Kleiner Charlie soll sterben - Jetzt sprechen seine Eltern zum ersten Mal

20. April 2017 - 15:23 Uhr

Sie wollen um das Leben ihres schwer kranken Babys kämpfen, doch das Gericht entschied: der kleine Charlie soll in Würde sterben - jetzt. Man kann sich gar nicht vorstellen, was Charlies Eltern Connie Yates und Chris Gate gerade durchmachen. Die behandelnden Ärzte haben sich dafür eingesetzt, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt werden und vor Gericht Recht bekommen. Zum ersten Mal sprechen jetzt Charlies Eltern darüber, was in ihnen vorgeht.

"Wir kennen ihn besser als jemand sonst"

Als Charlies Mutter Connie den niederschmetternden Beschluss des Richters hörte, wollte sie sofort ins Krankenhaus, um ihren kleinen Sohn zu umarmen. In ihren Augen wurde Charlie zum Tode verurteilt und das können und wollen sie und ihr Partner Chris nicht akzeptieren. "Als liebende Eltern, die ihr Kind an erster Stelle sehen, kann ich nicht in Worte fassen, wie schmerzhaft es ist, dass uns unser elterliches Recht weggenommen wird und dass Fremde Entscheidungen über unser Kind treffen", so Connie im Interview mit der 'Daily Mail'. Bis heute kämpft das Paar gegen das richterliche Urteil an.

Als Charlies Eltern nach dem Urteil in der Klinik ankamen und ihren kleinen Sohn in seinem blauen Strampelanzug dort liegen sahen, brach es ihnen das Herz. "Chris nahm den kleinen Stoff-Affen, den er jeden Tag zum Gerichtssaal mitnahm, um einen Teil von Charlie bei sich zu tragen, aus seiner Tasche und legte ihn zu Charlies anderem Äffchen", erinnert sich Connie, die den Moment kaum ertrug. Vor Charlies Bettchen brach sie zusammen und entschuldigte sich bei ihrem Sohn dafür, dass sie ihn fallengelassen und dass sie wohl nicht genug um ihn gekämpft hätten.

Connie und Chris sind sich entgegen vieler Meinungen sicher, dass Charlie sie an diesem Tag - genauso wie an jedem anderen Tag - wahrgenommen habe. Sie glauben daran, dass es noch eine Chance für ihren kranken Sohn gibt. "Wir sind seine Eltern und wir haben 3.000 Stunden mit Charlie verbracht und wir kennen ihn besser als jemand sonst", erzählte Connie. Ans Aufgeben denken sie und Chris noch lange nicht, denn "wenn es die kleinste Chance auf Heilung gibt - und Ärzte in Amerika glauben das - welche Eltern würden diese Chance nicht ergreifen?"

"Schweren Herzens aber aus voller Überzeugung" urteilte der Richter

Britische Ärzte geben Charlie keine Chance auf Heilung.
Britische Ärzte geben Charlie keine Chance auf Heilung.
© gofundme /help Charlie

Charlie liegt durch einen geerbten Gendefekt mit schlimmen Gehirnschäden in einem Krankenhaus in London. Nur Maschinen erhalten das acht Monate alte Baby noch am Leben. Doch auch wenn britische Ärzte dem Kleinen keine Chance auf Heilung mehr geben, hoffen seine Eltern auf eine ganz bestimmte Therapie in den USA, für die sie schon knapp anderthalb Millionen Euro Spenden gesammelt haben. Doch nicht nur, weil diese Therapie noch unerforscht ist, sah der Richter darin keine Chance und veranlasste, Charlies lebenserhaltenden Maschinen abzuschalten, damit er in Würde sterben könne.

Der Richter sagte, er habe diese Entscheidung "mit schwerem Herzen, aber aus voller Überzeugung, dass es das Beste für Charlie sei" getroffen. Er glaubt nach der Beurteilung der Experten nicht daran, dass die Therapie dem Jungen heilen kann und geht sogar davon aus, dass das Baby Schmerzen durch die Therapie erleiden könnte. Ohne die Unterstützung des Krankenhauses kann Charlie nicht in die USA gebracht werden.

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Können deutsche Richter auch über den Willen von Eltern hinweg entscheiden?

Wir haben einmal nachgefragt, ob solch ein tragisches Urteil über den Kopf der Eltern hinweg auch in Deutschland möglich wäre: "In Deutschland haben die Eltern natürlich das Recht zur Sorge für das Kind", so Rechtsanwalt Alexander Schäfer. "Das heißt natürlich auch, dass die Eltern darüber entscheiden, welche medizinischen Maßnahmen beim Kind vorgenommen werden."

Charlies Eltern bleibt nun nur noch die Chance, gegen das Urteil in Berufung zu gehen, um ihrem Sohn die Therapie zu ermöglichen. "Sie werden bis zum bitteren Ende kämpfen und nicht aufgeben. Sie lieben diesen kleinen Jungen und solange es noch Hoffnung gibt, werden sie weitermachen", sagte ein Freund der Familie der britischen Zeitung der 'Dailymail'. Solange werden die Maschinen noch eingeschaltet bleiben. Wir wünschen der Familie auf ihrem weiteren Weg viel Glück, Kraft und Besonnenheit.

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