Bürgermeisterin von Viersen steht Rede und Antwort

RTL-Moderatorin Katja Burkard: Warum hat man dieser Frau kleine Kinder anvertraut?

03. Juni 2020 - 8:41 Uhr

Video: Warum hat sich niemand die Zeugnisse der Erzieherin angeschaut?

Die dreijährige Greta könnte vielleicht noch am Leben sein, wenn sie jemand aufgehalten hätte. Offenbar hat die 25-jährige Erzieherin Sandra M., die Greta in der Kita "Steinkreis" ermordet haben soll, in den vergangenen Jahren bereits drei andere Kinder in verschiedenen Kitas lebensgefährlich verletzt. Konsequenzen hatte das für die Frau aber nie. Auch sollen ihre neuen Arbeitgeber nie über die Vorfälle informiert worden sein. Wie so etwas schreckliches nur passieren kann und welche Konsequenzen jetzt gezogen werden müssten, mit diesen Fragen konfroniert RTL-Moderatorin Katja Burkard Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller im Video.

"Keine Empathie, kein Zugang zu Kindern"

Sandra M., eine staatlich geprüfte Erzieherin, wird beschuldigt, die kleine Greta im April getötet zu haben. Die Dreijährige kam damals mit Atemstillstand in eine Klinik und verstarb wenige Tage später. Rechtsmediziner fanden Spuren, die auf Gewalteinwirkung hindeuteten. Am Donnerstag gaben die Ermittler dann weitere schockierende Details zum Mordfall bekannt. Dabei kam raus: Die Erzieherin hat offenbar schon seit 2017 in drei anderen Kitas Kinder angegriffen. "Man hat sich gewundert, warum sich ein solcher Mensch so einen Job ausgesucht hat und warum er so weit gekommen ist", sagt Kriminaldirektor Manfred Joch gegenüber RTL, "Die Beschreibungen sind immer vergleichbar: Keine Empathie, kein Zugang zu Kindern."

Bürgermeisterin: Es gab "kein Verdacht, kein Anlass zu irgendeiner Sorge"

Viersen
Erzieherin Sandra M. sitzt wegen Mordverdacht in Untersuchungshaft.
© Privat

Und dennoch wurde die Polizei nie alarmiert. Obwohl es zwischen 2017 und 2019 zu mehreren merkwürdigen Vorfällen in Kitas in Krefeld, Kempen und Tönisvorst gekommen sein soll, als die Kinder unter der Aufsicht der Verdächtigen standen. Mehrere Kleinkinder litten laut den Ermittlern plötzlich unter Atemnot, aber nie sei der Verdacht auf die 25-Jährige gefallen. Schließlich bekam die Frau im Januar 2020 einen neuen Job in der Kita in Viersen.

RTL-Moderatorin Katja Burkard fragt Bürgermeisterin Anemüller im Video, warum sich niemand die Zeugnisse der Erzieherin angesehen hat, bevor man ihr kleine Kinder anvertraut hat? Ein staatlich anerkanntes Zeugnis der Erzieherin lag damals vor, so die Bürgermeisterin, "es gab keinerlei Ausschluss oder irgendwelche Hinweise." Es habe ein Auswahlgespräch mit der Beschuldigten gegeben, wo "einstimmig für diese Frau ein Votum abgegeben" worden ist. In der folgenden Probezeit "ist tatsächlich kein Verdacht, kein Anlass zu irgendeiner Sorge erhoben worden", so Anemüller und erklärt: "Wir sind allerdings auch fassungslos darüber, was im Vorfeld passiert ist und verstehen selber nicht, wie hier nie ein Zusammenhang entdeckt worden ist."

Verdacht wiege schwer und sei unerträglich

Die Vorfälle müssten nun gründlich und umfassend aufgeklärt werden, so die Bürgermeisterin. Laut dem NRW-Familienministerium stünden nun mehrere Kitas im Fokus der Ermittlungen. "Sollten sich die schrecklichen Vorwürfe bewahrheiten, muss auch im Detail vor Ort der Frage nachgegangen werden, ob ernsthafte Frühwarnzeichen ignoriert wurden und ob die Vorfälle dem zuständigen Jugendamt nicht gemeldet und keine Anzeigen erstattet wurden", teilte das Ministerium am Donnerstagabend mit. Der Verdacht gegen die 25-Jährige wiege schwer und sei unerträglich.

Nach RTL-Informationen wurde M. inzwischen in eine andere JVA verlegt. Offenbar bestand die Sorge, dass es zu möglichen Übergriffen auf die Frau kommen könnte.