Deutschland trocknet aus

Klimawandel: Eine solche Dürre gab es in 250 Jahren nicht

Mitteleuropa und Deutschland haben eine solche Dürrezeit seit rund 250 Jahren nicht erlebt
© dpa, Patrick Pleul

07. August 2020 - 15:43 Uhr

Extreme Dürren werden mehr und schlimmer

Verbrannte Felder und Wiesen, Wälder im Trockenstress, Ernteausfälle - seit dem Frühjahr 2018 befindet sich ein großer Teil Europas inmitten einer außergewöhnlichen Dürre. Das dürfte kein Einzelfall bleiben. Im Gegenteil. Die Häufigkeit und das Ausmaß außergewöhnlicher, aufeinanderfolgender Sommer-Dürren dürften bis zum Ende des Jahrhunderts in Mitteleuropa zunehmen. Es sei denn, die Treibhausgas-Emissionen werden drastisch reduziert.

So dramatisch wie seit 1766 nicht

Seit 1766 hat es in Mitteleuropa keine zweijährige Sommer-Dürre dieses Ausmaßes gegeben. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Leitung des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) herausgefunden. Um vorherzusagen, wie häufig solche Dürren in den kommenden Jahrzehnten auftreten könnten und welchen Einfluss Treibhausgasemissionen darauf haben, nutzten die Autoren Klima-Simulationsmodelle. Drei Szenarien haben sie berechnet.

So sehr machte die Trockenheit 2018 der Landwirtschaft zu schaffen

Ernteertrag verschiedener Feldfrüchte im 5-Jahres Vergleich (in dt/ha)
Ernteertrag verschiedener Feldfrüchte im Fünf-Jahres Vergleich (in dt/ha)

Versiebenfachung von Dürreperioden möglich

Beim höchsten angenommen Anstieg der Treibhausgase bis zum Jahr 2100 prognostizieren die Autoren eine Versiebenfachung der Anzahl zweijähriger sommerlicher Dürreperioden in Mitteleuropa in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts (2051-2100). Die Projektionen legen auch nahe, dass sich die von der Dürre betroffenen Ackerflächen fast verdoppeln werden – auf mehr als 40 Millionen Hektar.

Trockenheit verursacht größte Ernteschäden in Deutschland

Schadenaufwand in der Landwirtschaft durch Wetterextreme in Deutschland 1990 bis 2013
Schadenaufwand in der Landwirtschaft durch Wetterextreme in Deutschland 1990 bis 2013

Weniger Treibhausgase, weniger Sommerdürren

Werden niedrige Treibhausgaskonzentrationen angenommen, dann nimmt die erwartete Häufigkeit von zweijährigen Sommerdürren dagegen um über 90 Prozent ab. Die Zahl der dürregefährdeten Ackerflächen verringerte sich entsprechend um 60 Prozent.

Es geht also kein Weg an einer Reduzierung der Treibhausgasemission vorbei. Worauf warten wir noch? Wie viele Studien müssen es noch belegen?

Die Forschungsarbeit wurde im Rahmen des deutsch-tschechischen Projekts XEROS (eXtreme EuRopean drOughtS: multimodel synthesis of past, present and future events) durchgeführt und im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht.

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