Tipps fürs nachhaltige Gärtnern

So gestalten Sie Ihren Garten klimafreundlich

Immer mehr Menschen entdecken gerade in der Corona-Krise ihre Lust aufs Gärtnern neu.
Immer mehr Menschen entdecken gerade in der Corona-Krise ihre Lust aufs Gärtnern neu.
© Getty Images, AleksandarNakic

23. April 2021 - 10:32 Uhr

Klimaschutz im Garten: Klimafreundliches Pflanzen wird wichtiger

Gemüse und Obst selbst anbauen, ein eigenes Blumenbeet anpflanzen oder einfach die natürliche Idylle genießen. Immer mehr Menschen entdecken gerade in der Corona-Krise ihre Lust aufs Gärtnern neu. Doch da spielt nicht nur die eigene Entfaltung im Beet eine Rolle, sondern auch das klimafreundliche Pflanzen wird wichtiger. Wie das erfolgreich auf dem eigenen Balkon oder im Garten funktionieren und was jede Hobbygärtnerin und jeder Hobbygärtner dabei beachten kann, erklären Naturschutz- und Gartenexperten.

Heimische Pflanzen reagieren besser auf Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen

Der bewusste Umgang mit Wasser und dem Boden spielt beim klimafreundlichen Gärtnern eine besonders wichtige Rolle.
Der bewusste Umgang mit Wasser und Boden ist beim klimafreundlichen Gärtnern wichtig.
© Franz Peter Rudolf - Fotolia, Franz Peter Rudolf

Ob Sommer, die immer heißer werden, oder Wintermonate, die von ihren Temperaturschwankungen immer unberechenbarer werden – die Folgen des Klimawandels sind nicht nur in der Natur erkennbar, sondern auch an den Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon. Wer also jetzt damit starten will, seinen Grünen Daumen klimafreundlich zu betätigen, der solle beim Gärtnern auf den bewussten Umgang mit Wasser, Boden und der Vielfalt an Pflanzen und Tieren achten, erklärt Eva Foos vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde.

"Klimafreundliches Gärtnern beinhaltet zwei Aspekte, und zwar sich auf die klimatischen Veränderungen einzustellen und den Klimaschutz im Blick zu behalten." Angefangen bei der Bodenpflege sei es da besonders wichtig, den Boden ganzjährig bedeckt zu halten, "sei es durch Bepflanzung oder Mulch, und ihn so vor Wasser- und Winderosion zu schützen. Der Aufbau einer stabilen Bodenstruktur hilft, Wasser gut speichern zu können", sagt Foos. Ein so gepflegter Boden speichere Regenwasser und halte Pflanzen auch in Trockenzeiten fit.

Klimaschonend Gärtnern: Natürlich düngen mit Kompost

Richtig kompostieren ist beim klimafreundlichen Gärtnern ebenfalls sehr wichtig.
Im Kompost schließe sich der Kreislauf im Garten und die entnommenen Nährstoffe werden dem Garten wieder zugefügt.
© picture alliance / Frank May, Frank May

Klimafreundlich bedeute auch Treibhausgase zu reduzieren, erzählt Foos. "Hier spielt vor allem der Verzicht auf torfhaltige Gartenerde eine große Bedeutung. Setzen Sie stattdessen auf Komposterde. Grundsätzlich ist die Herstellung weitgehend geschlossener Stoffkreisläufe (Kompostierung, Mulchen) ressourcenschonend und somit klimafreundlich." Auch ein Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel (Mineraldünger) sowie Pflanzenschutzmittel trage zum Klimaschutz bei.

"Pflanzlicher Dünger ist in der Herstellung energiesparender als synthetischer Dünger. Zudem erhält er das Bodenleben und somit auch die Fähigkeit des Bodens Kohlenstoff in Form von organischem Material zu speichern. Auch hier ist es wichtig, regionale Produkte zu verwenden (Kein Guano, sondern lieber Pferdemist vom Stall nebenan)", erklärt Marja Rottleb vom Naturschutzbund Deutschland im RTL-Interview.

Optimal sei Kompost. Hier schließt sich der Kreislauf im Garten und die entnommenen Nährstoffe werden dem Garten wieder zugefügt. Zudem müsse kein Dünger gekauft werden. Auch Jauchen und Brühen könnten als Dünger eingesetzt werden, führt Rottleb aus. "Zum Beispiel Brennnesseljauche. Diese ist auch ein gutes Mittel gegen Schädlinge und eine der beliebtesten Raupenfutterpflanzen für Schmetterlinge. Sie sollte also unbedingt stehen bleiben dürfen."

Auch Hornspäne, Gesteinsmehl oder Kräuterextrakte im Garten seien oft besser geeignet als sogenannte Kunstdünger. Torffreie Erde gebe es inzwischen in vielen Baumärkten und Gartencentern, erklärt dazu Michael Henze vom Bundesverband Garten-,Landschafts- und Sportplatzbau im RTL-Interview. "Eine ausreichende Kalkversorgung nach Bodenprobenahme ist besonders bei Lehmböden wichtig. Für sandige und/oder humose Böden empfiehlt sich eine Gründüngung."

