Klimabeschlüsse des G7-Gipfels: Ist das der Durchbruch in der Energiewende?

© dpa, Julian Stratenschulte

10. Juni 2015 - 11:37 Uhr

Von Lukas Pöggeler

Das Klima stand in Elmau im Fokus der Gespräche. Der Ausstoß von Klimagasen soll bis zum Jahr 2050 um bis zu 70 Prozent gedrückt werden. Dadurch soll der weltweite Anstieg der Durchschnittstemperaturen auf zwei Grad begrenzt werden. Dazu sollen jedes Jahr 100 Milliarden Dollar vor allem für Entwicklungsländer zur Verfügung gestellt werden, allerdings erst ab 2020. Dennoch könnten die Ankündigungen der Durchbruch im Bereich der Energiewende sein.

"Wenn die globalen Treibhausgasemissionen tatsächlich bis 2050 um zwei Drittel sinken, wäre das in der Tat ein Durchbruch", sagt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer bei Germanwatch. Auch der Experte für Energiepolitik und Klimaschutz beim Naturschutzbund (NABU), Sebastian Scholz, sieht Positives in den Beschlüssen: "Das war im Vorfeld nicht zu erwarten. Angela Merkel wird sich hier gegen einigen Widerstand durchgesetzt haben."

Um diese ehrgeizigen Ziele einhalten zu können, muss eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien geschafft werden. "Die Gesamtbotschaft der G7 ist, dass die fossilen Energien weiter unter Feuer genommen werden und ihre Tage aus Gründen des Klimaschutzes gezählt sind", sagt Regine Günther, Klimaschutz- und Energieexpertin beim WWF Deutschland.

Es gibt Hoffnungszeichen

Die Abkehr von fossilen Brennstoffen wie Kohle oder Öl ist auch in Zahlen zu belegen. "Fest steht, dass im Jahr 2013 erstmalig mehr Investitionen in erneuerbare Energien getätigt wurden, als in fossile Energien", sagt Regine Günther. Auch Christoph Bals sieht Hoffnungszeichen: "China hat im vergangenen Jahr trotz sieben Prozent Wirtschaftswachstum weniger Kohle verbrannt, als im Jahr zuvor. Auch in den USA sinkt der Kohleeinsatz seit 2005 und in Indien ging im vergangenen Jahr nur jedes Siebte der geplanten Kohlekraftwerke in Betrieb." Gleichzeitig werden erneuerbare Energien von Jahr zu Jahr kostengünstiger. "Es wird vieles möglich sein, was vor wenigen Jahren noch utopisch schien", ist sich Christoph Bals sicher.

Wie schnell fossile Energien ausgedient haben sollen, ist aber umstritten. Versprechungen sind schön, aber wer gibt wann seinen Abkehr von fossilen Brennstoffen bekannt? "Wenn die G7 ihre heutigen Beschlüsse in die Tat umsetzen wollen, müssen sie unverzüglich den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern einleiten, insbesondere aus der klimaschädlichen Kohle", sagt Jörn Kalinski von Oxfam.

100 Milliarden reichen nicht

Kritikpunkt an den Beschlüssen ist vor allem, dass sie noch recht unklar sind. 100 Milliarden US-Dollar sollen ab 2020 jährlich als Unterstützung der Entwicklungsländer bereitgestellt werden. "Das wird bestimmt nicht ausreichen, um weltweit die Energiewende durchzusetzen", sagt Regine Günther. Doch nicht nur die Betragshöhe ist in der Kritik, es mangelt an einem klaren Plan, sagt Sebastian Scholz: "Es fehlt noch immer eine klare Aussage dazu, wie die 100 Milliarden US-Dollar zusammen kommen sollen. Hier sehen wir die G7 weiterhin in der Pflicht weitergehende Zusagen zu machen."

Jörn Kalinski schlägt in die gleiche Kerbe: "Das langt nicht. Weder haben die G7-Länder einen Fahrplan in Aussicht gestellt, wie sie ihr Versprechen bis 2020 erreichen wollen, noch haben sie angekündigt, auch tatsächlich mehr Geld in die Hand zu nehmen." Die anderen G7-Chefs sollten sich an Angela Merkel ein Beispiel nehmen, denn sie hat angekündigt, die Klima-Hilfen aus Deutschland bis 2020 zu verdoppeln. "Was derzeit an Hilfen für die Bewältigung der Folgen des Klimawandels bereitsteht, entspricht gerade mal zwei Prozent dessen, was eigentlich nötig wäre", sagt Kalinski.

Merkel muss jetzt zeigen, wie ernst sie es meint

Schon in den nächsten Tagen kann Angela Merkel zeigen, wie ernst sie es mit der Energiewende meint, denn derzeit laufen die Verhandlungen über die Ausgestaltung des Klimabeitrags. Denn die geplante Abgabe für die ältesten und schmutzigsten Kohlekraftwerke droht wegen des Widerstands der Energiekonzerne und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) zu kippen, sagt Kalinski. "Wir erwarten, dass sich die Kanzlerin nach den internationalen Erfolgen im Klimaschutz bei dem G7-Gipfel auch endlich in die nationalen Klimaschutzdiskussionen einschaltet", so Sebastian Scholz.

Regine Günther sieht in den Beschlüssen der G7-Konferenz keinen großen Durchbruch, da sie nur von sieben wichtigen Industrieländern durchgeführt wurde. Der Wandel erhalte durch solche Konferenzen aber Rückenwind. Dieser Rückenwind soll dann am Ende des Jahres auf der UN-Klimakonferenz in Paris genutzt werden. "Wir erwarten, dass sich die Staatengemeinschaft auf ein starkes und verbindliches Klimaschutzabkommen einigen wird, mit dem es möglich ist, den Klimawandel wirksam zu begrenzen", sagt NABU-Experte Sebastian Scholz.

Paris habe drei Kernaufgaben. Erstens müsse der Trend weg von fossilen Energien hin zu erneuerbaren Energien beschleunigt werden, zweitens müssten Regeln zur Überprüfbarkeit und regelmäßige Nachbesserungen der Ziele verbindlich festgelegt werden und drittens gehe es darum, die Menschen, die vom Klimawandel betroffen sind, nicht alleine im Regen stehen zu lassen, meint Christoph Bals. "Die Chancen für ein ambitioniertes Abkommen sind durch den G7-Gipfel gestiegen, aber es liegt noch ein harter Weg vor uns", sagt Bals.