RTL News>News>

Klimaschutz: EU will Kaffeemaschinen kaltstellen

Klimaschutz: EU will Kaffeemaschinen kaltstellen

Kritik an "Regelungs-Wut" der EU

Nach Staubsaugern sind nun auch stromfressende Kaffeemaschinen ins Visier der EU-Klimaschützer geraten. Wenn es nach dem Willen von Brüssel geht, werden die Warmhalteplatten der Geräte schon bald kaltgestellt.

Filter-Kaffeemaschinen mit einer Isolierkanne sollen ab 2015 nach fünf Minuten vom Netz gehen, bei Maschinen ohne Isolierbehälter sei eine Wartezeit von maximal 40 Minuten geplant. Die Regelung trifft auf teils massive Kritik. "Die EU sollte sich um wichtige Themen kümmern. Die Heizdauer von Kaffeemaschinen gehört mit Sicherheit nicht dazu", sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp den 'Lübecker Nachrichten‘. Die Unternehmensverbände (UV) Nord kritisierten, die "Regelungs-Wut" der EU stelle die Wirtschaft vor große Herausforderungen.

Seit Jahren setzt Brüssel immer mehr Produkte auf eine Energiesparliste, um die Umwelt zu schonen. Zuletzt ging es Staubsaugern mit hohem Stromverbrauch an den Kragen. Ein entsprechendes Verbot wird zum 1. September 2014 wirksam - und ab 2015 wird der Kaffee in europäischen Küchen wohl schneller kalt. Opfer, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten - zumindest einen kleinen. Richtig so, meint auch Stefan Singer vom WWF. "Was was bringt, sind Standards, sind Gesetze, sind Rahmenbedingungen, die das auch in der gesamten Gesellschaft verankern."

UN-Bericht: Klimawandel kann noch gestoppt werden

Getan werden muss auf jeden Fall etwas, da sind sich Umweltschützer und Politiker einig. In Berlin hat der Weltklimarat (IPCC) jetzt seinen aktuellen Klimabericht vorgestellt. Die Botschaft ist klar: Taifune, Stürme, extremer Smog - also alle direkten Folgen der Erderwärmung - sind noch in den Griff zu bekommen. Und sogar ohne, dass es den Wirtschaftsmotor von Schwellenländern wie China abwürgt.

Doch dazu müsste jetzt die Notbremse gezogen und der Anteil an erneuerbaren Energien weltweit deutlich ausgebaut werden. "Was wir in den nächsten 50 Jahren machen, also wie viel CO2 wir in der Atmosphäre ablagern, bestimmt für die ganze zweite Hälfte des Jahrhunderts unser Klima", mahnt Ottmar Edenhofer vom IPCC.

Deutschland hat bei dem Thema mit seiner ambitionierten Energiewende eine Vorreiterrolle eingenommen. Doch Musterschüler sind wir noch längst nicht, dazu müsste die Verbrennung von Braunkohle noch deutlich vermindert werden. Doch Kohlemeiler produzieren derzeit einfach billiger als umweltfreundlichere Gaskraftwerke. Der Markt boomt wie seit 1990 nicht mehr: Rund 50 Prozent unseres Stroms wird mit Kohlekraft erzeugt.

"Hier muss ein Umdenken stattfinden", sagt Stefan Krug von Greenpeace. "Die Investitionen müssen vor allem in kohlenstoffarme Technologien fließen - also erneuerbare Energien. Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir die Klimaerwärmung nicht in den Griff kriegen." Und ein solches Umdenken wäre weit weniger günstiger, als bisher angenommen. Laut IPCC-Berechnungen schlägt er bei einem Wirtschaftswachstum von 1,6 bis 3 Prozent im Jahr nur mit einem Minus von rund 0,06 Prozentpunkten zu Buche.

Die Regierung ist sich der Wichtigkeit des Problems bewusst und will deshalb in der kommenden Woche ein Sofortprogramm vorstellen, um den CO2-Ausstoß deutlich zu verringern.