Mehr Wetterextreme im Winter 2020

Klima und Winter: Das arktische Meereis wächst so wenig wie seit Beginn der Messungen

26. Oktober 2020 - 15:24 Uhr

Klimawandel trifft die Arktis mit voller Wucht

Die arktischen Regionen bekommen den Klimawandel am heftigsten zu spüren. Die Verringerung der Eisflächen führt nämlich dazu, dass sich die Erwärmung dort größer auswirkt als im Rest der Welt. Gerade jetzt, wenn es auf den Nordhalbkugel in Richtung Winter zu geht, müssten aber die Eisflächen am Nordpol wieder deutlich zulegen. Doch so schlecht wie jetzt hat es in den vergangenen 40 Jahren noch nie ausgesehen. Und das dürfte sich auch auf den Winter 2020 in Europa auswirken. Mehr Wetter-Extreme könnten die Folge sein.

Oben im Video: Frost-Fakten für den Winter – mit wie viel eisigen Tagen müssen wir in Deutschland durchschnittlich rechnen?

Im Sommerhalbjahr wird das Eis weniger

Im Sommerhalbjahr werden die arktischen Meereis-Flächen kleiner. Das ist normal und betrifft grob den Zeitraum von April bis September. Im Oktober beginnt hingegen das rasante Wachstum der Eisflächen. In diesem Jahr ist das Oktober-Wachstum aber so gering wie seit Beginn der Beobachtungen vor 40 Jahren. Selbst im bisherigen Rekord-Jahr 2012 sah es zu diesem Zeitpunkt noch etwas besser aus.

ARCHIV - 15.08.2019, Grönland, Kulusuk: Ein kleines Boot fährt an einem großen Eisberg in Ostgrönland vorbei. Mit der Erderwärmung dehnt sich das Meerwasser aus, die Eismassen schmelzen und der Meeresspiegel steigt. Den Einfluss von CO2 auf Meer und
Klimawandel in Grönland. Gerade an den Polen der Erde macht sich die Veränderung des Klimas drastisch bemerkbar. Denn die kalten Eisflächen werden immer weniger.
© dpa, Felipe Dana, FD WM hen wst

Warum wächst das arktische Meereis so langsam?

Hierfür lassen sich vereinfacht gesehen zwei Hauptgründe ausmachen. Zum einen war es im Verlauf der vergangenen Monate in Sachen Temperaturen am Nordpol sehr warm. Die positive Temperaturanomalie des Jahres 2020 bisher liegt in den nördlichsten Breiten bei über 4 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert. Zum anderen ist in der Polarregion auch jetzt noch viel zu warm, was sich wiederum ebenfalls auf die zu hohen Wassertemperaturen auswirkt. Auch der Salzgehalt spielt eine Rolle.

Ein Eisbär steht auf einer Eisscholle im Nordpolarmeer. Der Klimawandel macht den Lebensraum der Eisbären immer kleiner.
Auch ein Lebensraum ist in Gefahr. Das arktische Meereis wird immer weniger.
© dpa, Ulf Mauder, fgj

Welche Auswirkungen wird das auf den Winter 2020/2021 haben?

Diese Frage lässt sich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht im Detail beantworten. Fakt ist aber, dass bei einer geringeren Ausbreitung des Meereises die Vitalität und die Aktivität des Polarwirbels gestört werden könnte. Dieser ist mitverantwortlich für den Verlauf unseres Winters und gerät derzeit so langsam in Bewegung. Bei einem starken Polarwirbel und einem intensiven Jetstream wird unser Wetter im Winter eher von milden westlichen Winden bestimmt. Ist der Wirbel geschwächt oder gar geteilt, dann haben andere Wetterlagen eher ein Chance. Sowohl sehr kalte auch sehr milde Lagen. Das Wetter hat somit den Hang zu mehr Extremen.

Wetterlagen-Roulette im Winter: Der Winter 2012 war eher kalt

Nimmt man die geringe Ausdehnung des Meereises des bisherigen Negativ-Rekordhalters das Jahr 2012 mal als Referenz, dann könnten wir im Winter 2020/2021 häufiger mal die dicke Jacke brauchen. Denn die kalte Jahreszeit zog gerade gegen Ende im Februar und März 2013 nochmals richtig an. Im März 2013 sorgte nämlich ein Polarsplitt für eine Temperaturabweichung von mehr als drei Grad nach unten. Am kältesten war der Osten unseres Landes, wo es um die fünf Grad kälter war als im langjährigen Mittel.

Auch Extreme der anderen Art sind denkbar

Doch nicht nur kalte Wetterlagen mit nördlichen oder östlichen Winden sind in diesem Szenario denkbar. Auch mit von der Partie wären wohl auch Wetterlagen der Kategorie Süd-Nord. Also deftig milde Phasen. Grundsätzlich ist dementsprechend die Wahrscheinlichkeit für einen Winter der Wetter-Extreme aus jetziger Sicht deutlich erhöht. In den USA dürfte dieses Wetter der Gegensätze ebenso für eine deutliche Zunahme der Wetterkapriolen im Winter 2020/2021 sorgen.

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