Erschreckende Frühjahrbilanz

Klimawandel verändert Jahreszeiten: Der Frühling geht verloren

17. Juni 2020 - 9:31 Uhr

Frühsommer statt Frühling

Steht die Mittagssonne im südlichen Wendekreis im Zenit, beginnt bei uns die kalte Jahreszeit – der Winter. Wandert die Sonne dann langsam wieder auf die Nordhalbkugel, weicht die Kälte langsam dem Frühling mit seinem zunächst wechselhaften Wetter. Doch dieser hat sein ursprüngliches Gesicht in den letzten zwei Jahrzehnten ziemlich eingebüßt. Ganz besonders der launische April ist schon lange nicht mehr so wechselhaft wie er einst war. Und auch in diesem Jahr haben wir eher einen Frühsommer erlebt. Der Frühling wird uns regelrecht vom Klimawandel gestohlen.

April war ein reiner Sonnenmonat

​Dass unser Frühling mehr und mehr zum Frühsommer mutiert haben wir in diesem Jahr nochmals ganz besonders zu spüren bekommen.

  • Der März war schon 2 Grad zu warm und brachte fast die 1,5-fache Menge an Sonnenschein als im langjährigen Durchschnitt.
  • Der April war dann der Mega-Sonnenmonat. Fast 300 Sonnenstunden: Da kann sich sogar so manch ein Sommermonat locker dahinter verstecken. Außerdem nur knapp 15 Liter Regen pro Quadratmeter im deutschlandweiten Durchschnitt. Im August wäre das gar nicht schlimm. Doch im Frühling ist das eine kleine Katastrophe.
  • Der Mai verlief dann zwar zum Teil wechselhafter und liegt bislang bei rund 35 Liter Regen pro Quadratmeter. Retten wird das die sommerlich-angehauchte Frühlingsbilanz nicht. Es war viel zu trocken und extrem sonnig. Einzig die Temperaturen im Mai lassen das Pendel man in eine andere Richtung schwingen. Am Ende dürfte er knapp zu kalt ausfallen. Der erste zu kalte Monat seit genau einem Jahr. Das war nämlich der April 2019.

Die gute Seite der Sonnen-Medaille: Immer mehr Solarstrom

ARCHIV - Ein mit Solarzellen ausgerüstetes Einfamilienhaus in Ungershausen (Schwaben) aufgenommen am Donnerstag (28.07.2011). Die deutsche Solarindustrie sieht die geplanten Förderkürzungen als Frontalangriff gegen die Energiewende. «Was hier geplant
Besitzer von Photovoltaikanlagen können sich freuen: Die Stromerzeugung mit der Sonne brummt.
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Die Solaranlagen in Deutschland produzieren aktuell Rekordmengen an Strom. Im Mai waren es nach Berechnungen des Energiekonzerns Eon rund 5,7 Milliarden Kilowattstunden. Das sei eine Steigerung um rund eine Milliarde Kilowattstunden im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Mai sei damit bereits der vierte Monat seit Jahresbeginn, in dem mehr Solarenergie in das Stromnetz eingespeist wurde als 2019.

Die Monate verlieren ihr typisches Gesicht

 GETREIDEFELDER DUERRE TROCKENHEIT Felder am Niederreihn am 26.April 2020 in Meerbusch bei Duesseldorf *** CEREALS FIELDS DURABLE DRY FARM Fields at Niederreihn on 26 April 2020 in Meerbusch near Duesseldorf
Die Getreidefelder brauchen ganz besonders im Frühjahr den Regen.
© imago images/Laci Perenyi, Laci Perenyi via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Kein Monat wurde so sehr vom Klimawandel verändert wie der April. Und das bekommen wir in der aktuellen Frühjahrbilanz bitter zu spüren. Zumal auch der März überdurchschnittlich warm und häufig trocken verlief.

Somit haben wir seit dem Jahr 2003 nur einen deutlich zu nassen Frühling erlebt. Das war mit 120 Prozent Niederschlag 2006. Deutlich zu trockene Frühjahre erlebten wir hingegen wesentlich häufiger. Sechs waren es seit dem Jahr 2003 und vier davon sogar in den letzten 10 Jahren. Gerade in der Hauptwachstumsphase erleben wir somit einen relativ eindeutigen Trend zum Regenmangel.

Tolle Doku in der Mediathek

Mega-Hitze und große Trockenheit - und viele fragen sich: Wird Deutschland bald zum Wüstenstaat? Wie viele Dürre-Sommer hintereinander können wir eigentlich noch verkraften? Hier geht es zur DOKU - Wüstenstaat Deutschland?​

Der Trick bei wechselhaftem Wetter

Nutzen Sie die neuesten Prognosen immer und überall.
Bei wechselhaftem Wetter sollten Sie stets die neuesten Prognosen zu Rate ziehen. Laden Sie dafür die wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte herunter.