Kleine Kneipe an der Ecke stirbt aus

08. April 2012 - 19:10 Uhr

Jede vierte Kneipe hat seit 2001 geschlossen

In Deutschland musste seit 2011 jede vierte Kneipe dicht machen. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden sowie Berechnungen der 'Welt am Sonntag' hervor. Wie die Zeitung berichtete, sank die Zahl der Schankwirtschaften bundesweit seit 2001 von fast 48.000 auf 36.000 im Jahr 2010.

Kneipe, Gaststätte, Gastgewerbe
Jede vierte Kneipe in Deutschland hat seit 2001 dicht gemacht.
© dpa, Tobias Felber

Besonders stark betroffen waren demnach die Länder Hamburg (-48,1 Prozent) und Niedersachsen (-41,2 Prozent). Lediglich in Berlin (+95,8 Prozent) und Baden-Württemberg (+15,3 Prozent) stieg die Zahl der Kneipen in dem Zeitraum.

In Bayern sank die Zahl der Wirtshäuser laut Bericht um 24,5 Prozent. In rund 500 von 2.200 bayerischen Gemeinden gebe es mittlerweile überhaupt keine Gaststätte mehr. "Mit dem Wirtshaus verschwindet eine Einrichtung mit hohem sozialen und kulturellen Stellenwert aus den Gemeinden", sagt Florian Kohnle vom Lehrstuhl für Kulturgeografie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt der 'Welt'.

In Nordrhein-Westfalen hat laut dem Bericht jede dritte Kneipe dicht gemacht. Wie die Zeitung berichtete, sank die Zahl der Schankwirtschaften im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland bis zum Jahr 2010 auf knapp 9.700 (minus 31,8 Prozent). 2001 waren es demnach noch knapp 14.200 Kneipen gewesen. Auch der Umsatz der Schankbetriebe in NRW sei um knapp 28 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro geschrumpft, berichtete die 'WamS'.

Konkurrenz durch Vereinskneipen

Die Ursachen für das Gaststätten-Sterben seien vielfältig: "Bevölkerungsrückgang auf dem Land, Mobilitätszuwachs, Veränderungen von Arbeitswelt und Freizeitverhalten und die Konkurrenz durch Vereinsheime", so Kohnle. "In den letzten Jahren ist der Trend zu beobachten, dass viele ihre eigenen Vereinsheime bauen und dort feiern. Die Wirte gehen leer aus."

Diese "Wettbewerbsverzerrung" beklagt auch die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands, Ingrid Hartges. In vielen Vereinsheimen herrsche inzwischen ein beinahe professioneller Barbetrieb - unversteuert und ohne behördliche Auflagen.

Die zuletzt arg gebeutelten Wirte und Hoteliers in Deutschland hatten allerdings 2011 ihr Geschäft stark ausbauen können. Die Branchenumsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahr nominal um 3,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt im Februar mitgeteilt hatte. Seit dem Einbruch im Krisenjahr 2009 legte das Gastgewerbe damit nominal zum zweiten Mal in Folge zu. Der Gesamtumsatz lag bei knapp 60 Milliarden Euro.

Auch in Kneipen und Restaurants wurde mehr Geld umgesetzt als im Vorjahr - das hatte es nominal zuletzt 2001 gegeben, dem Jahr vor der Einführung des Euro-Bargelds. Im Folgejahr gingen die Umsätze dann kräftig in den Keller: Die Gäste blieben aus, weil sie den Wirten bei der Umrechnung in Euro verdeckte Preiserhöhungen vorwarfen. Seitdem ging es stetig bergab.