Heimische Pflanzen besser an Standort angepasst

Ein Teich im Garten hat für das Klima und die Umwelt einige Benefits zu bieten.
Das Wasser eines Gartenteichs wirkt ausgleichend auf die Umgebungstemperatur, im Winter, aber auch im Sommer und erhöht die Luftfeuchte.
© iStockphoto

Schon beim Kauf der Pflanzen für den Garten ist auf Standort und Klima zu achten, erklären die Gartenexperten. "Pflanzenarten reagieren unterschiedlich auf Klimaveränderungen. Heimische Arten sind besser an den Standort angepasst und reagieren so gelassener auf Veränderungen wie Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Werden die Pflanzen gepflanzt, wenn sie noch klein sind, passen sie sich optimal an den Standort an. Es muss also nicht die große teure Pflanze sein", erklärt Marja Rottleb. Neben der Widerstandsfähigkeit regionaler Pflanzen spielen auch die geringeren Transportwege eine Rolle in der Ökobilanz des eigenen Gartens, so der Naturschutzbund.

Zu finden sind die Pflanzen meist im regionalen Gartenfachhandel. "Mulch muss nicht zugekauft werden. Man verwendet einfach die anfallenden Materialien aus dem Garten, wie Häcksel und Grasschnitt (nur dünn auftragen). Das spart Ressourcen und Geld", rät der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde.

Billigpflanzen sind, laut Bundesverband für Garten- und Landschaftsbau, zu vermeiden. Das seien häufig fremde Arten und gefährden die regionale Pflanzenvielfalt. Zudem seien sie anfälliger gegenüber Krankheiten und Schädlingen.

Wasser speichern und Bäume pflanzen

Dachwasser zu speichern, kann bei der klimaneutralen Bewässerung des Gartens helfen.
Pflanzen sollten nicht jeden Tag ein bisschen, sondern lieber alle paar Tage mit viel Wasser gegossen werden.
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Zur klimafreundlichen Gestaltung des Gartens rät der Naturschutzbund Deutschland zum bewussten Einsatz von Wasser und zur klimagerechten Ausrichtung des Gartens:

  • Ein etwas hügelig modellierter Gartenboden hält Feuchtigkeit besser und trocknet somit nicht so schnell aus.
  • In Senken sammelt sich Wasser und so können dort Pflanzen mit höheren Feuchtigkeitsbedarf besser überleben.
  • Eine Hecke an der nordöstlichen Seite des Gartens hält Wind ab und die Pflanzen trocknen nicht so schnell aus. Zudem ist diese für Vögel sehr gut.
  • Wer möchte, kann einen Teich anlegen. Viele Tiere brauchen im Sommer Wasser. Zudem wirkt Wasser ausgleichend auf die Umgebungstemperatur, im Winter, aber auch im Sommer und es erhöht die Luftfeuchte.
  • Regenwasser sammeln, oder direkt im Garten versickern. So spart man Wasser und Geld.
  • Pflanzen nicht jeden Tag ein bisschen, sondern lieber alle paar Tage mit viel Wasser gießen, so "erzieht" man sie, selbst auf die Suche nach Wasser zu gehen und die Wurzel wachsen tiefer in den Boden.
  • Einfach mal wachsen lassen- Rasen trocknet schnell aus. Kräuter im Rasen, wie Spitzwegerich, Löwenzahn und Gänseblümchen nicht. Sie sind nicht nur Nahrung für Insekten, sondern auch noch grün, wenn der Rasen längst vertrocknet ist. Als Saatmischung nennt sich das "Kräuterrasen".
  • Wer im Garten auch sonst mal eine Ecke wachsen lässt, schafft dort Rückzugsräume für Tier und Mensch an heißen Tagen.
  • Schattenspender Nummer eins sind Bäume. Diese sollten in keinem Garten fehlen.

„Nichts, was im Garten an organischem Material anfällt ist Müll"

Recycling und eine klimafreundliche Gestaltung des Gartens sind wichtige Aspekte beim Gärtnern.
Gerade mit Blick auf den Klimawandel und die klimafreundliche Gestaltung des Gartens ist es wichtig Recycling im Blick zu haben.
© imago images/blickwinkel, E. Teister via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Auch bei der Pflege sei weniger mehr, vor allem im Sommer, erklärt Marja Rottleb vom Naturschutzbund. "Je mehr stehen bleiben darf, desto weniger kann die Sonne die darunter liegenden Pflanzen und den Boden austrocknen und verbrennen." Auch beim Gießen sollte mit Augenmaß gehandelt werden. Laut der Gartenexpertin geschehe das am besten abends und zielgerichtet. "Bewässerungssysteme können auch helfen Wasser zu sparen. Beim Gießen sollten Prioritäten gesetzt werden, nicht alle Pflanzen werden auf Dauer die Trockenheit überleben können und müssten wahrscheinlich irgendwann durch hitzetolerante Arten ersetzt werden."

Gerade mit Blick auf den Klimawandel und die klimafreundliche Gestaltung des Gartens sei es wichtig in Kreisläufen zu denken und Recycling im Blick zu haben, rät Eva Foos vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. "Nichts, was im Garten an organischem Material anfällt ist Müll. Sie können aus Ästen Totholzhecken anlegen, Häcksel und Grasschnitt können als Mulch dienen, manch hohler Halm in einem Insektenhotel zur Bienenkinderstube werden."

In diesem Sinne kann jede und jeder seine Grünfläche oder auch den Balkon klimafreundlich umrüsten, ohne dabei viel auszugeben, aber einen Mehrwert auch fürs Klima zu leisten.

Von Laura Maria Weber

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