Eltern müssen im Regen warten, bis ihre Kinder rauskommen

Kita schließt erst Kinder aus dem gemeinsamen Betrieb aus – jetzt bekommen Eltern Hausverbot

08.03.2021, Niedersachsen, Delmenhorst: Kinder spielen in einer Kita. In Regionen, deren Sieben-Tage-Wert an drei aufeinanderfolgenden Tagen unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner liegt, kehren die Kitas in den eingeschränkten Regelbetrieb zu
Ob ein harmonisches Miteinander in der Kita noch möglich ist, kann nur die Zukunft zeigen.
ssd lop, dpa, Sina Schuldt

Die Zustände in der Kita „Nannys Place“ im Berliner Ortsteil Lichterfelde (Stadtteil Steglitz-Zehlendorf) nehmen immer weitere Ausmaße an, die womöglich eine Eskalation zur Folge haben könnte. Die „B.Z.“ hatte darüber berichtet, dass in der Einrichtung Kinder von anderen getrennt wurden, weil Eltern eine von der Kitaleitung ausgerufene monatliche Zahlung nicht übernehmen wollten. Die neuste Entwicklung sorgt wohl nicht für Entspannung: Die Leitung soll einigen Eltern Hausverbot erteilt haben.

"Maulwurf-Gruppe" in Berliner Kita für Kinder, deren Eltern keine 700 Euro zahlen

Die Kitaleitung hatte zunächst angekündigt, dass alle Eltern dem Förderverein der Kita beitreten und dadurch monatlich 700 Euro an Mitgliedsbeiträgen bezahlen sollen, berichtet die „B.Z.“ Diese Summe wollten oder konnten einige Eltern nicht aufbringen, heißt es im Bericht weiter. Die Kinder der Eltern, die nicht zahlen wollten, sollen dann in einer Extra-Gruppe, der „Maulwurf-Gruppe“ betreut worden sein. Weder an Aktivitäten noch am Kitaessen hätten die Kinder teilnehmen dürfen.

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Bestimmte Eltern bekommen Hausverbot

Nun gibt es wohl eine neue Entwicklung in der Einrichtung, berichtet die „B.Z.“: Zwar wurde die oben genannte Gruppe nach einer einstweiligen Verfügung aufgelöst und alle Kinder sind wieder vereint, allerdings soll die Kita-Leitung nun Hausverbote gegen Eltern ausgesprochen haben, die nicht dem Förderverein beitreten wollen.

Vermutlich wurde auch auf Druck des Berliner Senats zunächst gehandelt. Der Senat teilte nach RTL-Anfrage am 13.09. mit: „Wir missbilligen das Vorgehen des Trägers. Zu diesem Fall fand gestern unverzüglich nach unserer Kenntnisnahme davon ein Gespräch mit dem Träger statt. Darin haben wir deutlich gemacht, dass weder Eltern zu Zusatzbeiträgen von mehr als 90 Euro verpflichtet werden dürfen, noch die Separierung von Kindern geduldet werden kann (…).“

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Kitaleitung gibt keine Auskunft

Dass jetzt aber laut „B.Z.“ nichtzahlende Eltern nicht mehr in die Kita dürfen, wirft kein gutes Licht auf den Träger. Ein Vater hatte sich zu den Betroffenen dort anonym geäußert: „Die müssen bei Regen warten, bis ihr Kind rausgebracht wird.“ Die Stimmung in der Einrichtung sei mittlerweile angespannt und das habe nun auch erste Folgen in der Elternschaft.

So hätten sich zwei Lager von Eltern gebildet, die eigentlich das Wohl ihrer Kinder an erster Stelle stehen haben sollten, jetzt aber gegeneinander arbeiten würden.

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Nichtzahlende Eltern sollen raus

Die zahlenden Eltern wollen mit einer Petition und Briefen an den Senat erzwingen, dass die nichtzahlenden Eltern die Kündigung erhalten und dadurch den Kitaplatz verlieren, berichtet die „B.Z.“ weiter. Unterstützung würden sie hierbei von der Kitaleitung erfahren.

Trotz dieser Unstimmigkeiten seien sich alle Beteiligten aber einig, dass die Kitaplätze erhalten bleiben sollen, was auch im Interesse der Senatsverwaltung läge.

Das bestätigte eine Sprecherin der Zeitung: „Unser Anliegen ist es nicht, die Kita zu schließen, sondern Missstände zu beheben.“

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Entscheidung im nächsten Monat

Die Vorwürfe gegen die Kita würden in diesen Tagen geprüft und Mitte Oktober soll eine Entscheidung getroffen werden, wie es mit der Einrichtung weitergeht.

Auf Anfrage von RTL wollte sich „Nannys Place“ nicht äußern. (nul)