorene Embryos betroffen, die vorerst nicht verpflanzt würden. Die Paare seien informiert worden. Mit ihnen würden so schnell wie möglich Termine für weitere Untersuchungen, etwa DNA-Tests, vereinbart.  Dutzende beunruhigte Paare hatten sich am Mittwoch bei der Klinik gemeldet. Viele hätten Fragen über ihre Behandlungen und mögliche Folgen, sagte ein Kliniksprecher.

Pipette enthielt noch Samenzellen eines anderen Mannes

Das IVF-Labor des Universitätskrankenhauses ist zuständig für Fruchtbarkeitsbehandlungen in der Region um Utrecht. Von dem Fehler sind Paare aus vier Kliniken betroffen.

Der Fehler trat bei der Intra-Cytoplasmatischen Sperma-Injektion (ICSI) auf. Dabei wird die  Samenzelle unter einem Mikroskop direkt in die Eizelle gespritzt. Ein Labormitarbeiter hatte im November entdeckt, dass die Pipette zur ICSI noch Reste von Samenzellen eines anderen Mannes enthielt. Daraufhin seien die Behandlungen sofort gestoppt worden, teilte das Krankenhaus mit. Wie es zu dem Fehler kommen konnte, ist unklar.