Klimagipfel: Nur heiße Luft?

Beim UN-Klimagipfel im mexikanischen Cancun sind offenbar nur Teilerfolge möglich.
© dpa, Kay Nietfeld

29. November 2010 - 17:52 Uhr

Lediglich Teilerfolge möglich

Im Beisein von Mexikos Präsident Felipe Calderón wurde der UN-Klimagipfel im mexikanischen Cancún mit 194 Teilnehmerstaaten eröffnet. Trotzdem der Klimagipfel von Kopenhagen vor einem Jahr zum Großteil gescheitert ist, möchten die Vereinten Nationen auf die vergangenen 15 Klimakonferenzen aufbauen.

Laut Berliner Regierungskreisen sind bei dem zwölftägigen Treffen Teilerfolge möglich. UN-Kllimachefin Christiana Figueres sieht diese beim Transfer moderner Energietechnik in Entwicklungsländern, bei den Hilfen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, beim Schutz der Urwälder und bei einem Fonds, aus dem alles finanziert wird.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen machte klar: "Wir brauchen ein Paket", sagte er am Montag in Berlin. "Ich bin gegen isolierte Einzellösungen." Dies sei auch die Position der Europäischen Union. Viele offene Punkte seien dafür zu eng miteinander verknüpft. "Wir sind hart gegen ein Rosinenpicken."

Ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll, das einen verbindlichen Klimaschutz regelt, ist aber wohl nicht in Sicht. Als besonders dringend gilt es, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (Co2) massiv zu reduzieren, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

USA und China als Bremse im Klimaschutzabkommen

Besonders die USA und China gelten als Bremser für ein neues weltweites Klimaschutzabkommen. Nach der Niederlage bei den Kongresswahlen gilt die Regierung von US-Präsident Barack Obama in Klimaschutzfragen als weitgehend handlungsunfähig. In China waren die Co2-Emissionen wegen des rasanten Wachstums zuletzt mehr als doppelt so hoch wie im Jahre 1990. Schätzungen zufolge bleiben nur noch wenige Jahre, um diesem Trend entgegenzuwirken, sonst ist eine immer rasantere Erderwärmung nicht mehr aufzuhalten.

Die Hilfsorganisation Oxfam forderte von der Konferenz in Cancún, den bereits in Kopenhagen versprochenen Klima-Fonds für arme Länder formal einzurichten. Dabei sei es wichtig, sicherzustellen, dass die armen Länder direkten Zugang zu den Mitteln bekommen und gleichberechtigt über die spätere Mittelverwendung mitentscheiden dürfen. Nach Oxfam-Analysen sind allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2010 etwa 21.000 Menschen durch Unwetterkatastrophen ums Leben gekommen, doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr.

Die Europäische Union ist mit einem Anteil von 12 Prozent an den globalen Treibhausgasemissionen laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) nach China und den USA der drittgrößte Klimasünder der Welt. Zwar sei es der EU laut EAA-Exekutivdirektorin Jacqueline McGlade gelungen, ihren Ausstoß um 17 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die Bürger Europas müssten aber dennoch ihre Lebensweise tiefgreifend überdenken.

Eines gilt jedoch nationenübergreifend - die Zeit drängt. Wenn die Staatengemeinschaft weitere Leerrunden dreht, sind nicht nur die ärmeren Staaten die Verlierer. "Mit jedem Jahr, das verloren geht, wird das Erreichen der Klimaziele teuer", steht für Stephan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung fest. Bis sie schließlich gar nicht mehr zu schaffen seien.