Klimawandel: Ohne schnelles Eingreifen werden viele Tiere aussterben

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21. August 2013 - 8:57 Uhr

Ein Drittel aller Tiere kann die Hälfte ihres Lebensraums verlieren

Der Klimawandel kommt, und er wird Leben fordern – das steht fest. Zahlreiche Tierarten werden aussterben. Für einige aber ist es noch nicht zu spät. Forscher fanden heraus: Je schneller und konsequenter die Treibhausgas-Emissionen gesenkt werden, umso weniger dramatisch sind die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Ohne eine sofortige und konsequente Begrenzung aber werden bis zum Jahr 2080 große Teile ihrer Lebensräume verloren gehen.

Es ist ein Spiel gegen die Zeit. Wissenschaftler errechneten, dass mehr als die Hälfte aller Pflanzen- und mehr als ein Drittel aller Tierarten damit rechnen muss, durch den Klimawandel die Hälfte des für sie geeigneten Lebensraumes zu verlieren. Gelingt es hingegen, die globalen Emissionen schnell und deutlich zu reduzieren, sind viel geringere Lebensraumverluste zu erwarten. Dann – so schreiben es die Forscher im Fachblatt 'Nature Climate Change' - haben Tieren und Pflanzen bis zu vier Jahrzehnte mehr Zeit, sich an die Klimaveränderungen anzupassen.

Die Forscher hatten verschiedenen Szenarien untersucht, wie sich die zu erwartenden Klimaveränderungen auf mehr als 48.000 weit verbreitete Tier- und Pflanzenarten auswirken werden. Können wir die Emissionen nicht begrenzen, steigen die globalen Temperaturen bis zum Jahr 2100 um vier Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Schon 2080 wird es in diesem Fall für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten deutlich weniger klimatisch geeignete Lebensräume geben, so die Forscher um Rachel Warren vom 'Tyndall Centre for Climate Change Research' (Norwich/Großbritannien).

Koalas können qualvoll verdursten oder verbrennen

Schrumpfen die Lebensräume so drastisch wie vermutet, ist es wahrscheinlich, dass die Artenvielfalt und auch die Zahl der Individuen einzelner Spezies abnimmt. Besonders stark bedroht sind Amphibien. Aber auch Reptilien und Pflanzen sind gefährdet, weil sie nicht so schnell in neue Lebensräume ausweichen können. Vor allem in Afrika südlich der Sahara, in Zentralamerika, Amazonien und Australien sind große Verluste an Tieren und Pflanzen zu erwarten. In Nordafrika, Zentralasien und Südosteuropa sind besonders viele Pflanzen bedroht.

Aussterben aber können nicht nur uns unbekannte Pflanzen und Tiere. Laut Naturschutzorganisationen zählen vor allem Eisbären, Schneeleoparden und Belugawale zu den möglichen Opfern. Wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird, kann man dann auch Kaiserpinguine nur noch auf Fotos und in Filmen bewundern. Und was ist mit Koalas? Sie werden laut Greenpeace qualvoll verhungern, weil der Nährstoffgehalt in Eukalyptusblättern sinkt. Aber nur, wenn sie nicht schon vorher sterben, weil sie bei Hitze und Trockenheit nach Wasser suchen, aus Verzweiflung ihre Bäume verlassen und gefressen werden. Vielleicht aber verbrennen sie auch. Die Zahl heftiger Buschbrände nimmt laut Greenpeace voraussichtlich zu. Diese löschen oft ganze Koala-Populationen aus.

Die letzte Hoffnung: Es muss gelingen, die Emissionen soweit zu begrenzen, dass sie 2016 ihren Höhepunkt erreichen und dann jährlich um fünf Prozent weiter sinken. Dann fallen die Verluste laut den Wissenschaftlern um 60 Prozent geringer aus. Erreicht der Treibhausgas-Ausstoß erst 2030 seinen Höhepunkt, werden immerhin noch 40 Prozent weniger Arten als ohne Emissions-Begrenzung mit einer Halbierung ihres Lebensraumes fertig werden müssen.

Die Wissenschaftler zeigten weiter, dass bei einer schnellen Absenkung der Emissionen die Temperaturen nicht nur weniger stark ansteigen, sondern auch langsamer: Klimatische Veränderungen, die ohne Begrenzung schon 2030 erreicht werden, erfolgten dann erst im Jahr 2080. Dies könnte vielen Tier- und Pflanzenarten - und auch dem Menschen - Zeit geben, sich anzupassen. "Unsere Forschung sagt vorher, dass der Klimawandel die Vielfalt selbst bei solchen Arten erheblich reduzieren wird, die in fast allen Teilen der Welt gefunden werden", betont Warren. "Dieser Verlust an weltweiter Artenvielfalt würde die Biosphäre erheblich verarmen lassen und die Leistungen der Ökosysteme deutlich einschränken."